Tobias Linder wird zum Pokalhelden

Kleinglattbacher Torwart hält erst zwei Versuche im Elfmeterschießen und verwandelt den entscheidenden. Sersheim gewinnt mit letzter Kraft gegen den Bezirksligsten TSV Heimsheim. Für Enzweihingen, Großglattbach und Horrheim ist der Wettbewerb vorbei.

Von Ralph Küppers und Michael Nachreiner Erstellt: 17. September 2020
Tobias Linder wird zum Pokalhelden Im Kampf um den Ball immer dabei: Enzweihingens Yannick Rähmer (rechts), der gestern mit dem 2:3 gegen 08 Bissingen II ausschied. Foto: Küppers

Vaihingen. Zwei Vaihinger A-Liga-Teams haben gestern Bezirksligisten aus dem Pokal geschossen. Der TSV Kleinglattbach benötigte zwar das Elfmeterschießen einschließlich dessen Verlängerung, behielt dann aber mit 7:6 die Oberhand gegen den SKV Rutesheim II. Der VfR Sersheim gewann durch ein Tor in der 88. Minute mit 4:3 gegen den TSV Heimsheim. Als dritte Mannschaft aus dem Raum Vaihingen ist gestern Abend die SGM Riexingen ins Achtelfinale des Bezirkspokals eingezogen.

TSV Enzweihingen – FSV 08 Bissingen II 2:3 (0:1)

B-Ligist TSV Enzweihingen hat dem Bezirksligisten FSV 08 Bissingen II lange Zeit Paroli geboten. „Darum tut es am Ende schon weh“, sagt TSV-Trainer Xhavit Halilaj. „Wir waren dran und auch lange Zeit spielbestimmend. Ich bin trotz der Niederlage sehr zufrieden mit der Leistung meiner Mannschaft.“ Dass die höherklassigen Gäste in den Bruckenwasen überhaupt in Führung gingen, lag an einer ganzen Kette von Fehlern im Spiel der Enzweihinger. An deren Ende stand Deniz Namdar frei am langen Eck und beförderte das Spielgerät schon in der 6. Minute zur 1:0-Pausenführung ins Tor. „Gleich danach sind wir aufgewacht“, berichtet Halilaj. „Wir haben mutig Fußball gespielt und sind auch zu Chancen gekommen.“ Zum Beispiel durch Dolorjant Imeri, der von Yannick Rähmer in die Gasse geschickt wurde, aber dann an Gästekeeper Magnus Schüler scheiterte. Nach einer kurz gespielten Ecke traf Marcel Rähmer aus 16 Metern nur die Querlatte. Gleich nach dem Seitenwechsel gab es einen Foulelfmeter gegen Enzweihingen, doch Torwart Semjon Röhlk hielt. Dann erhöhte Emre Demirtas auf 2:0 für die 08-Reserve (52. Minute). Allerdings gaben sich die Enzweihinger auch weiterhin nicht auf und belohnten sich nur drei Minuten später mit dem Anschlusstreffer. Yannick Rähmer spielte einen langen flachen Ball zwischen Abwehr und Torwart zu Enes Gür, der etwa vom Elfmeterpunkt zum 1:2 einschoss. „Danach waren die Gäste wackelig“, sagt Halilaj. Doch Enzweihingen versuchte zu viel mit langen Bällen, während die Bissinger urplötzlich durch einen abgefälschten Schuss von Julian Harnoss zur 3:1-Führung kamen (85.). In der Nachspielzeit hatte zunächst Imeri die Chance auf den erneuten Anschluss, doch es gelang ihm nicht, den Ball über den Torwart zu lupfen. Enzweihingen ging in der Folge sofort vorne drauf. Einen derart eroberten Ball schoss Marcel Rähmer zum 2:3 ins Tor (90.+4). Danach war vor 150 Zuschauern Feierabend.

Kleinglattbach – Rutesheim II n.E. 7:6 (1:1, 1:1)

Die Kleinglattbacher haben sich bei ihrem Torwart Tobias Linder bedanken können. Er hielt erst den neunten Versuch der Rutesheimer im Elfmeterschießen und verwandelte dann den folgenden zum umjubelten 7:6-Sieg des TSV. Davor war im Elfmeterschießen alles geboten. Neben dem neunten Versuch hatte Tobias Linder auch den ersten pariert, seinem Gegenüber .Steffen Scheck gelang das auch ein Mal. Dazu jagten Spieler beide Mannschaften den Ball mal in den Nachthimmel, mal half das Aluminium. Dennoch blieb Klaus Arnold relaxed. „Für uns war es schon ein Erfolg, überhaupt ins Elfmeterschießen gegen einen Bezirksligisten gekommen zu sein“, berichtet der Kleinglattbacher Trainer. Und das auch noch in einer Art und Weise, die den Übungsleiter stolz machte. „Die ersten 30 Minuten waren unser bestes Spiel“, erklärt er. Folgerichtig gingen die Kleinglattbacher durch Justin Trostel in Führung (14.). Und mit der frühen Führung stieg das Selbstvertrauen. Justin Trostel hätte sogar noch nachlegen können. „Dann haben wir aber etwas den Faden verloren, haben wieder falsche Entscheidungen getroffen“, bemängelt Arnold. Nach einem Flugball ins Zentrum kam Mateo Miloloza vor Tobias Linder an den Ball und drückte das Spielgerät über die Linie (43.). „Der Ausgleich hatte sich angedeutet. Die Rutesheimer hatten kurz davor eine Chance durchs Zentrum“, berichtet Arnold. Nach dem Seitenwechsel waren die Rutesheimer dann einen Tick besser als die Kleinglattbacher. Ganz klare Torchancen gab es aber weder auf der einen noch auf der anderen Seite. Lediglich Daniel Linder kam mal gefährlich zum Abschluss und auf der anderen Seite ein Rutesheimer, so dass es ins Elfmeterschießen ging.

