Auf dem Sprung, die Handballwelt zu erobern

Gianina Bianco ist erstmals zu einem Lehrgang der U-17-Nationalmannschaft eingeladen worden. Ihr Talent wurde schon früh erkannt: Als C-Jugendliche half sie in der A-Jugend bei der SG BBM aus. Und die HVW-Auswahl führte sie zum Sieg beim Deutschland-Cup.

Von Michael Nachreiner Erstellt: 7. November 2020
Auf dem Sprung, die Handballwelt zu erobern Als Mannschaftskapitänin hat Gianina Bianco (rechts) die Auswahl des Handball-Verbands Württemberg im Januar zum Sieg beim Deutschland-Cup, dem sogenannten „Schaufenster des deutschen Handballs“, geführt. Foto: HVW

Vaihingen/Bietigheim-Bissingen. Zum Ende des ersten Jahrzehnts im neuen Jahrtausend hat die Vaihingerin Anja Friedrich das Tor der SG BBM Bietigheim gehütet, die gerade erst durch zwei Aufstiege den Sprung in die 1. Handball-Bundesliga geschafft hatte. In diesem Sommer unterschrieb Ann Kynast beim Erstligisten HSG Blomberg-Lippe einen Vertrag, nachdem die Vaihingerin die Jugendschmiede der SG BBM durchlaufen hatte und mit Doppellizenz beim VfL Waiblingen in der zweiten Liga ihren Durchbruch geschafft hatte. Nun schickt sich die nächste Vaihingerin in Diensten der Bietigheimer an, die Handballwelt im Sturm zu erobern. Gianina Bianco ist gerade erst zum ersten Mal zu einem Lehrgang der U-17-Auswahl des Deutschen Handball-Bunds (DHB) eingeladen worden.

„Rund zwei Wochen vor Beginn der Maßnahme habe ich eine E-Mail mit dem Betreff ,Einladung zum Lehrgang in Kienbaum‘ erhalten. Ich habe mich jeden Tag auf den Tag der Abreise nach Berlin gefreut und gedacht, was für eine Riesenehre“, berichtet die 16 Jahre alte Rechtsaußen der Baden-Württemberg-Oberliga-Mannschaft der B-Jugend und des Bundesliga-Teams der A-Jugend der SG BBM Bietigheim. „Natürlich hatte ich immer auf eine solche Einladung gehofft und in jedem Training darauf hingearbeitet. Doch ich habe alles auf mich zukommen lassen.“ Es war aber wahrscheinlich nur eine Frage der Zeit, bis sich der DHB bei der Vaihingerin melden würde. Denn im Frühjahr hat Bianco die Auswahl des Handball-Verbands Württemberg (HVW) ihres Jahrgangs zum Sieg beim Deutschland-Cup, dem sogenannten „Schaufenster des deutschen Handballnachwuchses“, geführt.

Lehrgang ist erste Maßnahme auf Weg zur U-17-Europameisterschaft

Der Lehrgang war die erste Sichtungsmaßnahme auf dem Weg zur U-17-Europameisterschaft im nächsten Sommer. „Die Bundestrainer Carsten Klavehn und Zuzana Porvaznikova wollen sich mal alle potenziellen Nationalspielerinnen anschauen“, berichtet Bianco. „Und der Lehrgang hat mega Spaß gemacht. Die Trainingseinheiten haben mich sehr weitergebracht – handballerisch, aber persönlich, in der Weise offener zu sein und auf Leute zuzugehen. Außerdem habe ich sehr viel Selbstvertrauen getankt.“ Pro Tag standen zwei Trainingseinheiten auf dem Programm. Besonders beeindruckt war die Elftklässlerin des Friedrich-Abel-Gymnasiums mit den Schwerpunkten Sport, Deutsch und Mathematik davon, dass selbst der Frauen-Bundestrainer Henk Groener, der den Lehrgang mit betreut hat, ihren Namen kannte. „Und wenn er einem Tipps gegeben hat und man sie direkt umsetzen konnte, merkt man erst, wie viel einem das Training bringt“, erzählt Bianco.

