Trainingspause zum Schlafen genutzt

Anna Winkler spielt Faustball und Fußball und kennt Abende ohne Training erst seit den Corona-Einschränkungen. Ihre früheren Übungsleiter beim TV Vaihingen – Kolja Meyer, Klaus Meyer und Marco Lochmahr – schätzt sie noch heute hoch.

Erstellt: 10. Juni 2021
Trainingspause zum Schlafen genutzt Ob Faustball (Bild) oder Fußball – Anna Winkler liebt das Spiel mit der Lederkugel. Foto: Archiv/Nachreiner

Vaihingen (nac). Die Sportler aus der Region stehen im öffentlichen Fokus und werden meist nach ihren Leistungen beurteilt. Doch wie ticken sie wirklich? In einer Interviewserie stellt die VKZ-Sportredaktion den Menschen hinter dem Sportler vor. Teil 29: Anna Winkler (20). Sie spielt Faustball beim Bundesligisten TSV Calw und Fußball beim SV Horrheim – eigentlich auf der Außenbahn, aber um Verletzungen vorzubeugen, auch ab und an im Tor.

Wie geht es Ihnen?

Mittlerweile ganz in Ordnung. Als Anfang 2020 alles stillgelegt wurde, war es auch für mich eine neue Situation. Ich war von klein auf gewohnt, einen Programmpunkt nach dem anderen zu haben und auf einmal musst du dich zu allem selbst motivieren und dir alles selbst einteilen. Das hat Kraft gekostet.

Jetzt in der trainings- und wettkampffreien Phase: Wie halten Sie sich fit?

Es gibt solche und solche Phasen. Zu Beginn der Lockdowns konnte ich mich recht gut zum Joggen und zu Workouts motivieren. Meist hatten wir zusätzlich noch vom TSV Calw aus einmal wöchentlich ein online Fitness-Training. Allerdings gibt und gab es auch Tage, in denen die Motivation fehlt. Da fahre ich dann mit dem Fahrrad zur Arbeit und zum Pferd reiten, was ich aber nicht als Sport bezeichnen würde.

Und wie vertreiben Sie sich Ihre mehr-gewonnene Freizeit?

Ich schlafe deutlich mehr als zuvor, gehe mehr arbeiten und wenn noch Zeit übrig ist, investiere ich diese ins Studium. Am Anfang war es schwer. Ich war es gewohnt, jeden Abend mindestens ein Trainingsangebot zu haben.

Was fehlt Ihnen aktuell am meisten?

Etwas wie die Schule. Ein Ort, den man täglich besucht und Freunde trifft. Das wäre nun die Uni, dort war ich trotz einem Jahr Studium aber erst zwei Tage. Und das Training natürlich. Wobei ich ja das Glück habe, seit Februar mit meiner Faustballmannschaft unter Hygienemaßnahmen zu trainieren. Aber der Fußball als Spaßfaktor fehlt natürlich.

Und auf was können Sie generell nicht verzichten?

Auf meine Freunde und Bewegung.

Blicken wir auf die bisherige Saison zurück: Wie lief es?

Eine Faustball Feldsaison 2021 steht an, hat aber noch nicht begonnen. Die Hallensaison fiel komplett aus. Die Feldsaison 2020 konnte in verkürzter Form, dennoch mit Deutscher Meisterschaft stattfinden. Die Qualifikationsspieltage liefen persönlich und für die Mannschaft gut. Die DM für beide leider nicht.

Was lief nicht so gut?

Die DM im Feld 2020 und das Training zurzeit persönlich.

Und mit was sind Sie zufrieden?

Zufrieden bin ich mit der Entscheidung der Deutschen Faustball-Liga, die Spieltage in der Hallenrunde mitten im zweiten Lockdown abzusagen. Natürlich hätte ich diese gerne gespielt. Es gibt aber Wichtigeres in diesen Zeiten als eine Faustball-Meisterschaft.

Wie sehen Sie die Entscheidung des Fußball-Verbands, die Saison abzubrechen?

Es war die richtige Entscheidung. Zu Spielen gehören Umkleiden, Duschen, alles geschlossene Räume. Das muss nicht unbedingt sein, solange es nicht um große Geldsummen geht. Training im Freien mit Umziehen und Duschen zu Hause hätte meiner Meinung nach trotz des Lockdowns stattfinden sollen.

Und wenn Sie Ihre bisherige Laufbahn Revue passieren lassen: Was war Ihr schönstes Sport-Erlebnis?

Der Deutsche Meistertitel 2016 in der U 18 und natürlich der Deutsche Meistertitel in der Halle mit den Frauen 2020.

Und welches war das negative Highlight?

Der Europapokal in der Halle Anfang 2020.

Es heißt: Hinter jedem erfolgreichen Mann steht eine starke Frau und hinter jeder erfolgreichen Frau steht ein starker Mann. Wer ist bei Ihnen verantwortlich, dass Sie sportlich so erfolgreich sind?

Vermutlich meine ehemaligen Trainer des TV Vaihingen, Kolja und Klaus Meyer und Marco Lochmahr.

Welches ist Ihr sportliches Vorbild?

Ich bin von Alexander Zverev und Toni Kroos sehr begeistert. Beide wissen, was sie können und was nicht. Das sagen sie auch gerade raus. Da wird nicht um den heißen Brei geredet.

Wenn Sie nicht die Sportart treiben würden, für die Sie sich entschieden haben, welchem Hobby würden Sie nachgehen?

Hätte ich mich damals nicht hauptsächlich auf das Faustball konzentriert, wäre ich beim Fußball eventuell weiter gekommen. Sehr gerne hätte ich auch von klein auf Tennis gespielt. Als Kind macht man aber das, was die Eltern möchten oder der große Bruder macht.

Welche drei Dinge würden Sie auf eine einsame Insel mitnehmen?

Das ist schwer zu sagen. Wir brauchen ja heutzutage so viel, um klarzukommen.

Wie charakterisiert Sie Ihre Familie und Freunde?

Unternehmungslustig, verpeilt, ehrlich.

Und was ist Ihre größte Schwäche?

Meine Ungeduld. Wenn ich etwas möchte, muss es sofort perfekt funktionieren.

Wenn Sie eine Million Euro zur Verfügung hätten, was würden Sie damit machen?

So investieren, dass es immer mehr wird.

Unabhängig von Geld: Welchen Wunsch würden Sie sich gerne einmal erfüllen?

Ich würde mich gerne besser und länger konzentrieren können. Sowohl beim Studieren als auch, wenn die Trainer eine Übung erklären.

Welchen Prominenten würden Sie gerne einmal kennenlernen?

Keinen. Die haben oft wenig Zeit. Diese möchte ich nicht verschwenden.

Welche Schlagzeile würden Sie über sich gerne einmal in der VKZ lesen?

Anna Winkler steigt mit dem SV Horrheim auf und holt den deutschen Meistertitel mit dem TSV Calw.

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