TSV Großglattbach – DK Kornwestheim 2:3 (1:1)

„Wir haben ein sehr gutes Spiel gemacht. Die zwei Klassen Unterschied waren zu keiner Zeit zu sehen“, berichtet Daniel Fuchs. Das große Manko der Großglattbacher sei nur die Chancenverwertung gewesen. „Wir hatten acht sehr gute Möglichkeiten, haben daraus aber nur zwei Tore gemacht“, erklärt der TSV-Trainer. „Die Kornwestheimer hatten vier Chancen, aber haben drei Mal getroffen.“ Die Großglattbacher gingen aber durch Marvin Prohaska in Führung (26.). Schon rund fünf Minuten davor hatte der TSV-Stürmer das 1:0 auf dem Fuß gehabt. Doch nachdem er Ervin Mehana im Kasten des Bezirksligisten umkurvt hatte, klärte noch ein Kornwestheimer kurz vor der Linie. Etwas unglücklich kassierten die Gastgeber in der 30. Minute dann den Ausgleich. „Zwei Spieler sind zusammengelaufen. Der Kornwestheimer konnte danach nicht mehr weiter aufs Tor marschieren. Ich glaube aber, es war kein Foul. Ich hätte es nicht gepfiffen“, berichtet Fuchs. Schiedsrichter Klaus Kintzel sah es anders und entschied auf Elfmeter, den Ralf Schöpper verwandelte. Die Großglattbacher ließen sich durch den Rückschlag aber nicht aus dem Konzept bringen. Sie hatten vor dem Seitenwechsel noch mindestens vier Chancen auf die erneute Führung. In der zweiten Halbzeit präsentierten sich die Kornwestheimer dann abgezockter. „Das fehlt uns“, bemängelt Fuchs. Nach einem langen Ball brachte Schöpper Drita Kosova in Führung (59.). Nur acht Minuten später sorgte er durch einen abgefälschten Schuss beim Nachsetzen für das 3:1 (67.). Die Großglattbacher warfen zwar danach alles nach vorne. Der Anschlusstreffer durch Prohaska in der 88. Minute kam aber zu spät.

Horrheim – Germ. Bietigheim II n.V. 5:6 (1:1, 0:0)

„Wir haben jetzt schon gegen fünf A-Liga-Mannschaften nicht innerhalb der regulären Spielzeit verloren“, sagt SVH-Trainer Sergej Hilgenberg. Die Entscheidung im Pokalspiel gegen den SV Germania Bietigheim II fiel gestern erst im Elfmeterschießen. „Emil Arnold wollte unbedingt schießen, obwohl er sich zehn Minuten vorher die Schulter ausgekugelt hatte“, berichtet Hilgenberg. „Am Sonntag hatte er ja getroffen, und auch dieses Mal hat er gut geschossen. Aber der Torwart ist in die richtige Ecke gesprungen.“ Alle übrigen Schützen erwiesen sich treffsicher – die Germania-Reserve war damit weiter. In den 90 Minuten zuvor hatte aber über weite Strecken der SV Horrheim das Geschehen dominiert. „Nur in den ersten zehn Minuten hatten wir zwei Ballverluste im Zentrum“, sagt Hilgenberg. „Aber die Gäste haben jeweils aus spitzem Winkel verzogen.“ Danach hatte Horrheim mehr vom Spiel, kam ständig bis zum gegnerischen Strafraum vor, und der Ball fand auch häufig zu Torjäger Felix Abel. „Aber die Abschlüsse fanden dann nicht das Ziel“, bedauert der SVH-Trainer. Nach dem Seitenwechsel forderte Horrheim einen Handelfmeter. Abel war im Strafraum von einem Verteidiger umklammert worden, dem der Ball an die Hand sprang – der Schiedsrichter hielt es allerdings für Abels Hand. „Ansonsten hat er aber gut gepfiffen“, sagt Hilgenberg. Allerdings lief sein Team direkt nach dieser Situation in einen Konter, an dessen Ende ein Missverständnis zwischen Torwart und Abwehr Luke Stockburger den Treffer zur 1:0-Gästeführung ermöglichte (57.). Drei Minuten später hatten die Gastgeber aber die richtige Antwort parat. Thomas Trinkl schickte Joshua Krone, der den Ball scharf in den Strafraum schoss. „Felix Abel hätte schießen können, hat aber durchgelassen zu Mario Vehlgut“, berichtet Hilgenberg – 1:1. Aus einer ähnlichen Situation heraus, als Krones Schuss in den Strafraum einem Verteidiger an die Hand sprang, hätte Horrheim erneut Handelfmeter haben wollen. „Zu kurze Distanz“, beschied indes Schiedsrichter Stefan Schweizer. In der Nachspielzeit spielte Arnold den Ball weit zu Sascha Berger, der aber am langen Eck den Ball nicht richtig erwischte. „Eigentlich hätten wir gar nicht ins Elfmeterschießen kommen dürfen“, fasst Hilgenberg die Chancenverteilung zusammen.

