„Mich selbst aufzuraffen, fällt mir schwer“

Timo Bopp braucht die Verpflichtung eines Mannschaftstrainings. Dennoch geht es dem Fußballer des TSV Nussdorf gut: Er hat sein Studium beendet, gleich einen Job gefunden, ist mit seiner Freundin zusammengezogen und ist Onkel geworden.

Erstellt: 18. Februar 2021
„Mich selbst aufzuraffen, fällt mir schwer“ Der Platz von Timo Bopp (rechts) ist aktuell links in der Vierer-Abwehrkette des TSV Nussdorf. Die defensiven Aufgaben hindern ihn aber nicht, sich immer wieder in die Angriffe einzubinden. In den bisherigen acht Spielen dieser Saison gelang ihm aber erst ein Treffer. Foto: Leitner

Nussdorf (nac). Die Sportler aus der Region stehen im öffentlichen Fokus und werden meist nach ihren Leistungen beurteilt. Doch wie ticken sie wirklich? In einer Interviewserie stellt die VKZ-Sportredaktion den Menschen hinter dem Sportler vor. Teil 13: Timo Bopp (26), Fußballer des A-Ligisten TSV Nussdorf, der sich vor allem auf der linken Außenbahn wohlfühlt.

Wie geht es Ihnen?

Insgesamt geht es mir sehr gut. Ich habe im vergangenen Jahr mein Studium erfolgreich beendet und direkt einen Job gefunden, bin vor Kurzem mit meiner Freundin zusammengezogen. Und ich bin Onkel geworden. Das macht mich alles sehr glücklich. Auch gesundheitlich geht es mir gut, und das ist im Moment das Wichtigste. Aber ich denke, mit der aktuellen Situation kann es niemandem wirklich gut gehen. Zu sehen, wie die Pandemie die Gesellschaft belastet und spaltet, ist wirklich traurig.

Jetzt in der trainings- und spielfreien Phase: Wie halten Sie sich fit?

Ich bin momentan ehrlich gesagt überhaupt nicht fit. Da wird es dann schwer mit fithalten. Stupides Laufen ist einfach nicht mein Ding. Ich brauche das Mannschaftstraining, den Wettbewerb und auch die Verpflichtung einer Trainingseinheit. Mich aktuell selbst aufzuraffen mit der Ungewissheit über das Ende der Saison, fällt mir enorm schwer. Aber wenn ich etwas tue, dann ist es mit einem Teamkameraden laufen zu gehen. In dieser Hinsicht besteht dringender Handlungsbedarf.

Und wie vertreiben Sie sich Ihre mehr-gewonnene Freizeit?

Ich verbringe viel Zeit mit meiner Freundin auf der Couch, wir schauen Serien oder Filme. „King of Queens“ haben wir wieder für uns entdeckt und singen immer laut den Introsong mit – unsere Nachbarn tun mir leid. Ansonsten ist der soganannte Place-to-be aktuell definitiv die Playstation-Party. Da wird mit den Jungs gezockt und gequatscht. Die freie Zeit möchte ich aber auch nutzen, um etwas zu lernen. Vor ein paar Tagen habe ich mir einen Sprachkurs für Arabisch bestellt, da ich in meinem Beruf mit vielen Menschen zu tun habe, deren Muttersprache Arabisch ist.

Was fehlt Ihnen aktuell am meisten?

Die Gemeinschaft mit meinen Mitmenschen, gemütlich zusammenzusitzen oder auch mal ein bisschen zu feiern und sich mit gutem Gewissen in den Arm zu nehmen.

Und auf was können Sie generell nicht verzichten?

Spontan würde ich sagen, dass es die Musik ist. Der richtige Song im richtigen Moment kann jeden Tag besser machen.

Blicken wir auf die bisher in dieser Saison absolvierten Wettkämpfe/auf die bisherige Saison zurück: Wie lief es?

