Ein Leben für den SV Iptingen

Karl-Heinz Rapp ist seit 1970 für den SVI aktiv. Er ist Außenverteidiger oder Flügelflitzer, Vorsitzender sowie Jugend- und Männertrainer. Ohne die Unterstützung seiner Familie wäre das ehrenamtliche Engagement allerdings nicht möglich. Doch nun ist Schluss.

Von Michael Nachreiner Erstellt: 8. August 2020
Ein Leben für den SV Iptingen Ab 1975 lief Karl-Heinz Rapp (stehend Vierter von rechts) – das Bild stammt aus der zweiten Hälfte der 1970er Jahre – für den SV Iptingen auf. Foto: privat

Iptingen. 50 Jahre seines Lebens hat Karl-Heinz Rapp für seinen Sport und seinen Verein, den SV Iptingen, geopfert. Der heute 63-Jährige war Außenverteidiger oder Flügelflitzer und ist mit 681 Partien bei den Aktiven Rekordspieler des SVI, war mehr als 20 Jahre lang Trainer im Jugend- und Aktivenbereich sowie stand von 1994 bis 2003 neun Jahre lang dem Club als Vorsitzender vor. Nun ist vorerst Schluss. Karl-Heinz Rapp hat sich aus dem aktiven Vereinsleben zurückgezogen und steht Trainer Martin Weeber in der neuen Saison nicht mehr als Assistent zur Verfügung. „Es ist einfach eine lange Zeit, die ich dabei war“, berichtet der 63-jährige Familienvater. „Zuletzt waren es jetzt mehr als zehn Jahre im Bereich Fußballtraining bei den Aktiven. Davor war ich auch schon viele Jahre im Jugendbereich als Übungsleiter aktiv.“

Vorerst will sich Karl-Heinz Rapp nicht mehr auf Sportplätzen – auch nicht dem Zwergberg – sehen lassen. „Ich versuche, eine gewisse Distanz zu wahren. Denn ich habe gesagt, jetzt ist Schluss. Und das heißt: wirklich Schluss“, erklärt der Iptinger. Gleich darauf schiebt er aber nach: „Jeder, der ma etwas mit Sport zu tun hatte, kann das nicht einfach abschütteln.“ Ein erneutes Engagement in welcher Form auch immer in der Zukunft ist nicht ausgeschlossen.

Seine Freizeit möchte Rapp in Zukunft vor allem mit Radtouren ausfüllen

Doch bis dahin möchte er seine dazugewonnene Zeit nutzen. „Meine Frau Renate und ich haben uns – nicht nur wegen Corona – E-Bikes gekauft. Mit ihnen wollen wir einige Ausflüge unternehmen“, berichtet der kaufmännische Angestellte einer Krankenversicherung. So haben die beiden beispielsweise schon den Neckartal-Radweg von Kirchheim nach Bad Wimpfen erkundet. „Außerdem will ich die nun gewonnene Zeit nutzen, um regelmäßiger Joggen zu gehen“, fügt Karl-Heinz Rapp hinzu.

Bereits 1970 als damals 13-Jähriger ist der Iptinger mit dem Fußballvirus infiziert worden. „Damals gab es nicht so viele Möglichkeiten. Ich hätte mich noch in der Feuerwehr engagieren können. Oder ich hätte dem Männergesangsverein beitreten können. Doch irgendwie hatte ich schon damals den Virus Fußball in mir“, erinnert sich Karl-Heinz Rapp. Es war die Zeit, als der SV Iptingen wieder eine Jugendabteilung aufgebaut hat. Mit 13 Jahren war er aber schon recht alt, findet er heute. „Damals war es aber nicht wie heute, wo man fast schon in Pampers anfängt, Fußball zu spielen“, berichtet er.

Seitdem ist er Mitglied beim SVI und für den Verein vom Zwergberg aktiv – in verschiedenen Funktionen. Als Fußballer hat er nie an einen Vereinswechsel gedacht. „Ich war immer Realist und konnte meine Leistung einschätzen. Höherklassig hätte ich nicht spielen können. Deshalb wäre ein Wechsel nur infragegekommen, um etwas Anderes kennenzulernen“, erinnert sich Karl-Heinz Rapp. Aber er wollte mit seinen Freunden zusammen kicken. „Auch die familiäre Art und die große Kontinuität bei den Leuten, die sich ehrenamtlich engagieren, im Verein waren immer ausschlaggebend, dass ich nicht weg wollte“, berichtet der kaufmännische Angestellte.

