Fußballsaison wird abgebrochen und annulliert

WFV-Beirat sieht keine Zeit mehr, um Runde zu Ende zu spielen. Trainer aus der Region schauen schon nach vorn, üben aber auch Kritik.

Erstellt: 10. April 2021
Fußballsaison wird abgebrochen und annulliert Die Sportplätze in der Region wie hier der Kunstrasenplatz des SC Hohenhaslach bleiben für den Rest der Saison 2020/2021 weiterhin leer. Die Spielzeit ist abgebrochen. Foto: Rücker

Stuttgart (red/nac). Was die Spatzen seit Wochen von Dächern gepfiffen haben, ist nun amtlich: Dder Beirat des Württembergischen Fußball-Verbands (WFV) hat im Rahmen seiner Sitzung am gestrigen Freitag einstimmig entschieden, die laufende Meisterschaftsrunde 2020/2021 mit sofortiger Wirkung zu beenden. Da die erforderliche Anzahl von Spielen für eine sportliche Wertung nicht erreicht ist, bleibt als Konsequenz daraus nur die Annullierung der Saison. Eine Wertung hätte nach der vergangenen Änderung der WFV-Spielordnung im Februar 2021 vorausgesetzt, dass mindestens 75 Prozent der Mannschaften einer Staffel sämtliche Spiele der Hinrunde absolviert haben. Mit Blick auf das Ende des Spieljahres am 30. Juni ist dies zeitlich nicht mehr möglich.

Konkret bedeutet das für alle Spielklassen von der Verbandsliga bis zu den Kreisligen, dass es weder Auf- noch Absteiger gibt und mit demselben Teilnehmerfeld in die neue Saison 2021/2022 gestartet wird. Die Entscheidung betrifft sowohl Männer und Frauen als auch die Jugend. Ausgenommen sind die Pokalwettbewerbe – sowohl auf Verbands- als auch auf Bezirksebene. Im Verbandspokal stehen insgesamt nur noch vier Spiele aus, um auf regulärem Weg einen Teilnehmer für den sowohl sportlich als auch finanziell äußerst attraktiven DFB-Pokal zu ermitteln. Wie mit den Bezirkspokal-Wettbewerben verfahren wird, soll zeitnah geklärt werden – das letzte Wort haben hier die Bezirke selbst.

„Dass es keine Aufsteiger gibt, ist natürlich ärgerlich“, erklärt Siegfried Blum, der Trainer des TSV Ensingen. „Denn wir stehen genau dort, wo wir hinwollten.“ Die Mannschaft aus dem Forchenwald ist in der Kreisliga B 6 noch ohne Verlustpunkt, steht mit acht Siegen aus acht Partien am Platz an der Sonne. Ein Weltuntergang ist das Verpassen des Aufstiegs für den Übungsleiter allerdings nicht. Blum: „Ich habe keine Bedenken, dass wir das Gleiche im nächsten Jahr nicht wieder hinbekommen.“

Auch Sinan Yilmaz, Spielertrainer des TSV Nussdorf, hat sich damit abgefunden, dass der Sprung in die Bezirksliga auch in dieser Saison nicht gelingen wird, obwohl sein Team ebenfalls mit acht Siegen aus acht Spielen die Kreisliga A 3 anführt. „Wir haben uns schon mit Umsetzung des Lockdowns Anfang November abgefunden, dass es keine Aufsteiger geben wird. Das haben wir als Trainerteam auch mannschaftsintern so kommuniziert. Deshalb sind auch die Spieler nicht wirklich verärgert“, erklärt der Nussdorfer Übungsleiter. Allerdings ist er der Meinung, dass es auch hätte anders laufen können. Yilmaz: „Ich ärgere mich über Ansetzungen von Wettbewerben, ohne einzukalkulieren, dass wieder ein Lockdown kommen könnte. So hätte man auf den Bezirkspokal verzichten können und stattdessen an den Pokalterminen Ligaspiele austragen können. So hätten wir wahrscheinlich bis zum Beginn des Lockdowns die ganze Hinrunde hinbekommen, denn wir haben fast jede Woche ein Pokalspiel bestritten.“

Grundlage der Beiratsentscheidung sind die anhaltenden Beschränkungen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie, die eine Wiederaufnahme des Spielbetriebs bis zum 9. Mai nach einer angemessenen Vorbereitungszeit unmöglich machen. Dieses Datum hatten die Spielbetriebsexperten als spätestes Datum für den Restart ermittelt, um wenigstens die Hinrunde beenden und somit eine sportliche Entscheidung über Auf- und Absteiger herbeiführen zu können.

„Wir haben bis zuletzt gehofft, müssen nun aber diese bittere Entscheidung treffen. Es war richtig, dass wir uns die Chance so lange wie möglich offengehalten haben, die Saison über den Abschluss der Hinrunde zu einer sportlichen Wertung zu führen – das ist unsere Aufgabe als Verband und Verpflichtung gegenüber unseren Vereinen, für die eine Annullierung teilweise auch wirtschaftlich erhebliche Folgen hat. Ein Abbruch ist deshalb erst dann sachgerecht, wenn in der verbleibenden Zeit keine sportliche Entscheidung mehr herbeigeführt werden kann. Dieser Punkt war nun erreicht“, berichtet WFV-Präsident Matthias Schöck.

Von der Entscheidung ausgenommen sind die baden-württembergischen Oberligen der Männer, Frauen und Jugend. Insbesondere im Falle der Männer-Oberliga sind aufgrund des Übergangs zur Regionalliga Südwest, die ihre Saison nach aktuellem Stand zu Ende spielen wird, die Aufstiegsfragen noch ungeklärt.

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