Verteidiger kann auch Stürmer, Torwart und Maulwurfjäger

David Jovanovic kümmert sich um den Platz direkt neben dem Strudelbach

Von Ralph Küppers Erstellt: 24. Dezember 2018
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Als Spieler hat David Jovanovic schon viele Fußballvereine in der Region kennengelernt. Bei seinem letzten Gastspiel in Häfnerhaslach entdeckte der heute 30-Jährige noch etwas – die Liebe zu dem Rasen, auf dem gekickt wird. Zumindest war er beeindruckt, wie Reiner Schneider aus dem Geläuf „den besten Platz im Kreis“ macht, wie Jovanovic sagt. Jetzt bemüht er sich in Riet selbst um den Platz. Meist mit Erfolg.

Hochdorf/Riet. Am Fußballplatz im Strudelbachtal haben sich in der Vergangenheit schon oft die Geister geschieden. Als „Acker“ betitelt haben ihn schon manche Zeitgenossen. Während die einen das eher scherzhaft meinten, wie bei so manch anderem Naturrasen in der Umgebung auch, waren andere bei solchen Aussagen noch ziemlich erbost, ihre filigrane Spieltechnik in Riet nicht gewinnbringend ausspielen zu können. Seit einiger Zeit wird der Rieter Rasen aber von einem der Kicker gehegt, die selbst auf eine gepflegte Technik achten. David Jovanovic, von Kindesbeinen an als Fußballer aktiv, hat die Aufgabe übernommen. „Ich mache es nicht alleine“, sagt er gleich dazu und nennt in erster Linie den stellvertretenden Abteilungsleiter Sebastian Linke als Unterstützer an der Grasnarbe. „Wenn wir hier etwas wollen, machen wir es selbst.“ So sei es auch gekommen, dass er selbst sich um den Platz kümmert. „Das ist jetzt auf jeden Fall kein Acker mehr“, sagt er. Doch der Weg dahin war ein hartes Stück Arbeit. Und manchmal gleicht das Abgraben der allgegenwärtigen Maulwurfshügel, was sich Jovanovic für einen Tag eigentlich nur einmal vorgenommen hatte, einer wahren Sisyphosarbeit. Er berichtet mit einem leicht gequälten Lachen: „Wenn ich mich umgedreht habe und zehn Meter weggelaufen bin, ist der Haufen schon wieder da. Wie wenn der Maulwurf unter der Erde nur darauf lauern würde. Und die Tiere sind halt geschützt. Wir können nur ihr Gebiet eindämmen.“

Machtlos gegen die unaufhaltsame Gewalt des Unwetters

Morgens auf dem Weg zur Arbeit und abends auf dem Heimweg, alternativ in Verbindung mit dem Training, hat Jovanovic im schier nicht enden wollenden Sommer die Bewässerung übernommen. „Weil es hier keine entsprechende Anlage gibt, muss man die Schläuche ziehen und umlegen“, berichtet er. Ein grüner, gut bespielbarer Untergrund war der Lohn der Mühe. Die Trockenheit hatte Jovanovic gut im Griff. Dem Maulwurf ist er über die Wochen und Monate hinterhergerannt. Doch wenn dann auf einmal zu viel Wasser kommt, kann er nur machtlos zuschauen. Als im Juni ein heftiges Unwetter sich just über dem Strudelbachtal entlud und dort entsprechende Verwüstungen an-
richtete, musste auch der Platz des SV Riet dran glauben. „Das hat im Herz weh getan“, sagt Jovanovic. „Zum Spiel gegen Kleinglattbach war der Rasen im Topzustand. Das war der vorletzte Spieltag der Saison.“ Riet stand schon als Meister fest, verlor dann aber mit 0:2 gegen die innerstädtische Konkurrenz, die letztlich als Vizemeister in der Relegation nur knapp am Mitaufstieg in die Bezirksliga vorbei schrammte.

Gleich nach den Relegationsspielen war der SV Riet Ausrichter des Vaihinger Stadtpokals. Doch wenige Tage zuvor kam der Strudelbach. „Wir hätten an dem Freitagabend Training gehabt“, erinnert sich Jovanovic. „Ich bin gerade von Mallorca zurückgekommen, als mir die anderen aus der Mannschaft Fotos vom überfluteten Platz geschickt haben. Das Wasser stand bis vorne zur Landstraße.“ Und als es wieder weg war, blieb der Schlamm auf dem bis dato so gehegten Rasen zurück. Zwar wurde mit vereinten Kräften gearbeitet, um den Gästen beim Stadtpokal keinen Acker zu präsentieren, sondern einen Rasen, auf dem das Fußballspiel Spaß macht. Doch das konnte angesichts der Kürze der Zeit nur teilweise gelingen. „Obendrauf war alles weggeräumt“, berichtet Jovanovic. „Aber unter dem Rasen ist der Schlamm so festgebacken, dass man fast nicht hätte spielen können.“ Das Turnier wurde dennoch ausgetragen wie geplant und zumindest die Gäste aus Roßwag und Mühlhausen hatten keinen Grund, sich zu beklagen – sie nahmen dem vormaligen Seriensieger TSV Kleinglattbach nach fünf Jahren den Stadtpokal ab.

