Faustballerinnen aus Eibach und Stammheim werden disqualifiziert

Alle Spiele beider Teams in der 1. Bundesliga Süd der Frauen werden als verloren gewertet – Zangsabstieg ist Konsequenz – TVE verliert Startrecht für DM-Endrunde

Erstellt: 27. Februar 2019

Eibach/Stammheim (red/nac). Die Deutsche Faustball-Liga (DFBL) als Dachverband, der den Spielbetrieb in der Faustballer in Deutschland organisiert, wird von einem Skandal erschüttert. Zwei Mannschaften aus der 1. Bundesliga Süd der Frauen, der TV Eibach und der TV Stammheim, haben am letzten Saisonspieltag der Staffel ein Ergebnis am Telefon vereinbart, ohne die Partie gespielt zu haben. Als Konsequenz wurden nun beide Teams vom Spielbetrieb disqualifiziert. Alle Partien wurden aus der Wertung genommen. Sowohl Eibach als auch Stammheim müssen den Weg in die 2. Bundesliga Süd antreten. „Wir im das im DFBL-Präsidium zwar nicht so gewertet. Aber das ist eine mutwillige Täuschung am Rande zum Betrug“, erklärt DFBL-Presseprecher Jan Beckmann. „Das muss eine harte Strafe geben. Wenn wir so etwas durchgehen lassen, machen wir uns lächerlich. Wer in der Bundesliga spielen will, muss halt auch einige Pflichten erfüllen. Und das Antreten zu acht Spieltagen mit 16 Partien in der 1. Bundesliga der Frauen ist für mich eine zumutbare Belastung.“ Und DFBL-Präsident Ulrich Meiners echauffiert sich: „Wie es sein kann, dass ein Spitzenverein, ein Bundesligaverein, zu einem Bundesligaspiel – in Kenntnis der Spielordnung Faustball – nicht antreten kann? Wir können doch nicht, nur weil das Ergebnis keinen Einfluss auf die Tabellensituation hat, uns einfach Spiele schenken. Das stellt für unseren Sport ein Armutszeugnis dar!“

Was genau war passiert? Am letzten Spieltag der Südstaffel der 1. Bundesliga war angesetzt, dass sich der TV Stammheim, der TV Eibach und die TG Landshut im Stuttgarter Norden gegenüberstehen sollten. Die Verantwortlichen der TGL informierten die Liga und die gegnerischen Teams frühzeitig, dass sie zu diesem Spieltag nicht mehr antreten würden. Zu viele Verletzte waren zu beklagen. Zudem war klar, die Mannschaft würde sich auflösen und schon zur Feldsaison nicht mehr melden. Damit hätte nur noch der TV Stammheim gegen den TV Eibach spielen müssen. Für beide Mannschaften ging es um nichts mehr. Die Eibacherinnen waren als Dritte im Süden sportlich für die DM-Endrunde in Moslesfehn qualifiziert. Die Stammheimerinnen hatten den Klassenerhalt sicher. Zeitnah nach dem vermeintlichen Ende der Partie wurde auf „Faustball.de“, dem Meldeportal der DFBL, auch ein Ergebnis eingetragen – 3:1 (11:9, 10:12, 11:8 und 11:7) für die Gäste aus dem Nürnberger Stadtteil.

Am Tag darauf stand aber eine Meldung über den abgesprochenen Ausgang des Spiels in der Zeitung und machte in der Faustball-Community die Runde. Karl Ebersold, das für den Bundesligabetrieb zuständige Präsidiumsmitglied der DFBL, reagierte sofort. Laut Spielordnung gab es nur eine Konsequenz laut Spielordnung Faustball: Disqualifikation, Abstieg in die 2. Bundesliga und Aberkennung der Eibacher DM-Qualifikation. „Die Auslegung in dieser Sache lässt aus unserer Sicht überhaupt keinen Ermessensspielraum zu, so tragisch das auch für alle Beteiligten ist“, erklärt Meiners.

Zwar versuchte der TV Stammheim noch das Schlimmste abzuwenden, indem er in seiner Stellungnahme viele Interpretationsmöglichkeiten offen ließ. Doch am Montag wurde die Disqualifikation von Stammheim einstimmig vom DFBL-Präsidium bestätigt. „Es gibt noch eine Einspruchsfrist. Aber so eindeutig, wie das Votum ausgefallen ist, sehe ich keine Aussicht auf Erfolg“, erklärt Beckmann.

Der Startplatz bei der DM-Endrunde fällt nach den Regularien der Liga dem Viertplatzierten der Südstaffel, dem SV Tannheim, zu. „Das Team hat telefonisch bereits signalisiert, einspringen zu wollen“, sagt Ebersold. Genau das Team, das wegen des Taktierens der Eibacherinnen vor genau einem Jahr um die Heim-DM gebracht worden war. Damals hatten der TVE und der TSV Calw – so wurde zumindest unterstellt – dem TV Obernhausen am letzten Saisonspieltag in der Südstaffel zwei Siege geschenkt, so dass der in der Tabelle noch an Tannheim vorbeigezogen ist. Da der SVT seinerseits zwei Mal verloren hatte, wurde er nur Vorletzter und stieg ab. Nach den damaligen Regularien durfte ein Team, das auf einem Abstiegsplatz stand aber nicht an der DM teilnehmen. „Das haben wir in der Zwischenzeit geändert. Nun heißt es, wer in der 1. Bundesliga spielt, darf die nationalen Titelkämpfe ausrichten, auch wenn er danach absteigt“, berichtet Beckmann.

Welche Auswirkungen die Disqualifikation von Eibach, Stammheim und Landshut auf den gesamten Spielbetrieb in der Hallensaison 2019/2020 haben wird, ist dagegen noch offen. „Das ist der zweite Schritt, der nun erst bearbeitet werden wird“, berichtet Beckmann. Die Faustballerinnen des TV Vaihingen werden sich also erst einmal weiter in Geduld üben müssen, ob der dritte Platz bei den Aufstiegsspielen in die 2. Bundesliga Süd tatsächlich noch das Ticket in die zweithöchste Klasse im deutschen Frauenfaustball bedeutet.

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