Kilpper träumt von einem Haus in Schweden

Skandinavien hat es der 16-jährigen Faust- und Handballerin aus Aurich, die nicht ohne Musik leben kann und der es schwerfällt, Schokolade links liegen zu lassen, nicht nur für den Urlaub angetan. Ihr Bruder Jakob ist ihr sportliches Vorbild.

Erstellt: 4. Februar 2021
Kilpper träumt von einem Haus in Schweden Kilpper träumt von einem Haus in Schweden

Vaihingen (nac). Die Sportler aus der Region stehen im öffentlichen Fokus und werden meist nach ihren Leistungen beurteilt. Doch wie ticken sie wirklich? In einer Interviewserie stellt die VKZ-Sportredaktion den Menschen hinter dem Sportler vor. Teil 11: Klara Kilpper (16), Schlagfrau in verschiedenen Faustballmannschaften des TV Vaihingen und Kreisläuferin bei den B-Jugend-Handballerinnen der Spielgemeinschaft HC Metter-Enz.

Wie geht es Ihnen?

Mir geht es soweit gut. Bedrückend ist die Ungewissheit, wie es allgemein und natürlich auch im Sport weitergehen wird. Ich bin aber froh, dass es meiner Familie, meinen Freunden und mir gut geht. Denn dies ist in einer so schwierigen Pandemie sicherlich nicht selbstverständlich.

Jetzt in der trainings- und spielfreien Phase: Wie halten Sie sich fit?

Ich vermisse sehr das Handball- und Faustballtraining mit meinen Mannschaften, aber wie im ersten Lockdown versuche ich, mich mit Workouts fitzuhalten. Zugeben muss ich, dass es mir wesentlich schwerer fällt, die Leistungskurve aufrechtzuerhalten. Im letzten Frühjahr fiel das leichter, da ich meinen Bruder als Trainingspartner noch um mich herum hatte. Zusätzlich gab es noch ein gemeinsames Online-Krafttraining mit meiner Mannschaft.

Und wie vertreiben Sie sich Ihre mehr-gewonnene Freizeit?

Im ersten Lockdown hatte ich das Gefühl, mehr freie Zeit zu haben. Aktuell bin ich mit vielen schulischen Aufgaben beschäftigt, was fast den ganzen Tag in Anspruch nimmt. Wenn alle Aufgaben erledigt sind, gehe ich gerne raus ins Auricher Tal, höre Musik, Podcasts oder telefoniere mit Freunden. Mitunter ergibt es sich, dass jemand mitgeht. Mehr gibt die aktuelle Situation nicht her.

Was fehlt Ihnen aktuell am meisten?

Am meisten fehlt mir das gemeinsame Training mit meinen Mannschaften, die Treffen mit meinen Freunden oder das Beisammensein mit meinen Geschwistern und Großeltern.

Und auf was können Sie generell nicht verzichten?

Es fällt mir schwer, eine Antwort zu finden… Aber ich glaube, es ist die Musik.

Blicken wir auf die bisher in dieser Saison absolvierten Wettkämpfe/auf die bisherige Saison zurück: Wie lief es?

Am Anfang der Hallensaison haben wir mit der Frauenmannschaft beim Faustball noch das Turnier in Gärtringen bestritten, beim Handball lief die Hinrunde bis zum zweiten Spiel coronaregulär ab. Das erste Spiel haben wir für uns entschieden, das zweite jedoch an Bietigheim abgegeben. Ab dem 8. November vergangenen Jahres wurden dann unsere Handballspiele abgesagt. Seither fielen alle Begegnungen aus.

Haben Sie noch die Hoffnung, dass die Saison zu Ende gespielt wird?

Nein, Hoffnung habe ich nicht. Und ich kann es mir auch nicht vorstellen. Die Faustball-Hallensaison 2020/2021 wurde bereits komplett von der Deutschen Faustball-Liga (DFBL) abgesagt. Auch beim Handball wird die Saison nicht fertig gespielt.

Wie sieht für Sie ein optimales Szenario aus, um die Spielzeit zu Ende zu bringen?

Ich hoffe, dass wir beim Faustball im Feld wieder trainieren können. Beim Handball wird es wahrscheinlich etwas schwieriger sein, den ganz normalen Trainingsbetrieb wieder aufnehmen zu können.

Und wenn Sie Ihre bisherige Laufbahn Revue passieren lassen: Was war Ihr schönstes Sport-Erlebnis?