Abends gab es dann noch Vorträge. Groener sprach beispielsweise über die Einstellung zum Sport. „Seine Message: Man solle frei spielen, ohne zu viel nachzudenken“, berichtet Bianco. Und Porvaznikova referierte über Ernährung. „Ich hatte zwar auch schon bei der SG BBM Bietigheim einige Ernährungsfortbildungen, erklärt Bianco. „Aber die Dinge noch mal zu hören, schadet nicht. Man nimmt immer etwas Neues mit.“

Feedback für Bianco nach Camp ist durchweg positiv

Und Bianco hat einen guten Eindruck hinterlassen. Sie darf sich darauf freuen, auch bei einer der nächsten Maßnahmen des DHB eingeladen zu werden. „Das persönliche Feedback direkt in Kienbaum mit den Trainern, aber auch bei einem Telefonat mit Carsten Klavehn und Zuzana Porvaznikova war sehr positiv“, berichtet die 16-Jährige. Denn auch bei der U-17-Europameisterschaft im nächsten Sommer würde die Vaihingerin gerne das Trikot mit dem Adler auf der Brust tragen. „Das ist wie ein Traum. Das habe ich mir gar nicht vorstellen können“, erklärt Bianco und fügt hinzu: „Die EM ist natürlich mein Ziel. Wie es allerdings weitergeht, kann man nicht wirklich sagen. Das hängt von vielen Faktoren ab. Man muss gesund bleiben. Und man muss sich weiterentwickeln. Aber ich werde auf jeden Fall in jedem Training weiter an mir arbeiten.“

Aber was fasziniert die Vaihingerin überhaupt so an Handball? „Ich mag zum einen einfach den Teamsport – dass man als Mannschaft kämpft, dass man zusammen gewinnt, aber dass man auch von den Teamkameraden bei Niederlagen aufgefangen wird, weil man zusammen verliert“, berichtet Bianco. Zum anderen begeistert sie das Körperliche beim Handball. „Ich mag die Zweikämpfe. Und auf dem Feld kann man seine Wut in Leistung umsetzen“, erzählt die 16-Jährige. „Außerdem ist jedes Spiel anders. Man ist eigentlich nie sicher vorne oder hinten. Man kann praktisch jedes Spiel jederzeit drehen.“

Mit dem Virus Handball wurde Bianco 2013 infiziert. „Als ich als Drittklässlerin am Schulhandballturnier des TV Vaihingen teilgenommen habe, wurde ich in den Bann gezogen“, berichtet die Rechtsaußen. Direkt danach ist sie beim TVV Mitglied geworden. „Bei den Minis haben wir zwar noch nicht so viel mit dem Ball gemacht. Aber das Training war super“, erinnert sie sich. Schnell wurde klar, wie viel Talent Bianco mitbringt. Bereits als sie zwölf war, wurden die Trainer der Bezirksauswahl auf die aufmerksam. Und nach einigen Sichtungen wurde sie auch in den HVW-Kader berufen.

Damit nahm ihre Laufbahn erst richtig Fahrt auf. 2017 wechselte die Vaihingerin zur C-Jugend zur SG BBM Bietigheim. Zwar wurde ihr dieser Schritt von den Auswahltrainern nahegelegt. Aber Bianco erklärt: „Das war meine persönliche Entscheidung. Ich habe bessere Möglichkeiten für mich bei der SG BBM gesehen. Dort werden Jugendspieler ganz anders gefördert.“ Schon allein deshalb, weil die C-Jugend der Bietigheimer in der Württemberg-Oberliga spielten, der höchsten Spielklasse in dieser Altersklasse. Aber auch, weil „ich als 14-Jährige im ersten Jahr C-Jugend bereits bei der A-Jugend aushelfen durfte – als Einzige meines Jahrgangs“, berichtet Bianco stolz.

16-Jährige hat schon Einheiten mit Bundesligateam absolviert

Und auch in den anderen Altersklassen misst sich die Vaihingerin mit den Besten ihres Jahrgangs. Denn auch in der B-Jugend spielt sie in der höchsten Klasse, der Baden-Württemberg-Oberliga – ebenso wie in der A-Jugend mit der Jugend-Bundesliga. „Eigentlich sollte ich auch in dieser Saison auch bei den Frauen in der Baden-Württemberg-Oberliga spielen. Doch wegen der Corona-Pandemie sollen die Trainingsgruppen nicht durchmischt werden, so dass das bisher noch nicht umgesetzt wurde“, berichtet Bianco. Dafür durfte sie während der Länderspielpause vor rund einem Monat bei den Bundesliga-Frauen mittrainieren. „Das war noch einmal viel professioneller. Dazu steht man plötzlich mit all seinen Vorbildern wie zum Beispiel Amelie Berger, die man nur vom Zuschauen kannte, in der Halle“, erzählt die 16-Jährige. „Es hat Spaß aber gemacht.“

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