So brachte er es auf insgesamt 681 Spiele bei den Aktiven – inklusive Vorbereitungs- und Freundschaftspartien. Damit ist er Rekordspieler des SV Iptingen. „Das ist schön. Ich hatte aber auch Glück, dass ich nie länger verletzt war. Andere Spieler waren vielleicht genauso lange aktiv, waren aber oft verletzt, so dass sie froh sind, dass sie 200 Partien absolviert haben“, erklärt Karl-Heinz Rapp. Einer dieser Spieler war Werner Dertinger. „Er wäre eigentlich der Rekordspieler, wenn er noch leben würde“, ist sich der 63-Jährige sicher. „Er hat Fußball beim SVI auf und abseits des Feldes gelebt.“ An seinem Stuhl sägt, wie es Karl-Heinz Rapp scherzhaft nennt, aber auch schon die nächste Generation. „Christoph Glashauser – wobei ich nicht weiß, wie bei ihm die Zukunftsplanung aussieht, er ist schon Mitte 30 – , aber vor allem Torwart Marco Euchenhofer können in die Dimensionen vordringen, wenn sie verletzungsfrei bleiben“, erklärt der Iptinger.

Von dem Zeitpunkt, als seine Söhne Tim und Jonas Rapp auch mit dem Fußball begannen, engagierte sich Karl-Heinz Rapp dann auch noch auch als Trainer. „Früher war es vor allem bei kleinen Vereinen so, dass Eltern gefragt wurden, ob sie ihre Kinder trainieren. So wurde der Übungsleiter Karl-Heinz Rapp aus der Situation heraus geboren“, erzählt der 63-Jährige. Und auch diese Tätigkeit ließ ihn nicht wieder wirklich los. „Ich war jetzt elf der vergangenen zehn Jahre Trainer bei den Aktiven. Und davor war ich bestimmt auch mindestens zehn Jahre als Übungsleiter im Jugendbereich aktiv“, berichtet er.

Doch was ist das Schöne am Trainerjob? „Vor allem im Jugendbereich bekommt man ganz viel zurück“, erklärt Karl-Heinz Rapp. „Da sind die strahlenden Kinderaugen. Und man merkt, wie sich die Kinder entwickeln. Aus ihnen werden Jugendliche.“ Und irgendwann wechseln sie in den Männerbereich. „Viele, die ich in der Jugend unter meinen Fittichen hatte, sind immer noch aktiv – und ertragen mich immer noch. Das freut mich mit am meisten“, berichtet er. „Darüber hinaus werde man auch in gewisser Weise geerdet: Vor allem Kinder erinnern einen immer wieder daran, dass Fußball schön ist, aber eben nur die schönste Nebensache der Welt. Sie nehmen Misserfolge in der Regel nicht so ernst.“

Seine Frau Renate hat Rapp immer den Rücken gestärkt

Im Jahr 1994 übernahm der kaufmännische Angestellte auch die Führung des SV Iptingen. Nachdem Helmut Bauer nach mehr als 20 Jahren als Vorsitzender entschieden hat, dass es Zeit für frischen Wind an der Spitze des SVI sei, ist vielen „überraschenderweise mein Name als Nachfolger für ihn eingefallen“, erinnert sich Karl-Heinz Rapp. „Denn außer meiner Trainertätigkeit hatte ich bis dahin noch nie eine Funktion im Verein übernommen.“ Auch deshalb wurden nicht gerade offene Türen bei ihm eingerannt, als er gebeten wurde, zu kandidieren. „Meine Frau Renate hat mir aber den Rücken gestärkt“, berichtet der 63-Jährige. Überhaupt ist er seiner Familie dankbar: „Ich war selbst Spieler, ich war Vorsitzender, und ich war Trainer bei den Jugendlichen und den Aktiven. Es ist nicht selbstverständlich, dass die Familie das mitträgt und immer wieder Lösungen findet.“

Aber auch die Jahre als Vorsitzender des SVI waren „eine tolle Zeit“, blickt Karl-Heinz Rapp zurück“, auch wenn es eine große Aufgabe war, aus dem Schatten von Helmut Bauer herauszutreten und eigene Fußspuren zu hinterlassen. Aber der Ausschuss hat mir geholfen, eigene Ideen umzusetzen.“ Unter der Führung des kaufmännischen Angestellten wurden einige bauliche Maßnahmen am Sportgelände umgesetzt wie zum Beispiel die Garagen, in denen heute der Rasenmäher untergestellt ist. „Das hätte aber jeder andere Vorsitzende auch gemacht“, sagt Karl-Heinz Rapp bescheiden. Und unter ihm fanden die ersten Gespräche mit der Gemeinde über den Bau eines Kunstrasenplatzes statt. „Das Projekt umgesetzt haben dann aber Uwe Bolz und Uwe Hinterseer, der auch schon wieder mehr als zehn Jahre Vorsitzender des SVI ist“, erklärt Kalr-Heinz Rapp.

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