„Das Wichtigste ist Spaß an der Bewegung“

TSV Großglattbach hat Projekt mit Fußballtrainingsgruppe für Drei- bis Sechsjährige gestartet – Ball steht noch nicht im Vordergrund

Von Tobias Weißert Erstellt: 7. November 2019
„Das Wichtigste ist Spaß an der Bewegung“ Trainer Uwe Prohaska (hinten) mit den jüngsten Nachwuchsfußballern des TSV Großglattbach. Foto: Leitner

Uwe Prohaska ist selbst Fußballer aus Leidenschaft. Schon seit 1971 kickt der Großglattbacher. Nun will er den Sport auch an den Nachwuchs weitergeben. Soweit nichts Besonderes. Doch dass der 53-Jährige Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren trainiert, kommt nicht allzu häufig vor.

Großglattbach. Bis vor Kurzem hatte der TSV Großglattbach keine Bambini. Doch seit dem Sommer wagt Uwe Prohaska den Versuch, eine neue Trainingsgruppe altersmäßig unter der F-Jugend anzusiedeln. „Das war allerdings gar nicht meine Idee“, erzählt der 53-jährige. „Ich wurde vor den Sommerferien von zwei Müttern, Ines Schäfer und Jenny Ries, im Kindergarten angesprochen, ob wir nicht auch ein Training für kleinere Kinder anbieten könnten. Für diese Idee war ich sehr offen. Das war natürlich auch ein Ansporn für mich, das mal auszuprobieren.“ Zuvor hatte der TSV lediglich Training für F-Jugendliche in einer Spielgemeinschaft mit dem SV Iptingen angeboten.

Und das Projekt ist eingeschlagen. „Das Training hat den Kindern so sehr Spaß gemacht, dass inzwischen bis zu 14 Kinder in den Einheiten sind“, freut sich der Übungsleiter , der seit 1986 fast durchgehend als Jugendtrainer beim TSV tätig ist. 60 Minuten sind eingeplant für die Drei- bis Sechsjährigen. Dabei ist es Prohaska egal, ob Junge oder Mädchen, ob bereits mit Fußballerfahrung ausgestattet oder ob das Kind nur eine Viertelstunde mitzieht oder über die ganzen 60 Minuten. „Der Spaß steht im Vordergrund“, betont der kaufmännischer Angestellter in der Logistik. Natürlich könne man mit den Älteren bereits mehr ins Fußballerische gehen. „Für die Kleinen ist es wichtig, spielerisch an die Sache zu gehen“, sagt er.

Die Trainingseinheiten beginnen jeweils mit einem Sitzkreis, in dem jedes Kind berichten darf, was es in der vergangenen Woche erlebt hat. „Das macht den Kids immer viel Freude und lockert die Stimmung etwas auf. Danach machen wir verschiedene Spiele mit und ohne Ball“, erklärt Prohaska. So werden etwa unterschiedliche Fangspiele, Wettrennen oder kleine Slalomeinheiten absolviert. „Der Ball steht zwar gerade bei den Kleinsten noch nicht im Vordergrund. Aber die wollen natürlich trotzdem immer alle Tore schießen“, lacht der Übungsleiter.

Von einer technischen Förderung noch weit entfernt

Überdies seien auch Koordination und das Prellenlassen des Balles entscheidend. Prohaska: „Viele können das heute noch nicht. Doch später sollte das jeder beherrschen.“ Von einer technischen Förderung sei man aber noch weit entfernt. „Die Kinder haben ja das Gefühl in den Füßen noch gar nicht. Da schimpfe ich dann auch nicht, wenn mal etwas nicht klappt. Wenn der Ball knapp vorbeigeht, sage ich, dass es beim nächsten Mal klappt“, erklärt der Coach.

Generell dürfe man aber nicht zu viel von den Kindern fordern. Selbst bei den Älteren wird es zum Ende der einstündigen Trainingseinheit mit der Konzentration schwierig. Andere steigen schon früher aus. „Wenn ein Kind nur eine Viertelstunde mitmachen will und im Anschluss wieder zu seinen Eltern geht, ist das auch in Ordnung. Man sollte die Kleinen nicht zwingen. Nebenan ist ein Spielplatz, dann spielen sie eben da“, erzählt Prohaska.

Auch die Eltern schätzen das Training von Prohaska. „Viele Väter und Mütter sind froh, wenn sie dabei sein können und das Kind zwischendrin zu ihnen kommen kann“, berichtet Prohaska. Es gibt aber auch die anderen, die das Bambinitraining als Möglichkeit sehen, dass ihr Kind frühzeitig eine gewisse Selbstständigkeit lernt. „Manche hingegen sagen, sie kommen in einer halben Stunde wieder, um das Kind einmal auf sich alleine zu stellen“, erklärt der Trainer. „Das hängt natürlich auch ganz von den Kindern ab. Aber da ist niemand dabei, der froh ist, sein Kind endlich mal loszuhaben.“

Gemeldet zum Spielbetrieb ist die Bambinimannschaft des TSV Großglattbach allerdings nicht. „Wir spielen zwar hin und wieder ein Turnier oder Freundschaftsspiele. Von denen möchte ich im nächsten Jahr auch alle 14 Tage eines austragen. Aber der Spielbetrieb kommt noch zu früh“, erklärt Prohaska. Denn bereits bei einem Hallenturnier in Iptingen sei ihm aufgefallen, dass die Kleineren sich nicht getraut hätten, gegen größere Kinder zu spielen. „Wenn sie nicht wollen, wollen sie nicht“, nimmt es der Trainer gelassen. Gefreut hätten sich trotzdem alle über die Medaillen am Ende.

Hoffnung, dass einige Spieler bis zur Aktivenmannschaft dabeibleiben

Bereits nach der laufenden Saison werden drei Spieler ins F-Jugend-Alter kommen. Prohaska hofft natürlich, dass sie weitermachen werden. Denn natürlich haben die Großglattbacher das Experiment nicht ohne Eigennutz ins Leben gerufen. „Selbstverständlich ist das Ziel, von den 14 Kindern vier oder fünf einmal für die aktive Mannschaft zu gewinnen“, sagt der 53-Jährige, der selbst noch in der zweiten Mannschaft in der Kreisliga B 8 spielt.

Unter den Kindern seien auch fünf Mädchen, die später einmal, hofft er, zur Frauenmannschaft stoßen könnten, die als Spielgemeinschaft Roßwag/Großglattbach aktuell um den Aufstieg in die Regionenliga kämpft. Schließlich wird es immer schwieriger, Jugendmannschaften am Leben zu erhalten, da immer weniger Kinder in Vereinen Sport machen. Ein Problem in der heutigen Zeit – nicht nur für die Vereine. Denn „Zeit haben die Kinder genug, glaube ich“, berichtet Prohaska. „Und es ist allemal besser, wenn sie sich bewegen, statt den ganzen Tag vor dem Computer oder dem Handy zu sitzen.“

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