Es hätte bisher nicht besser laufen können. Natürlich ist nie alles perfekt, aber mit der vollen Punkteausbeute sind wir mehr als zufrieden. Es waren viele Spiele dabei, in denen wir in den vergangenen Jahren wahrscheinlich nur einen oder gar keinen Punkt mitgenommen hätten. Das war diese Saison bisher anders und verdeutlicht unsere positive sportliche Entwicklung der letzten Jahre und zeigt auch, dass wir noch lange nicht am Ende sind. Das gilt nicht nur für die erste Mannschaft. Auch in der Reserve macht es richtig Spaß, die Entwicklung mitzuverfolgen. Mit Michael Späth haben die Jungs dort einen jungen Trainer, der lernwillig ist und im Austausch mit Sinan Yilmaz den gemeinsamen sportlichen Weg motiviert gestaltet. Umso frustrierender ist, dass alles momentan nicht weiterläuft.

Was lief nicht so gut?

Bei den bisherigen Ergebnissen ist es schwer, in dieser Hinsicht etwas auszumachen. Wir hatten viele Verletzungen und mussten immer wieder umbauen. Das hat wiederum etwas gezeigt, was sehr gut lief. Wir können auf Ausfälle reagieren und Jungs bringen, die sich genauso reinhauen und ihre Chancen nutzen.

Und mit was sind Sie zufrieden?

Mit unserer bisherigen Leistung, der harten Arbeit und der Entwicklung jedes einzelnen. Gerade die jungen Spieler wie ein David Grözinger oder ein Tayyip Pekmezci machen richtig Bock. Sie nehmen Ratschläge an und versuchen, alles sofort umzusetzen. Auch die Kommunikation im Team ist allgemein super.

Haben Sie noch die Hoffnung, dass die Saison zu Ende gespielt wird?

Hoffnung ist immer da. Nüchtern betrachtet, denke ich aber nicht, dass diese Saison überhaupt nochmal angepfiffen wird.

Wie sieht für Sie ein optimales Szenario aus, um die Spielzeit zu Ende zu bringen?

Optimal wäre es, zumindest die Hinrunde zu Ende zu bringen, was – wenn ich richtig informiert bin – ja auch das einzig mögliche Szenario ist, in dem unsere bisher bestrittenen Spiele gewertet werden würden. Besonders weil die Gefahr von Infizierungen bei Wiederaufnahme des Spielbetriebs weiter bestehen wird, sollten so wenige Spiele wie möglich ausgetragen werden. Aber 24 Punkte aus acht Spielen in Luft aufgehen zu lassen ist für uns aus sportlicher Sicht unvorstellbar. Am Ende muss ich natürlich trotzdem sagen, dass ich jedes Szenario respektiere und befürworte, welches dem Wohl von uns allen dient.

Und wenn Sie Ihre bisherige Laufbahn Revue passieren lassen: Was war Ihr schönstes Sport-Erlebnis?

Das negative Highlight war am Ende gleichzeitig das schönste: der Klassenerhalt in der Saison 2017/2018. Es war von den Emotionen bisher die intensivste Saison meiner Laufbahn. Zu Beginn gab es eine 0:10-Klatsche in Lomersheim, und ich durfte zum ersten Mal die Kapitänsbinde tragen. Toller Einstand oder? Bereits im zweiten Saisonspiel habe ich nach einer missratenen Ballannahme erst den Ball und dann direkt die Eckfahne in die Böschung geschossen. Der Schiedsrichter hat mir für beides jeweils Gelb gezeigt, und ich bin geflogen. Ich erinnere mich auch an eine Auswärtsniederlage, nach der ich hinter der Bande saß und richtig geflennt habe. Ich hatte Angst, dass der Kampfgeist und die Spielfreude der Mannschaft verloren gehen. Aber wie wir uns zurückgekämpft und am Ende den Klassenerhalt gesichert haben, bleibt unvergessen. Dazu waren in der Saison turbulente, torreiche Spiele dabei. Ich selbst habe neun Tore geschossen. Keine Ahnung, ob ich das je wieder schaffen werde. Bei den Feiern danach hatte ich unter anderem ein blaues Auge und musste ins Krankenhaus, weil es so eskaliert ist. Alles natürlich nichts Dramatisches, so dass wir heute mit einem breiten Grinsen darauf zurückblicken. Allerdings schulde ich meinem Co-Trainer und seiner Frau noch ein Essen, weil sie mich ins Krankenhaus gefahren haben. Das habe ich nicht vergessen.

