Der Kampf gegen den Pokalfluch

Nach drei erfolglosen Final-Four-Teilnahmen will die SG BBM ihrer Favoritenrolle gerecht werden. Im Halbfinale wartet Metzingen.

Erstellt: 15. Mai 2021
Der Kampf gegen den Pokalfluch Kreisläuferin Anna Loerper (rechts) möchte sich mit dem Pokalsieg in den Handballerinnen-Ruhestand verabschieden. Foto: Baumann

Bietigheim-Bissingen (ae). Gesucht wird Verein Nummer 15. Bisher haben 14 verschiedene Clubs den Pokal des Deutschen Handball-Bunds (DHB) gewonnen. Doch keiner der früheren Sieger ist an diesem Wochenende beim Final Four in der Stuttgarter Porsche-Arena vertreten. Als neuer Titelträger kommen die vier Erstligisten HSG Blomberg-Lippe mit der Vaihingerin Ann Kynast, Handball-Luchse Buchholz/Rosengarten, SG BBM Bietigheim und TuS Metzingen in Betracht. Die schwäbischen Erzrivalen treffen am Samstag (14.30 Uhr/Live auf Sport 1) im zweiten Halbfinale direkt aufeinander. „Geschenkt bekommt den Pokal niemand“, sagte SG-Trainer Markus Gaugisch bei der virtuellen Pressekonferenz und gab die Marschroute vor: „Es geht für uns um die richtige Mischung aus Zielgerichtetheit und Lockerheit.“

Die Bietigheimerinnen sind in dem Wettbewerb ein gebranntes Kind. Drei Mal erreichten sie in den vergangenen Jahren das Final Four. Drei Mal guckten sie in die Röhre. In der Meistersaison 2016/2017 war bereits im Halbfinale nach einem 22:30 gegen den Underdog aus Buxtehude Endstation, was damals möglicherweise auch mit einem vorangegangenen Ibiza-Kurztrip zusammengehangen hat. 2018 und 2019 verlor die SG BBM das Endspiel gegen den VfL Oldenburg und den Thüringer HC mit jeweils einem Tor Unterschied. 2020 fiel das Turnier der Corona-Pandemie zum Opfer. „Die Erfahrungen im Pokal waren für uns bisher leider durchweg negativ“, sagt Kapitänin Kim Naidzinavicius, die jedes Mal dabei war und darum auch jedes Mal dem Gegner beim Jubeln zuschauen musste. „Es ist Zeit, das zu ändern.“

Mit Bietigheim, Blomberg-Lippe und Metzingen haben sich drei Teams für den Saisonhöhepunkt qualifiziert, die in der Bundesliga-Tabelle aktuell die Plätze zwei, drei und vier belegen. Als krasser Außenseiter geht der Abstiegskandidat aus Buchholz und Rosengarten aufs Feld. Die Niedersächsischen hatten im Viertelfinale sensationell Bayer Leverkusen mit einem 24:23-Auswärtscoup eliminiert – und am Samstag in der Bundesliga die Werkselfen nun gleich noch mal geschlagen, dies es Mal mit 31:25.

In der Fachwelt wird der Champions-League-Teilnehmer aus Bietigheim-Bissingen als heißester Titelanwärter gehandelt. Bereits während der Punkterunde haben sich die Enztälerinnen gegen Metzingen mit 27:25 und 34:29 durchgesetzt. Ein gutes Omen fürs Halbfinale? Nicht unbedingt, geht es nach den Verantwortlichen und den Spielerinnen der TusSies. „Wir wollen das Final Four einfach genießen. Es ist zunächst einmal ein Spiel, in dem Vieles passieren kann“, sagt TuS-Trainerin Edina Rott. Und Rückraum-Ass Maren Weigel ergänzt: „Es ist ein Alles-oder-nichts-Spiel. Wir freuen uns alle total auf das Turnier und werden alles dafür tun, um eine Überraschung zu schaffen.“ Für den Club aus dem Ermstal ist es bereits die fünfte Teilnahme an einem Final Four. Und wie im Fall der SG BBM ist die Trophäe auch an den TusSies bisher stets vorbeigegangen.

Bietigheims Coach Gaugisch weiß um die Erwartungshaltung im Umfeld und den Druck, der auf seinen Stars lastet. „Die Favoritenrolle hat sich der Verein in den letzten Jahren erarbeitet und ist für uns nichts Neues. Sie soll kein Hemmschuh sein, sondern eher dazu führen, dass man überzeugt von seiner eigenen Qualität ist“, sagt der 47-Jährige. „Das nehmen wir das an.“

Die schon zuletzt fehlenden Emily Sando, Stine Jørgensen und Kim Braun sind in Stuttgart nicht mit von der Partie. Ein Fragezeichen steht noch hinter dem Namen Luisa Schulze. Die 30-jährige Kreisläuferin hat sich in der vorletzten Übungseinheit vor dem Gastspiel in Mainz das Knie verdreht und stand darum auch am vergangenen Wochenende nicht im Kader. „Da müssen wir sehen, wie sich das bei ihr unter der Woche entwickelt“, erklärt Gaugisch.

Der Pokaltriumph wäre für seine Mannschaft nicht nur ein Trostpflaster für die verpasste Meisterschaft, die sie Borussia Dortmund überlassen musste, sondern auch das perfekte Abschiedsgeschenk für eine verdiente Akteurin: Anna Loerper, zweifache Handballerin des Jahres und langjährige Nationalspielerin, beendet nach dieser Saison mit 36 Jahren ihre Laufbahn. „Jede Spielerin würde sich riesig über den Titel freuen. Aber für Anna würden wir uns alle noch mal extra mitfreuen. Kaum jemand hätte es mehr verdient, eine so grandiose Karriere positiv zu beenden“, sagt Naidzinavicius.

 

INFO

Sport 1 überträgt im Free-TV

Eine Premiere im Frauenhandball: Der Spartensender Sport 1 überträgt am Wochenende alle drei Partien beim Olymp Final Four live im Hauptprogramm. „Das ist ein großer Erfolg und gab es in der Historie der HBF noch nie“, stellte Christoph Wendt, Geschäftsführer der Handball-Bundesliga der Frauen (HBF), bei einer virtuellen Pressekonferenz zufrieden fest. Im ersten Halbfinale stehen sich am heutigen Samstag ab 12 Uhr zunächst die HSG Blomberg-Lippe mit der Vaihingerin Ann Kynast und Außenseiter Handball-Luchse Buchholz/Rosengarten in der Stuttgarter Porsche-Arena gegenüber. Um 14.30 Uhr folgt das Schwabenduell zwischen der SG BBM Bietigheim und der TuS Metzingen. Das Endspiel um den DHB-Pokal wird am morgigen Sonntag um 17.15 Uhr angepfiffen. (ae)

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