VfR Sersheim – TSV Heimsheim 4:3 (1:1)

Mit dem Siegtreffer in der 88. Minute hat der VfR Sersheim ein Elfmeterschießen vermieden und steht im Achtelfinale des Bezirkspokals. Doch zu dem Zeitpunkt, als Marino Zimmermann sich ein Herz fasste und mit links abzog, kämpften die Sersheimer nur noch mit letzter Kraft. Auch Zimmermann brachte es lediglich zu einem „Kullerball“, wie sein Trainer Francesco Antonaci berichtet. „Aber dann hat der Torwart den Ball gefangen und wieder fallen lassen.“ Von diesem Fauxpas profitierten die Gastgeber, die auch in fünf Minuten Nachspielzeit ihre knappe Führung verteidigten. Nach zwei weiteren kurzfristigen Absagen war der VfR nur mit zwei Auswechselspielern angetreten. Wie groß die Not war, zeigte sich an der Einwechslung des zweiten Torwarts Denis Rommel ins Feld. „Er kam für Julius Kablys, der eigentlich in der zweiten Mannschaft spielt, aber ein ganz starkes Spiel gemacht hat“, sagt Antonaci. „Uns kam entgegen, dass jeder gesehen hat, dass wir nicht die Favoriten sind und auch nicht den Druck hatten, den wir uns in den letzten Wochen selbst gemacht hatten.“ Das erste Tor der Partie erzielten allerdings die Gäste aus Heimsheim, als Ahmet Kocaaga in der 23. Minute zum 1:0 einschoss. Zimmermann glich in der 37. Minute mit einem Freistoß aus, den er direkt ins Torwarteck zirkelte. Mit einem Doppelschlag in der 53. und 55. Minute schienen Michael Schmid und Hakan Atalay schon die Vorentscheidung zu Gunsten der Gastgeber gefällt zu haben. Atalay hatte Schmids Treffer durch einen clever durch die Gasse gespielten Ball vorbereitet und im nächsten Spielzug selbst aus 16 Metern abgezogen. „Dann haben uns aber die Kräfte verlassen“, berichtet der VfR-Trainer. „Außerdem kann man von einem Bezirksligisten nicht erwarten, dass er sich mit einem 1:3 begnügt.“ Max Hermann (61.) und nochmals Kocaaga (74.) glichen wieder aus. Zimmermanns zweiter Treffer entschied die Partie dann noch in der regulären Spielzeit.

SpVgg Warmbronn – SGM Riexingen 1:2 (1:0)

SGM-Spielleiter Jens Märkle hat schon vorher Böses geahnt: „Die Warmbronner sollen richtig stark sein.“ Und das waren sie auch. „Das war ein hartes Stück Arbeit. Die Warmbronner haben uns vor allem in der ersten Halbzeit komplett den Schneid abgekauft“, erklärt Riexingens Trainer Roman Kasiar. „Wir waren aber auch selbst etwas schuld, dass wir nicht ins Spiel gekommen sind. Von der Laufbereitschaft und dem Zweikampfverhalten hat es nicht gepasst.“ Darüber hinaus ging dem 0:1 ein „unnötiges Foul“ (Kasiar) voraus. Den Freistoß zirkelte ein Warmbronner über die Mauer. Allerdings hielt SGM-Torwart Yannick Weiß die Riexinger sowohl in der ersten als auch in der zweiten Halbzeit mit klasse Paraden ein ums andere Mal im Spiel. „Er hat im Eins-gegen-eins mehrmals sehr gut reagiert“, lobt Kasiar. Nach dem Seitenwechsel präsentierten sich die Gäste dann aber wie ausgewechselt. „In den zweiten Halbzeit waren wir bestimmend“, erklärt der Übungsleiter. Devrim Namdar sorgte zunächst für den Ausgleich. Marc Tröger erzielte nach Vorarbeit von Kevin Bürkle rund zehn Minuten vor dem Abpfiff den Siegtreffer. „Es blieb aber bis zum Ende hektisch. Die Warmbronner hatten in der Schlussphase noch einige Eckbälle, nach denen es gefährlich wurde“, berichtet Kasiar.

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