Machete, Feuerstein und Sonnencreme

Kevin Steinl ist praktisch veranlagt: Der 25-Jährige würde vor allem nützliche Dinge mit auf eine einsame Insel nehmen. Doch vor allem hofft der Offensivmann des TSV Ensingen, dass er die bisher perfekte Saison durch eine Fortsetzung vergolden kann.

Erstellt: 25. Februar 2021
Machete, Feuerstein und Sonnencreme Mit seiner Schnelligkeit und seiner guten Technik stellt Kevin Steinl (rechts) vom TSV Ensingen viele Gegenspieler wie hier seinen jetzigen Mannschaftskameraden Steffen Roßmann, der in der vergangenen Saison noch für den TSV Enzweihingen auflief, vor einige Probleme. Foto: Leitner

Nussdorf (nac). Die Sportler aus der Region stehen im öffentlichen Fokus und werden meist nach ihren Leistungen beurteilt. Doch wie ticken sie wirklich? In einer Interviewserie stellt die VKZ-Sportredaktion den Menschen hinter dem Sportler vor. Teil 14: Kevin Steinl (25), Offensivallrounder des Fußball-B-Ligisten TSV Ensingen.

Wie geht es Ihnen?

Mir geht es unter den aktuellen Umständen glücklicherweise sehr gut. Zurzeit studiere ich noch und kann zum Glück sehr flexibel von zu Hause aus lernen. Somit treffen mich die Einschränkungen durch Corona nicht so sehr wie manch andere. Sportlich und körperlich gesehen lässt die Kondition in letzter Zeit natürlich nach, wenn der Fußball wegfällt.

Jetzt in der trainings- und spielfreien Phase: Wie halten Sie sich fit?

Anfangs konnte ich mich nur selten aufraffen, Joggen zu gehen oder Homeworkouts zu machen. Mittlerweile, da ich und wahrscheinlich auch viele andere Sportler wieder auf die Fortsetzung der Saison hinfiebern, habe ich mehr Motivation, mich wieder in Form zu bringen. Zurzeit treiben wir uns auch innerhalb der Mannschaft durch eine Lauf-Challenge gegenseitig an.

Und wie vertreiben Sie sich Ihre mehr-gewonnene Freizeit?

Ich konnte mich etwas mehr auf mein Studium konzentrieren und mich gut auf die Prüfungen Ende Januar vorbereiten. Außerdem war es vor der Pandemie schwierig, zu Trainingszeiten und Anstoßzeiten Fußball zu schauen. Somit kann ich jetzt das ein oder andere Spiel mehr anschauen.

Was fehlt Ihnen aktuell am meisten?

Das ist ganz klar dienstags und donnerstags mit meinen Teamkameraden hart zu trainieren und die Vorfreude auf das Spiel am Sonntag. Ich merke auf jeden Fall auch, dass mir der Ausgleich, den ich durch den Fußball habe, wegfällt. Was mir auch fehlt, ist das gemütliche Zusammensitzen mit meinen Freunden und auch das ein oder andere Mal am Wochenende feiern zu gehen.

Und auf was können Sie generell nicht verzichten?

Auf den Kontakt zu meiner Familie und Freunden könnte ich nie ganz verzichten. Zum Glück leben wir in einer Zeit, in der man den Kontakt auch auf andere Weise pflegen kann. Somit treffen wir uns regelmäßig, auch oft innerhalb der Mannschaft online, um den Kontakt aufrecht zu erhalten und trotzdem noch Zeit miteinander zu verbringen.

Blicken wir auf die bisher in dieser Saison absolvierten Wettkämpfe/auf die bisherige Saison zurück: Wie lief es?

Bei uns läuft es aktuell sehr gut. Wir stehen mit voller Punkteausbeute auf Platz eins. Dennoch dürfen wir uns nicht ausruhen, gegen die stärksten Gegner haben wir noch nicht gespielt.

Was lief nicht so gut?

Das Einzige, was nicht so gut lief, war das Aus in der ersten Runde des Bezirkspokals gegen den Ligakonkurrenten TSV Enzweihingen. Es war ein hart umkämpftes Spiel, was die Enzweihinger am Ende verdient gewonnen haben. Wir haben aber aus diesem Spiel gelernt und somit auch etwas für die Saison mitnehmen können.

Und mit was sind Sie zufrieden?

Ein Kompliment muss ich an unsere Defensive und an unseren Torwart aussprechen. Wir haben in der laufenden Saison erst drei Gegentore in acht Spielen bekommen, was der Ligabestwert ist. Sehr zufrieden bin ich auch mit unseren jüngeren Spielern und unseren Neuzugängen, die sich super in die Mannschaft integriert und mit ihren Leistungen das Team vorangebracht haben.

