Hilferuf der Schiedsrichter

Nachwuchsmangel sorgt dafür, dass im Raum Vaihingen vermehrt Fußballspiele ohne ausgebildete Unparteiische stattfinden

Von Sven Sattler Erstellt: 5. Januar 2019
Hilferuf der Schiedsrichter Beliebt machen sich die Schiedsrichter mit ihren Entscheidungen oft nicht. Ohne Schiedsrichter läuft aber erst recht nichts. Foto: Küppers

Droht dem Fußball in den unteren Spielklassen bald der letzte Pfiff? Eckhart Streckfuss, Obmann der Schiedsrichtergruppe Vaihingen, hat sich kurz vor der Winterpause jedenfalls mit deutlichen Worten an die Fußballvereine im Einzugsgebiet seiner Gruppe gewendet. Und er trommelt für einen Anfängerkurs in den nächsten Wochen.

Vaihingen. „Ich möchte Sie darüber in Kenntnis setzen, dass es uns in den kommenden Monaten nicht möglich sein wird, die Aktiven- und Juniorenspiele, an denen Ihr Verein beteiligt ist, in der bewährten Form mit geprüften Unparteiischen zu besetzen“, schrieb vor einigen Tagen Eckhart Streckfuss, der auch Schiedsrichterobmann des Fußballbezirks Enz/Murr ist. In seiner Botschaft an die Vereine im Raum Vaihingen schreibt er zur Erläuterung: „Der Grund hierfür ist der zunehmende Mangel an qualifizierten Schiedsrichtern.“

Ganz neu dürfte diese Nachricht für die Adressaten nicht gewesen sein. Schon seit Jahren weisen die Vaihinger Schiedsrichter und ihre Funktionäre regelmäßig auf Nachwuchsprobleme hin. Inzwischen sind die ersten Konsequenzen des Schiedsrichtermangels nicht mehr zu übersehen. So die Schiedsrichtergruppe Vaihingen am 11. November zwei Begegnungen der Kreisligen B (TSV Häfnerhaslach II gegen SV Iptingen II und SV Sternenfels II gegen SV Horrheim II) sowie drei B-Junioren-Spiele (SV Illingen gegen FV Kirchheim/Neckar, SGM Nussdorf/Roßwag/Großglattbach gegen SGM Sachsenheim und TSV Wiernsheim gegen SpVgg Warmbronn) nicht mit geprüften Unparteiischen besetzen. Besserung ist nicht in Sicht.

„Die Personaldecke, auf die ich aktuell zugreifen kann, reicht bei Weitem nicht aus, um die terminierten Spiele zuverlässig mit Schiedsrichtern zu besetzen“, sagt Streckfuss. Der Vaihinger Schiedsrichterobmann rechnet vor: „An einem normalen Wochenende während der Saison besetzen wir in Bezirks- und Kreisligen etwa 45 Aktiven-Spiele sowie etwa 30 Junioren-Spiele in Bezirks-, Leistungs- und Kreisstaffeln. Dafür stehen mir aktuell insgesamt 84 Kolleginnen und Kollegen zur Verfügung. Das hört sich zunächst einmal nach einer machbaren Aufgabe an. Jedoch müssen Sie zwei Dinge berücksichtigen: Erstens stellt die Schiedsrichtergruppe Vaihingen auch regelmäßig Schiedsrichter und Schiedsrichter-Assistenten für Spiele der höheren Spielklassen, die mir dann in der Einteilung für Spiele im Bezirk fehlen.“ Und zweitens seien die Schiedsrichter in der Region vor allem Menschen, für die das Pfeifen nur ein Hobby sei, betont Streckfuss. „Das heißt: sie fallen manchmal unvorhergesehen wegen Krankheiten oder Verletzungen aus, sie sind an manchen Wochenenden auch mal wegen beruflicher Verpflichtungen nicht verfügbar oder sie haben eine Familie, die am Wochenende Zeit einfordert.“

Das Problem hat die Schiedsrichtergruppe Vaihingen nicht exklusiv – im Gegenteil: Viele Schiri-Vereinigungen in Deutschland klagen über mangelnden Nachwuchs. „Ich glaube, dass es im ureigenen Interesse der Vereine liegt, gegen den Negativtrend anzukämpfen – damit auch künftig zu jedem Punktspiel ein Unparteiischer erscheint, der diesen Namen auch verdient hat“, sagt Streckfuss. „Natürlich bin ich mir bewusst, dass es immer schwerer wird, geeignete Kandidaten für Ehrenämter aller Art zu finden. Und ich weiß, dass das auch für Ehrenämter wie Jugendtrainer oder Abteilungsleiter gilt. Aber ich weiß auch: Wenn wir den aktuellen Trend im Schiri-Wesen nicht stoppen, wird es künftig nicht mehr die Ausnahme sein, dass in der Kreisliga kein neutraler Unparteiischer kommt, sondern die Regel.“

Um sich gegen den Trend zu stemmen und sich in Sachen Personaldecke zumindest etwas Luft zu verschaffen, organisieren die Vaihinger Unparteiischen in Kürze wieder einen Neulingskurs. Bei diesem Lehrgang können sich interessierte Frauen und Männer zum Fußball-Schiedsrichter ausbilden lassen. Die Interessenten sollten mindestens 14 Jahre alt sein, grundlegendes Fußballverständnis mitbringen und bereit sein, nach absolvierter Prüfung 15 oder mehr Spiele pro Saison zu leiten. „Wir denken dabei nicht nur an Jugendspieler, sondern insbesondere auch an Personen im Alter von 20 bis 50 Jahren“, sagt Obmann Streckfuss. „Zum Beispiel an ehemalige aktive Spieler, denen die sportliche Perspektive als Fußballer fehlt, aber auch an Eltern von Jugendspielern, die sich im Amateurfußball engagieren möchten. Gerade in dieser Altersspanne haben wir aktuell die größten Lücken in unserer Personaldecke.“ Die Teilnehmer müssen dabei nicht notwendigerweise einem Verein im Einzugsgebiet der Schiedsrichtergruppe Vaihingen angehören, sondern es sind Interessenten aus dem gesamten Bezirk Enz/Murr willkommen – auch aus dem Bereich der Schiedsrichtergruppen Ludwigsburg und Leonberg –, aber auch aus Nachbarbezirken.

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