TVV verzichtet auf Zweitligasaison

Vaihinger Faustballer haben sowohl Männer- als auch Frauenmannschaft für die verkürzte Feldrunde zurückgezogen. Mit ihren Jugendteam wollen die Enzstädter aber bei Einverständnis der Eltern an den DM-Turnieren teilnehmen, werden diese stattfinden.

Von Michael Nachreiner Erstellt: 24. Juni 2020
TVV verzichtet auf Zweitligasaison Die Hallensaison 2019/2020 war eigentlich für Michael Knodel seine letzte Spielzeit in der Jugend. Dann kam Corona und betrog ihn sozusagen um seine letzte Nachwuchs-DM. Durch das Außerkraftsetzen der Altersgrenzen darf er im September nun voraussichtlich doch noch einmal um den nationalen Titel in der U 18 mit dem TV Vaihingen kämpfen. Foto: Archiv/Nachreiner

Ahlhorn/Vaihingen. Nun haben auch die Faustballer endlich Gewissheit. Nachdem das Präsidium der Deutschen Faustball-Liga (DFBL) eine endgültige Entscheidung, wie es mit der Feldsaison, die eigentlich schon Anfang Mai hätte beginnen sollen, weitergeht. Es ist einer der letzten Verbände in Deutschland, der einen Beschluss getroffen hat: Die Feldsaison der 1. und 2. Bundesliga sowie die deutschen Meisterschaften der Jugend und Seniorenklassen finden statt – allerdings in abgespeckter Version. „Das Interesse der Mannschaften und Vereine an der Durchführung des Spielbetriebes ist überraschend hoch“, sagt DFBL-Präsident Ulrich Meiners. Abstandsregeln könne man im Faustball, abgesehen von wenigen Ausnahmen, problemlos einhalten.

„Das Präsidium hat eine Entscheidung getroffen – aber was für eine“, ist Markus Knodel, Trainer der Zweitligamänner und der U 18 sowie Leiter des Sportbetriebs beim TV Vaihingen, einttäuscht. „Die DFBL-Verantwortlichen wollen die Saison im Rahmen der rechtlichen Bedingungen und in Abstimmung mit den Gesundheitsämtern unbedingt durchziehen. Doch für mich ist das unverantwortlich. In der ersten Liga geht es wenigstens noch um den Meistertitel. Aber die zweite Liga spielt ohne Ziel – es gibt keinen Auf- und keinen Abstieg. Die DFBL bietet jedoch einen Spielbetrieb an und kann so Meldegebühren erheben.“

In den ersten Ligen Nord und Süd der Männer und Frauen wird es eine Punktspielrunde in Turnierform geben. Am Samstag, 1. August, treffen sich jeweils vier Teams, um die erste Hälfte des Klassements auszuspielen. Zwei Wochen später erfolgt dann bereits der Abschlussspieltag. Bei den Frauen gibt es Dreier-Spieltage am 2. August und einen großen Wettkampftag am 16. August. Fast alle Bundesligateams haben ihre Teilnahme an diesem Alternativprogramm zugesagt. Die jeweils drei besten Mannschaften qualifizieren sich für die DM-Endrunde. Die steigt wie ursprünglich geplant beim VfL Kellinghusen in Schleswig-Holstein.

Entscheidung zum Rückzug des TVV haben Teams selbst gefällt

Die 2. Bundesligen der Männer und der Frauen sollen ebenfalls an zwei Spieltagen Ende August und Mitte September ein Klassement ermitteln. Auf- und Absteiger soll es allerdings keine geben. Das dann aber auf jeden Fall ohne den TV Vaihingen. „Wir haben unsere Mannschaften in der 2. Bundesliga Süd der Männer und in der 2. Bundesliga Süd der Frauen zurückgezogen“, erzählt Markus Knodel. Die Entscheidung haben die beiden Teams jeweils mit ihren Trainern getroffen. Kritik besteht vor allem am Format. Denn ohne Auf- und Absteiger geht es um die goldene Ananas. „Wir würden nur wild durch die Gegend fahren und Geld verbrennen“, erklärt der TVV-Trainer. Außerdem könnten Teams noch am Spieltag zurückziehen. „Spielen wir es mal durch. Wäre ein Spieltag in Kubschütz, müssten wir am Tag vorher anreisen und übernachten. Wenn dann am Spieltag ein oder sogar mehrere Mannschaften zurückziehen, könnte es dann sogar passieren, dass der Spieltag komplett ausfällt“, berichtet Markus Knodel.