Es heißt: Hinter jedem erfolgreichem Mann steht eine starke Frau und hinter jeder erfolgreichen Frau steht ein starker Mann. Wer ist bei Ihnen verantwortlich, dass Sie sportlich so erfolgreich sind?

In erster Linie meine Freundin. Wie sie die Leidenschaft für unseren Sport mit mir teilt, ist beispiellos. Sie ist bei jedem Spiel dabei, tickert für Instagram, spendet bei Aktionen, hat schon in der Gaststätte ausgeholfen. Das ist alles nicht selbstverständlich und puscht mich besonders an Spieltagen sehr. Meine Mutter und meine beiden Schwestern kann ich aber auch nicht unerwähnt lassen. Selbst beim größten Grottenkick feuert meine Mutter uns eisern an. Meine Schwestern sind beide ebenfalls Spielerfrauen und TSV’lerinnen durch und durch. Die älteste, Carina, macht als Physio bei uns zudem einen tollen Job. Ich bin froh, dass meine Familie diesen Sport so sehr liebt und lebt wie ich.

Wenn Sie nicht die Sportart treiben würden, für die Sie sich entschieden haben, welchem Hobby würden Sie nachgehen?

Da höre ich nur die Frage in meinem Kopf: „Warum spielst du kein Basketball?“ Die darf ich mir wegen meiner Größe wirklich oft anhören. Auch wenn ich gerne mal Basketball spiele, würde ich wahrscheinlich eher etwas Kreatives machen. Mehr Zeit in die Schauspielerei oder die Musik zu investieren, würde mich sehr reizen.

Welche drei Dinge würden Sie auf eine einsame Insel mitnehmen?

Diese Frage fand ich schon immer schwer zu beantworten. Ein Messer, weil es ein guter Allrounder ist und ich damit weitere Werkzeuge herstellen kann. Ein Feuerstein, weil die Wärme und das Licht wichtig sind. Außerdem liebe ich es, am Lagerfeuer zu sitzen. Passend dazu meine Gitarre, sonst würde meine Antwort auf die Frage, auf was ich nicht verzichten kann, keinen Sinn machen.

Wie charakterisiert Sie Ihre Familie oder Freunde?

Liebevoll, empathisch, humorvoll, fröhlich und entspannt – vielleicht manchmal zu entspannt.

Und was ist Ihre größte Schwäche?

Ich bin chaotisch und schiebe Dinge, auf die ich keine Lust habe, zu lange auf.

Wenn Sie eine Million Euro zur Verfügung hätten, was würden Sie damit machen?

Ein Haus kaufen, eine Weltreise mit allen meinen Liebsten machen.

Unabhängig von Geld: Welchen Wunsch würden Sie sich gerne einmal erfüllen?

Als Fußballer stelle ich mir immer wieder vor, wie es sein muss, vor der Kulisse eines vollen Stadions zu spielen. Das würde ich gerne mal erleben – und am besten noch ein Tor schießen und vor der Fankurve jubeln.

Welche Schlagzeile würden Sie über sich gerne einmal in der VKZ lesen?

„Bopp sichert mit seinem Kopfballtor die Punkte für den TSV Nussdorf“. Ich bin für meine Größe wirklich nicht der stärkste Spieler im Kopfballspiel. Das darf ich mir auch immer wieder anhören. Umso schöner wäre diese Schlagzeile. Den Artikel würde ich sofort in der Kabine aufhängen.

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