Das ist schwierig zu sagen, da ich finde, dass jeder Sieg mit meiner jeweiligen Mannschaft – egal, ob beim Hand- oder beim Faustball – das schönste Erlebnis war. Trotzdem finde ich, dass das Halbfinale der deutschen Meisterschaft der U 16 im Faustball hier in Vaihingen gegen den MTV Wangersen ein äußerst besonderer Moment gewesen ist, da ich mit meiner Mannschaft zum ersten Mal ins Endspiel der DM eingezogen bin. Obwohl wir anschließend dann das Finale verloren haben, bin ich meinem Traum, mit meiner Mannschaft Deutscher Meister zu werden, nähergekommen.

Und welches war das negative Highlight?

Wir haben das Finale der U-16-DM hier in Vaihingen gegen den Ahlhorner SV verloren.

Wer war der beste Konkurrent, gegen den Sie jemals haben antreten müssen?

Beim Handball kann ich mich noch sehr gut an den Alwa-Cup erinnern, bei dem wir gegen die Mädels vom HBI Weilimdorf/Feuerbach haushoch verloren haben. Sie waren uns körperlich, technisch und taktisch überlegen.

Beim Faustball sind die norddeutschen Mannschaften sowohl körperlich als auch spieltechnisch gut aufgestellt. Spiele gegen Mannschaften wie Alhorn, Schneverdingen oder Düdenbüttel sind immer eine Herausforderung, welche ich für mich immer gerne annehme.

Es heißt: Hinter jedem erfolgreichem Mann steht eine starke Frau und hinter jeder erfolgreichen Frau steht ein starker Mann. Wer ist bei Ihnen verantwortlich, dass Sie sportlich so erfolgreich sind?

Natürlich stellt man sich da erstmal die Frage, ob „erfolgreich“ nicht sehr weit hergeholt ist. Aber die Freude am Sport verdanke ich meinen Eltern und meinen Geschwistern. Zum Handball bin ich gekommen, da meine Mutter früher selbst Handball gespielt hat und meine älteste Schwester auch bereits beim TV Vaihingen aktiv gewesen ist. Das hat mein Interesse für die Sportart geweckt. Zum Faustball bin ich vor allem durch meinen Bruder Jakob und durch meinen Vater gekommen.

Und welches ist Ihr sportliches Vorbild?

Mein sportliches Vorbild ist mein Bruder Jakob, da ich sehr fasziniert davon bin, was er bereits alles geleistet und erreicht hat.

Wenn Sie nicht die Sportart treiben würden, für die Sie sich entschieden haben, welchem Hobby würden Sie nachgehen?

Ich würde immer wieder eine Mannschaftssportart wählen, weil ich die Interaktion mit meinen Mitspielerinnen einer Individualsportart vorziehe.

Welche drei Dinge würden Sie auf eine einsame Insel mitnehmen?

Auf eine einsame Insel würde ich eine Hängematte, ein gutes Buch und einen gut befüllten Picknickkorb mitnehmen. Diese Kombination gehört zu einer optimalen Entspannung dazu.

Wie charakterisiert Sie Ihre Familie oder Freunde?

Nach kurzer Umfrage: freudig, offen, kommunikativ

Und was ist Ihre größte Schwäche?

Meine größte Schwäche ist Schokolade (lacht).

Wenn Sie eine Million Euro zur Verfügung hätten, was würden Sie damit machen?

Ich würde mir ein kleines Häuschen in Schweden an einem schönen See wünschen.

Unabhängig von Geld: Welchen Wunsch würden Sie sich gerne einmal erfüllen?

Ich würde gerne eine Skandinavien-Rundreise machen. Bisher war ich mit meiner Familie in Süd- und Mittelschweden im Urlaub. Aber mich interessieren auch die Kulturen der anderen skandinavischen Länder, und ich würde gerne die wunderschöne Landschaft erwandern.

Welchen Prominenten würden Sie gerne einmal kennenlernen?

Ich würde sehr gerne Henning May kennenlernen, den Sänger der deutschen Rockband AnnenMayKantereit, da mir seine Musik sehr gut gefällt und ich seine politischen Ansichten interessant finde.

Weiterlesen
„Keine Selbstverständlichkeit“

„Keine Selbstverständlichkeit“

Drucken Vaihingen. Endlich hechten wieder verschwitzte Sportler auf dem Sportplatz am Alten Postweg nach Bällen, absolvieren Sprints oder Kraftübungen. Und es hallen wieder Frotzeleien über den Rasenplatz. Während alle Amateursportler sehnsüchtig auf die Öffnung der Sportstätten und damit... »