Zurück auf dem Platz

Viele Fußballvereine haben das Training für ihre U-14-Kicker wieder aufgenommen wie beispielsweise der SC Hohenhaslach und die SG Vaihingen Süd. Beim SV Illingen durften bis gestern sogar alle Altersklassen auf den Platz – dank des niedrigen Inzidenzwerts.

Von Michael Nachreiner Erstellt: 20. März 2021
Zurück auf dem Platz Nach monatelanger Corona-Pause haben die Nachwuchsfußballer endlich wieder den Ball am Fuß wie hier beim SV Illingen. Foto: Leitner

Vaihingen. Auf diesen Tag haben viele Nachwuchskicker hingefiebert: Seit Ende vergangener Woche dürfen die U-14-Fußballer – im Enzkreis bis gestern Abend sogar alle Altersklassen – ihrem Hobby im Mannschaftstraining nachgehen. „Als wir über unsere Kommunikationskanäle angekündigt haben, dass wir das Training wieder aufnehmen, war der Andrang unheimlich groß. Die Kinder waren absolut überwältigt, dass sie wieder Fußball spielen dürfen, und sind richtig aufgeblüht“, berichtet etwa Manfred Wirth, der Vorsitzende des SC Hohenhaslach und selbst Bambinitrainer im Kirbachtal. „Teilweise haben sich die Eltern sogar persönlich bei uns bedankt.“ Und Alexander Köpple, Jugendwart beim SV Illingen, ergänzt: „Die Kinder, aber auch die Eltern haben sich megamäßig gefreut, dass das Training wieder beginnt. Sie waren ungeduldig: Man musste sie wieder rauslassen und kicken lassen.“

In Hohenhaslach durften Ende vergangener Woche die F-Jugendlichen und die Bambini als Erste wieder auf den Platz. In dieser Woche folgten die E-, D- und C-Jugend. In Illingen haben am Dienstag alle Altersklassen das Training wieder aufgenommen – dank des stabil unter 50 liegenden Inzidenzwerts im Enzkreis. Doch gestern Abend haben die B- und die A-Jugend des SVI vorerst wieder ihre letzte Einheit absolviert. Denn durch den Anstieg des Inzidenzwerts auf über 50 an drei aufeinander folgenden Tagen dürfen Sportler, die älter als 14 Jahre sind, nur noch in Gruppen von fünf Personen aus maximal zwei Haushalten trainieren. Bei der SG Vaihingen Süd, der Jugend-Spielgemeinschaft des VfB Vaihingen, des TSV Enzweihingen und des TSV Aurich, sind dagegen aktuell nur die Bambini wieder auf dem Platz. „Die Rückkehr der anderen Mannschaften ins Training ist aber in Planung“, erklärt Thomas Wagner, der Bambini-Trainer der SG.

Die Rückkehr der Erwachsenen in den Trainingsbetrieb ist dadurch fraglich. „Wir haben die Spieler unserer A- und B-Liga-Mannschaften zwar informiert, aber gleich darauf hingewiesen, dass ein Restart des Trainings aufgrund der steigenden Inzidenzwerten nicht absehbar ist“, berichtet Köppl. Dabei wäre es so wichtig, auch die älteren Jahrgänge nach jetzt schon viereinhalb Monaten Trainingspause zurück auf den Platz zu bringen, berichtet Wirth.

Doch auch bei den Jüngsten ist der Wiedereinstieg an strenge Richtlinien gebunden. Die maximale Gruppengröße ist bei den U-14-Fußballern auf 20, bei Ü-14-Fußballern auf zehn Personen begrenzt. Bei einer höheren Teilnehmerzahl gehen der SC Hohenhaslach, der SV Illingen und die SG Vaihingen Süd aber einen pragmatischen Weg. In dem Fall bildet man zwei Gruppen, die entweder parallel auf zwei von einander getrennten Flächen auf dem Sportgelände trainieren oder für die ein Ausweichtermin angeboten wird. Beim SCH haben die Verantwortlichen eine Gruppe sogar schon bei einer Größe von rund 15 Personen halbiert.

