Ensinger Fußballer bieten Helferservice an

TSV-Spieler wollen Einkäufe oder kleine Botengänge in ihrem Teilort erledigen – Inspiriert durch die Ultraszene und Aktion „Gemeinsam helfen 0711“

Von Michael Nachreiner Erstellt: 26. März 2020
Ensinger Fußballer bieten Helferservice an Die Ensinger Fußballer um Teamkapitän Jens Fischer (Zweiter von rechts) bieten in ihrem Teilort einen Helferservice an. Foto: Leitner

„Solidarität“ lautet angesichts der rasend schnellen Ausbreitung der Coronavirus-Pandemie das Gebot der Stunde. Auch für die Fußballer des B-Ligisten TSV Ensingen. Sie betätigen sich als Helfer in der Not und bieten an, in ihrem Teilort Vaihingens Menschen durch Botengänge oder die Erledigung von Einkäufen unter die Arme zu greifen.

Ensingen. „Wir wollen Menschen helfen, die etwas Probleme in dieser schwierigen Zeit haben“, sagt Jens Fischer. Deshalb bieten der 24-jährige Innenverteidiger des Fußball-B-Ligisten TSV Ensingen und seine Mannschaftskameraden an, Einwohnern von Ensingen die Einkäufe zu erledigen oder Botengänge zu machen. Eigentlich sei die Idee aus der Langeweile geboren, erklärt der Mannschaftskapitän des TSV und fährt fort: „Wir sind ein relativ junges Team. Kaum jemand ist verheiratet oder hat eine eigene Familie.“

Viele Aufträge haben die Ensinger Fußballer allerdings noch nicht bearbeitet. „Die Rückmeldung war bisher noch nicht so groß. Wir sind ein Mal einkaufen und ein Mal mit einem Hund Gassi gegangen“, berichtet Fischer. Auf dem Einkaufszettel standen vor allem Grundnahrungsmittel. „Nichts Extravagantes – Müsli, ein paar Brezeln, Käse, Joghurt“, erzählt der Mannschaftskapitän des TSV.

Erstaunlich allerdings auch für den 24-Jährigen: Beide Anfragen kamen von Leuten, die mit den Ensinger Fußballern nichts zu tun haben. „Wir sind beide Male über Facebook von Familienangehörigen angeschrieben worden“, erklärt Fischer. Anfragen könne man an die Ensinger Fußballer über die Social-Media-Plattformen Facebook und Instagram per Privatnachricht sowie telefonisch an Fischer unter der Nummer 0 15 73 / 8 29 91 76 richten. „Wir freuen uns, wenn wir Menschen helfen können“, erklärt der 24-Jährige.

Das Angebot ist vorwiegend auf Ensingen beschränkt. „Wir wollten eine klare Grenze ziehen. Aber wir bekommen es auch hin, wenn uns jemand vor allem aus den benachbarten Vaihinger Teilorten Kleinglattbach, Horrheim oder Gündelbach oder den umliegenden Gemeinden wie zum Beispiel Illingen beauftragt“, berichtet Fischer. „Wir werden auch nicht Nein sagen, wenn jemand aus einem anderen Ort anruft. Aber wir können nicht ganz Deutschland abdecken.“ Denn Leuten dadurch zu helfen, „dass wir ein paar Kleinigkeiten erledigen, die Menschen derzeit gefährden würden“ (Fischer), sei ein schönes Gefühl.

