Corona macht Trainersuche schwerer

Trotz einiger vielversprechender Gespräche haben die Verantwortlichen auch nach Monaten noch keinen neuen Übungsleiter für den Bezirksligisten SGM Roßwag/Großglattbach gefunden. Die Pandemie hat daran nicht einen unerheblichen Anteil. Nun drängt die Zeit.

Von Michael Nachreiner Erstellt: 5. Mai 2021
Corona macht Trainersuche schwerer Lena Dreibach (links) und die SGM Roßwag/Großglattbach sind in der Frauenfußball-Bezirksliga sportlich erfolgreich. Einen Trainer für die neue Saison haben sie aber noch nicht gefunden. Foto: Leitner

Roßwag/Großglattbach. Christian Boochs schlägt sich aktuell fast mit schlaflosen Nächten herum. Der Fußballchef des FV Roßwag hat für die Frauenmannschaft der SGM Roßwag/Großglattbach trotz bereits monatelanger Suche noch keinen Nachfolger für das Duo Thomas Renz und Simon Hiller als Trainer gefunden. „Thomas und Simon haben eigentlich schon Ende der Saison 2019/2020 signalisiert, dass sie in diesem Sommer aufhören“, berichtet Boochs. „Wir wussten also frühzeitig, dass wir uns auf die Suche machen müssen.“

Die Suche wird schon dadurch erschwert, dass „der Pool an Trainern, die Frauen trainieren wollen, kleiner ist als derjenigen, die ein Männerteam übernehmen wollen“, erklärt der Roßwager Abteilungsleiter. Er schätzt, dass auf fünf potenzielle Männerübungsleiter nur ein Frauentrainer kommt. „Ich spreche jetzt nur für den Großraum Vaihingen: Es gibt nicht so viele Kandidaten – und schon gar nicht welche mit Erfahrung“, erzählt Boochs. Selbst der Versuch, Simon Hiller umzustimmen, hat nicht gefruchtet. „Er hat zwar grundsätzlich immer noch Lust, mit den Mädels zu arbeiten. Allerdings ist er der Meinung, dass die Mannschaft einen neuen Impuls braucht“, berichtet der FVR-Fußballchef. „Damit war uns klar, dass wir extern suchen müssen“ – zumal auch andere ehemalige oder aktuelle Spieler abgewinkt haben.

Und da wurden alle Kanäle genutzt. Boochs und sein Pendant beim TSV Großglattbach, Reinhold Schimpgen, haben alle ihnen bekannte mögliche Kandidaten direkt angesprochen. „Aufgrund unserer Vergangenheit – wir kommen beide aus dem Männerfußball – ist es aber so, dass wir nicht zehn Namen in unseren Adressbüchern stehen haben, die wir einfach mal so anrufen können. Im Frauenbereich sind wir einfach nicht so gut vernetzt“, berichtet Boochs. Und die wenigen Kandidaten, die bekannt waren, haben Körbe verteilt. „Bei einem hat sich zum Beispiel während der Gespräche eine berufliche Veränderung ergeben, so dass er überhaupt keine Zeit mehr für ein ehrenamtliches Engagement hat. Ein anderer hat sich für einen anderen Verein entschieden. Und ein weiterer sieht seine Aufgabe bei seinem bisherigen Club noch nicht als erledigt an“, erzählt der FVR-Abteilungsleiter.

Auch mehrere Aufrufe über Social-Media-Kanäle hat nichts Fruchtbares ergeben, obwohl sich auf die Postings einige Übungsleiter gemeldet hatten. „Manche hatten aber auch unrealistische Vorstellungen – vor allem, was die Entlohnung und die Fahrtkostenerstattung angeht. Ich hatte den Eindruck, diese Kandidaten waren nur auf der Suche nach einem Engagement, bei dem sie Geld verdienen können. Ich habe in den Gesprächen jedoch keine Motivation herausgehört, dass sie unbedingt bei der SGM Roßwag/Großglattbach Trainer werden wollen“, berichtet Boochs.

Ab und zu hat der Fußballchef auch mitbekommen, dass potenzielle Trainer nicht interessiert waren, weil sie das Team nicht spielen oder zumindest trainieren sehen konnten. In anderen Fällen wurde auch kommuniziert, dass durch die Corona-Pause Fußball gar nicht mehr so wichtig sei und dass deshalb in der jetzigen Situation keine Motivation vorhanden sei, sich mit Fußball zu beschäftigen – weder als Fan noch als Übungsleiter.

Deshalb drängt nun die Zeit. Da die neue Saison 2020/2021 ganz normal starten soll – bei den Frauen wäre das wahrscheinlich Mitte September – muss schnell ein neuer Trainer her. „Mein Wunsch wäre, dass wir bis Anfang, spätestens aber bis Mitte Juni einen neuen Übungsleiter gefunden haben, damit wir mit ihm die Vorbereitung planen können. Dann könnte ich ruhiger schlafen“, erklärt Boochs.

So langsam gehen dem Roßwager Fußballchef aber die Ideen aus. „Die möglichen Kandidaten, die wir kennen, haben wir bereits angesprochen“, erzählt der FVR-Abteilungsleiter. Ein erneuter Aufruf auf den Social-Media-Kanälen der Spielgemeinschaft und der beiden Stammvereine soll noch einmal Aufmerksamkeit generieren – in der Hoffnung, dass sich noch mal jemand meldet. Die letzte Patrone ist dann, eine Anzeige beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) zu schalten. Beim nationalen Dachverband gibt es eine Trainerbörse, in der sich auf der einen Seite Übungsleiter und auf der anderen Seite Vereine als suchend eintragen können. Boochs: „Das wollen wir auf jeden Fall noch machen.“

Und wenn alle Stricke reißen, will der Roßwager Abteilungsleiter auf eine interne Lösung zurückgreifen. „Zwei Personen hatten Bereitschaft gezeigt, einen Trainer zu unterstützen. Ich hoffe, dass wir sie bewegen können, wenigstens die Vorbereitung anzugehen“, erklärt Boochs.

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