Konkret geregelt ist dagegen, was auf dem Feld erlaubt ist und was nicht. Um Infektionen zu verhindern, soll der Trainingsbetrieb kontaktarm stattfinden. Trainingsspiele und Übungsformen mit Abstand sind zulässig – „auch, wenn die Kinder mal übereinanderpurzel“, berichtet Köppl –, nicht jedoch Partnerübungen und das statische Einüben von Standardsituationen wie Ecken oder Freistöße. Wettkampfbetrieb, Freundschaftsspiele und andere Leistungsvergleiche sind ebenso tabu. „Man macht das Beste daraus. Und die Kinder sind froh über jedes Angebot, mit dem sie aus dem Haus kommen“, erzählt Wagner. „Außerdem gibt es viele Übungen, die die Kinder alleine bewältigen können und die Spaß machen. So lasse ich die Zwerge zum Beispiel Hütchen abschießen als Schussübung. Oder ich lasse sie einen Dribblingparcours absolvieren.“ Wirth schränkt aber ein: „Ein Training wie früher vor der Pandemie ist nicht möglich. Die Einheiten sind nicht mehr so wettkampfbetont.“

Leicht haben sich alle Verantwortlichen den Wiedereinstieg ins Training nicht gemacht. Kritische Stimmen gab es aber kaum. „Wir haben das Für uns Wider zwar kontrovers diskutiert. Aber es hat sich schnell eine eindeutige Tendenz ergeben, dass wir die Kinder wieder zurück auf den Platz bekommen müssen“, berichtet Köppl. „Bei den älteren Jahrgängen bin ich aber zwiegespalten. Zwar ist es bei dieser Gruppe einfacher, dass die Jungs im Training Abstand halten. Auf der anderen Seite ist es auch ein gefährdeter Personenkreis, was die Ansteckung betrifft. Denn die Jungs unternehmen auch außerhalb des Trainings viel mit ihren Kumpels.“ Genau dieser Grund war für Wagner das Argument, mit den Bambini der SG Vaihingen Süd wieder ins Training einzusteigen. „Die meisten Kinder sind tagsüber sowieso im Kindergarten zusammen“, erklärt der Übungsleiter.

Wie lange der Trainingsbetrieb aber laufen wird, ist noch nicht klar, weil sich der Inzidenzwert im Landkreis Ludwigsburg langsam, aber stetig der Marke von 100 annähert. „Ich rechne damit, dass wir irgendwann wieder von heute auf morgen aufhören müssen“, berichtet Wagner. „Das war ein Grund, weshalb ich mit den Bambini sofort wieder auf den Platz wollte. Und wenn es denn so kommt, sind wir flexibel.“

 

HINTERGRUND

Vierter Lockerungsschritt steht auf der Kippe

Es drohen weitere mindestens vier Wochen Stillstand für Millionen von Hobbyfußballern, aber auch für andere Amateursportler. Aufgrund der weiterhin nur quälend langsam voranschreitenden Impfkampagne inklusive des Desasters um den Impfstoff Astrazeneca und der wieder steigenden Inzidenzzahlen werden die Bundesregierung und die Ministerpräsidenten bei der nächsten Konferenz an diesem Montag laut dem Magazin „Business Insider“ den geplanten vierten Öffnungsschritt revidieren. Gerade dieser Schritt wäre aber vor allem für den Amateurfußball fundamental wichtig, da ab dem 22. März in Aussicht gestellt worden war, dass bei einer Inzidenz unter 100 Kontaktsport wieder möglich gewesen wäre. Das scheint nun leider wieder vom Tisch zu sein. Beschlossen ist die weitere Aussetzung des Kontaktsports allerdings noch nicht. Die nächste Bund-Länder-Konferenz an diesem Montag wird darüber final Aufschluss geben. (red)

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