Auf die Idee kamen die Ensinger Fußballer durch die Ultraszene. Bereits am 15. März haben Fans des Fußball-Bundesligisten VfB Stuttgart die Aktion „Gemeinsam helfen 0711“ ins Leben gerufen. „Unsere Idee dazu ist simpel und wird sicherlich bereits auch an verschiedenen Stellen umgesetzt. Übernimmt jeder nur ein wenig soziale Verantwortung gegenüber den Menschen, die Hilfe benötigen, können wir bereits Sinnvolles und Wichtiges anstoßen“, heißt es auf dem Internet-Blog „Schwabensturm02.net“. Angefangen in der Stadt Stuttgart und im Rems/Murr-Kreis deckt die Aktion in der Zwischenzeit den ganzen Großraum um die Landeshauptstadt ab. Sogar die Gemeinden im Schozachtal im Landkreis Heilbronn werden abgedeckt. Für den Landkreis Ludwigsburg kann man sich montags bis samstags von 10 bis 17 Uhr an die Telefonnummer 01 78 / 1 96 91 24 mit der Bitte um Hilfe bei Einkäufen oder Botengängen wenden.

Die Aktion „Gemeinsam helfen 0711“ haben sich die Ensinger Fußballer zum Vorbild genommen. „Bei uns herrscht gerade sehr große Langeweile“, erklärt Fischer unumwunden, nachdem der Trainingsbetrieb vor rund zwei Wochen eingestellt worden war. „Wir haben dann mannschaftsintern diskutiert, was wir machen können und wie wir uns sinnvoll einbringen können“, berichtet der Mannschaftskapitän des TSV. Rund zwei Handvoll Spieler des B-Ligisten stehen nun bereit, um eingehende Anfragen zu bearbeiten.

 

INFO

Nachbarschaftshilfe von Vereinen

Die Fußballer des TSV Ensingen sind nicht die einzigen, die eine Nachbarschaftshilfe anbieten. In der Dreiergemeinde Eberdingen bieten sich auch die Sportler des TSV Nussdorf an, hilfsbedürftigen Mitmenschen unter die Arme zu greifen. Kontakt erfolgt über den Vorsitzenden Peter Klein unter der Nummer 01 74 /3 36 58 50 oder über seinen Stellvertreter Karl-Heinz Dieterle unter der Nummer 01 52 / 01 58 44 79. Außerdem will das Pfarramt Eberdingen Botengänge und Einkäufe für Menschen erledigen, für die solche Erledigungen potenziell lebensbedrohlich sind. Anfagen richten sich an Aylin Klein unter der Nummer 0 70 42 / 71 02.

In Enzweihingen organisiert der Ortsverein der Islamischen Gemeinschaft Millî Görüs (IGMG) eine Nachbarschaftshilfe. „Wir bieten ab sofort allen Risikogruppen ehrenamtlich unsere Hilfe bei Einkäufen und dringenden Erledigungen an“, heißt es in einer Mitteilung des IGMG-Ortsvereins. Kontakt erfolgt über Abdullah Yildirim unter der Nummer 01 74 / 6 37 27 91, über Yadigar Ayyildiz unter der Nummer 0 15 23 /4 07 21 83 oder über Büsra Tekdemir unter der Nummer 01 76 / 42 00 38 24.

In Sachsenheim können sich Senioren sowie Menschen in Quarantäne oder mit Vorerkrankungen, denen niemand zur Seite steht, an den Förderverein Alten- und Krankenpflege wenden. Anfragen kann man unter der Nummer 0 71 47 /9 67 99 55 oder per Mail an corona@stadtkirche-sachsenheim.de loswerden. Auf dem gleichen Weg können sich Menschen melden, die Erledigungen absolvieren können. „Bei dieser Aktion arbeiten Stadtverwaltung Sachsenheim, die evangelische Gesamtkirchengemeinde Sachsenheim, die katholische Kirche Sachsenheim, Your Church, der Türkisch-Islamische Kultur- und Sportverein Ditib, die Neuapostolische Kirche und viele andere Partner Hand in Hand für diejenigen zusammen, die Hilfe brauchen“, heißt es in einer Mitteilung von Bürgermeister Holger Albrich und Pfarrer Dieter Hofmann.

Für die Stadt Vaihingen haben die Stadtverwaltung, die Werbegemeinschaft und die Kirchengemeinden eine Einkaufshilfe ins Leben gerufen (wir berichteten). Kontakt erfolgt über die Nummer des Citymanagements unter 01 51 /52 27 14 86.

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