Selbst einen Spieltag auszurichten, schlossen die Verantwortlichen des TVV um Abteilungsleiter Carsten Reitschuster und seinen Stellvertreter Alexander Perleß gleich kategorisch aus. „Wahrscheinlich sind im August und September immer noch keine Zuschauer erlaubt. Es bricht also eine Einnahmequelle weg. Außerdem ist Stand jetzt noch nicht einmal erlaubt, dass die Mannschaften nach dem Spieltag am Spielort duschen dürfen“, erklärt Markus Knodel.

Er präferiert immer noch die Idee, regionale Turniere oder zumindest Freundschaftsspiele auszurichten. „Wenn alles wieder erlaubt ist, werden wie ganz sicher auch den einen oder anderen Wettkampfabend verbringen und danach noch eine rote Wurst auf den Grill legen“, erklärt der Vaihinger Übungsleiter. „Das ist zu diesem Zeitpunkt besser.“

Außerdem wurde beschlossen, dass im Jugend- und Seniorenbereich zumindest deutsche Meisterschaften in einer sogenannten Light-Variante ausgetragen werden. Qualifiziert sind hierfür diejenigen Teams, die eigentlich bereits in der Hallenrunde jeweils ihre DM hätten spielen sollen. „Wir erachten es als eine faire Lösung, dass wir hier denjenigen nun eine Chance auf Spiele auf höchstem Niveau im Feld geben“, sagt Präsident Meiners. Besonderheit bei der Jugend: Es gelten die Altersgrenzen aus der Hallenrunde, Spieler können also auch schon ein wenig älter sein als normalerweise zulässig.

Michael Knodel hat noch mal Chance auf nationalen Titel in Jugend

Deshalb ist zum Beispiel auch der Vaihinger Michael Knodel aus dem Häuschen. Der Sohn von Trainer Markus Knodel wäre eigentlich nach der Hallensaison aus der Jugend herausgekommen. Doch nun darf der Angreifer der U18 des TVV doch noch ein Mal um den nationalen Titel in einer Jugendklasse spielen, nachdem „Corona ihm diese Chance in der Halle gestohlen hat“, erklärt Markus Knodel.

Die Vaihinger würden mit ihren Jugendteams auch an den jeweiligen deutschen Meisterschaften teilnehmen, „wenn es gesetzlich erlaubt ist und die Eltern einverstanden sind“, berichtet Markus Knodel. Qualifiziert für die nationalen Titelkämpfe in der Halle waren vom TVV die U 18 männlich und weiblich sowie die U 16 weiblich. Die U 16 männlich hat als Dritter in Süddeutschland gute Chancen auf einen Nachrückerstartplatz. „Wenn sich aber keine sechs Mannschaften pro Altersklasse finden, dann fällt die DM in der jeweiligen Altersklasse aus“, erklärt der TVV-Übungsleiter.

Er hat auch durchaus Verständnis für den Wunsch der Spieler, endlich wieder im Wettkampf auf den Platz zu dürfen. „Es gibt viele Vereine, die spielen wollen. Auch meine Jungs haben sich gefreut, dass sie wieder spielen dürfen“, berichtet Markus Knodel. Mit seiner persönlichen Meinung hält er aber nicht hinter dem Berg: „Ich finde es untragbar. Alle Veranstaltungen werden abgesagt. Doch wir Faustballer tun so, als ob es im Septemberg kein Corona mehr gibt und Wettkampfsport wieder ohne Einschränkungen erlaubt ist. Darüber hinaus kann sich kein Team richtig vorbereiten, da es aktuell immer noch Beschränkungen mit einem Mindestabstand gibt und Hochleistungssport verboten ist.“

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