Haben Sie noch die Hoffnung, dass die Saison zu Ende gespielt wird?

Vor einem Monat war ich mir noch ziemlich unsicher, ob die Saison noch einmal angepfiffen wird. Aber mittlerweile habe ich wieder mehr Hoffnung, diese Saison nochmal auf dem Platz zu stehen. Durch die sinkenden Infektionszahlen kann ich mir schon vorstellen, dass wir bald den Spielbetrieb wieder aufnehmen und die Hinrunde noch beenden können.

Wie sieht für Sie ein optimales Szenario aus, um die Spielzeit zu Ende zu bringen?

Ich hoffe, dass wir zumindest die Hinrunde zu Ende spielen können. Somit haben wir verhältnismäßig wenig Spiele, können aber trotzdem eine Wertung der Saison vornehmen. Gerade auch für uns wäre es sportlich gesehen eine Katastrophe, nach 24 Punkten aus acht Spielen die Saison abzubrechen. Man sollte aber nie vergessen, dass der Fußball, im Vergleich zur Gesundheit seiner Mitmenschen trotzdem nur Nebensache ist.

Und wenn Sie Ihre bisherige Laufbahn Revue passieren lassen: Was war Ihr schönstes Sport-Erlebnis?

Das war definitiv im Sommer 2019, als wir in Gündelbach den Stadtpokal gewonnen haben. Wir hatten uns in einer schweren Gruppe durchgesetzt und sind im Halbfinale auf unseren Ligakonkurrenten, den SV Horrheim, getroffen, den wir mit 2:0 geschlagen haben. Im Finale erwartete uns eine spielerisch starke und körperlich robuste Kleinglattbacher Mannschaft. Wir haben an diesem Abend eine herausragende Mannschaftsleistung abgeliefert, am Ende das Finale für uns entschieden und somit den Stadtpokal – erstmals seit 1992 – wieder nach Ensingen geholt. Die Atmosphäre an diesem Abend war einzigartig. Sowas vergisst man nie mehr.

Und welches war das negative Highlight?

Ein wirklich negatives Highlight hatte ich noch nicht, da ich auch von größeren Verletzungen bis jetzt verschont geblieben bin. Wir spielen aber schon seit einigen Jahren oben in der Liga mit und haben bis jetzt noch nicht den Aufstieg geschafft, was man auch als negatives Highlight betrachten könnte.

Wer war der beste Konkurrent, gegen den Sie jemals haben antreten müssen?

In erster Linie haben viele Mannschaften gute Spieler, mit denen ich mich messen durfte. Aber Niklas Götz vom TSV Kleinglattbach hat mich mit seiner Agilität und Spritzigkeit im Stadtpokalfinale in Gündelbach ganz schön auf Trab gehalten.

Welche drei Dinge würden Sie auf eine einsame Insel mitnehmen?

Meine erste Wahl wäre eine Machete – man weiß ja nie, was sich auf so einer Insel alles aufhält. Ein Feuerzeug geht irgendwann leer, deswegen würde ich zu einem Feuerstein greifen. Und zu guter letzt würde ich noch eine Sonnencreme einpacken, da ich bei meiner hellen Haut sonst direkt Sonnenbrand bekomme.

Wie charakterisiert Sie Ihre Familie oder Freunde?

Ich denke, Freunde und Familie würden sagen, dass ich manchmal ein wenig chaotisch oder unorganisiert sein kann, aber im Grunde ein zuverlässiger und liebevoller Mensch bin. Generell bin ich auch ein eher offener Mensch: Mit neuen Leuten Kontakt zu knüpfen, fällt mir nicht allzu schwer. Bei Zielen, hinter denen ich auch wirklich stehe und die ich erreichen will, bin ich sehr ehrgeizig und arbeite wirklich hart dafür.

Und was ist Ihre größte Schwäche?

Morgens nach dem Aufstehen brauche ich erstmal einen Kaffee, um richtig wach zu werden. Davor kann ich hin und wieder auch etwas unangenehm sein.

Wenn Sie eine Million Euro zur Verfügung hätten, was würden Sie damit machen?

Als Erstes würde ich eine ausgiebige Weltreise machen. Was danach noch an Geld übrig ist, würde ich anlegen und für ein späteres Eigenheim sparen.

Welche Schlagzeile würden Sie über sich gerne einmal in der VKZ lesen?

„Kevin Steinl trifft in der Nachspielzeit und sichert dem TSV Ensingen den Aufstieg“. Natürlich wäre es für uns alle beruhigender, wenn wir das schon früher klarmachen könnten. Aber die Emotionen in diesem Moment wären unbezahlbar.

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