Für den Liebhaber des gepflegten Rasens war die Überschwemmung zwar ein Rückschlag, doch seine Bemühungen hat er trotzdem nicht aufgegeben. Das brachte ihm nicht zuletzt vor wenigen Wochen dankbare Worte von Spielertrainer Björn Kachel ein. Er war voll des Lobs, dass der Platz nach dem harten Sommer und trotz Maulwurfplage auch im November problemlos bespielbar war. „Im November hat es sich gelohnt“, sagt auch Jovanovic. Doch zum letzten angesetzten Heimspiel vor der Weihnachtspause war es dann wieder des Guten zu viel, was vom Himmel fiel. Die matschbedingte Absage kam den   Verantwortlichen des   Aufsteigers aber gar nicht so unrecht. Denn die Mannschaft von Spielertrainer Kachel  war verletzungsbedingt arg dezimiert worden, so dass die um eine Woche verfrühte Weihnachtspause jetzt eine Woche mehr Gelegenheit bietet, die geschundenen Glieder der Kicker wieder fit zu bekommen.

Das gilt allerdings nicht für den Mann, der sich mit so viel Hingabe um den Rasen kümmert. „Ich muss mir gerade einen Spezialisten suchen, der sich zutraut, mich zu operieren“, erzählt Jovanovic. Überbein am Hüftknochen ist das Problem. Beim Gehen stört es nur ein wenig, beim Kicken dagegen gewaltig. „Rechts kann ich mir nicht mal mehr die Schuhe binden. Links ist das überhaupt kein Problem“, sagt er. Weil die Beschwerden seit Jahren immer weiter zunehmen, soll jetzt ein Fachmann ran. Fragt sich nur, welcher. „Mein Orthopäde hat gesagt, das wird etwas Größeres“, sagt Jovanovic.

Auf Fußball bezogen, ist der Rest der Runde für ihn definitiv gelaufen. „Ich hoffe, dass ich danach wieder spielen kann“, sagt der Hochdorfer. „Aber das muss ich abwarten.“ So lästig die bevorstehende Operation für ihn selbst ist – auch bei seiner Tätigkeit als Geschäftsführer eines kleinen Familienunternehmens – so war es doch für sein Team kürzlich auch hilfreich. Unter der Woche hatte Jovanovic wegen seiner Beschwerden im Training das Tor gehütet. Als dann am Sonntag beide etatmäßigen Torhüter ausfielen, stellte sich kurz entschlossen Jovanovic ins Tor. „Als Björn Kachel am Sonntagmorgen bei mir angerufen hat, habe ich nicht lang überlegen müssen. In der Bezirksliga wollen wir schließlich kein Spiel absagen.“ Im Tor stand er bei Punktspielen zuletzt in der Jugend. „Aber nicht nur“, erzählt der 30-Jährige. „Ich habe damals auch schon draußen gespielt. In Hochdorf habe ich dann als Libero angefangen, in Häfnerhaslach habe ich als Stürmer und auf der Sechs gespielt, in Roßwag war ich die Zehn, in Riet rechter oder linker Verteidiger.“ Zwischendurch hat er auch noch in Hemmingen gekickt.

Vorbild war Reiner Schneiders Heiligtum auf dem Häfnerhaslacher Heiligenberg

Sein Interesse am Rasen hat der Rasensportler, der in Hochdorf wohnt, aber erst beim TSV Häfnerhaslach entdeckt. „Ich habe mir bei Reiner Schneider abgeschaut, was er macht und wie“, sagt Jovanovic. „In Häfnerhaslach gibt es den besten Platz im Kreis. Aber da habe ich nicht mit angefasst. Das war sein Heiligtum.“ Und auch in Riet wird der Platz grundsätzlich von der Stadt gepflegt. „Ich mähe ihn vor den Heimspielen und kümmere mich sonst vor allem um die Bewässerung“, sagt Jovanovic. „Und ich freue mich, dass wir beim Heimspiel gegen den TSV Schwieberdingen vom Gegner für den Platz richtig gelobt wurden.“ Das war in der heißesten Zeit im August. Nur ein bisschen zu klein sei der Platz, hätten die Schwieberdinger gemeint. Das liegt aber nicht an der Pflege. Das einzige, was klein gehalten werden soll, ist schließlich das Wohngebiet des Maulwurfs.

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