DFBL spielt weiter auf Zeit

TVV-Faustballtrainer Markus Knodel und Carsten Reitschuster kritisieren Vorgehen des Präsidiums des Bundesverbands scharf, eine endgültige Entscheidung über die Feldsaison erst am 22. Juni treffen zu wollen. Statt des angedachten Spielbetriebs in der 1. und 2. Bundesliga befürworten sie sowieso eher Turniere in der Region.

Von Michael Nachreiner Erstellt: 28. Mai 2020
DFBL spielt weiter auf Zeit Die Faustballerinnen des TV Vaihingen um ihr Trainerduo Christina Koch und Carsten Reitschuster (oben von links) sowie die TVV-Faustballer um Trainer Markus Knodel (unten Zweiter von rechts) wissen frühestens am 22. Juni, ob eine Feldsaison gespielt wird oder nicht. Fotos: Nachreiner

Brettorf/Vaihingen. Die Feldsaison komplett absagen oder nicht? Mit dieser Frage hat sich das Präsidium der Deutschen Faustball-Liga (DFBL) Anfang der Woche in einer Telefonkonferenz befasst. Doch zu einem Ergebnis sind die Verantwortlichen nicht gekommen. Sie spielen weiter auf Zeit und haben mit großer Mehrheit eine Entscheidung auf den 22. Juni verschoben.

Angedacht ist immer noch, dass die 1. Bundesliga in zwei Spieltagen am ersten und dritten August-Wochenende die DM-Teilnehmer ausspielt, wobei schon nach dem ersten Spieltag jeweils zwei Teams in der Nord- und in der Südstaffel aus dem Rennen um ein Ticket für die nationalen Titelkämpfe ausscheiden. Der Deutsche Meister soll dann am ersten September-Wochenende ausgespielt werden. Absteiger gibt es aber keine. Die 2. Bundesliga soll ebenfalls an zwei Spieltagen Ende August und Mitte September ein Klassement ermitteln. Auf- und Absteiger soll es ebenfalls keine geben. Für beide Ligen gilt darüber hinaus, dass eine Teilnahme am Spielbetrieb nicht verpflichtend ist.

Damit hängen die Zweitligafaustballer und die -faustballerinnen des TV Vaihingen weiter in der Luft. Alle anderen baden-württembergischen Mannschaften, die nicht in der 1. oder 2. Bundesliga aktiv sind, haben dagegen mehr oder weniger Planungssicherheit. Denn alle Wettbewerbe auf Verbandsebene wurden von den Verantwortlichen des Schwäbischen Turner-Bunds (STB) bereits abgesagt.

„Ich finde dieses Vorgehen der DFBL-Verantwortlichen lächerlich. Sie haben wohl Angst, eine Entscheidung zu treffen, und eiern nur rum“, findet Markus Knodel, Trainer der TVV-Zweitligafaustballer, klare Worte. „Ich weiß nicht, warum das DFBL-Präsidium unbedingt einen Deutschen Meister küren will. International sind alle Wettbewerbe abgesagt. Damit könnte man die Teilnehmer zum Beispiel für den Europapokal auch über die Platzierung der Feldsaison 2019 ermitteln.“ Noch katastrophaler sieht er das Vorgehen der Funktionäre in Bezug auf den Spielbetrieb der 2. Bundesliga aus. „Es soll keine Auf- und Absteiger geben. Es macht also überhaupt keinen Sinn, etwas auszurichten, was nichts zählt“, echauffiert sich Knodel. „Und dann stellt sich noch die Frage nach dem sportlichen Wert. Wenn die beiden Spieltage zum Beispiel in Kubschütz und Rosenheim angesetzt sind, habe ich einen hohen Aufwand allein für die Fahrt. Ich kann mir vorstellen, dass die eine oder andere Mannschaft dann nur mit einem Rumpfteam antritt.“

Größter Kritikpunkt: Es gibt noch kein Hygienekonzept für Spieltage

Das sieht auch Carsten Reitschuster ähnlich. „Die Frage nach der Sinnhaftigkeit einer solchen Runde stellt sich wirklich“, berichtet der Trainer der TVV-Zweitligafaustballerinnen. „Unter diesen Bedingungen ist es schwierig, so einen Spielbetrieb als Wettkampf zu verkaufen.“ Mit den DFBL-Verantwortlichen geht er auch etwas gnädiger ins Gericht. Reitschuster: „Auf der einen Seite fände ich es auch gut, wenn jetzt Fakten geschaffen werden, dass in der Feldsaison nichts geht. Ich sehe zum Beispiel nicht, dass im August Spieltage oder ein DM-Turnier ausgetragen werden können. Denn solche Veranstaltungen leben vor allem auch von den Zuschauern. Außerdem wäre es unverantwortlich, wenn Corona-Infektionen auf so ein Turnier zurückzuführen wären“, erklärt der Trainer der TVV-Zweitligafaustballerinnen. „Andererseits bin ich ein Fan davon, dass man eine Saison noch hinbekommt.“

Der größte Kritikpunkt bezieht sich aber auf ein konkretes Konzept, wie der Spielbetrieb absolviert werden kann. „Die DFBL-Verantwortlichen haben noch keine Vorschläge oder ein Hygienekonzept erarbeitet, wie so ein Spieltag aussehen soll“, ärgert sich Knodel. „Ich habe keine Ahnung, wie sie sich vorstellen, dass man allein die Abstandsregeln einhalten soll. Und wenn etwas passiert, ist der Verein verantwortlich. Es heißt dann nicht, Mannschaft xy, warum habt ihr teilgenommen, sondern TV Vaihingen, warum hast du das zugelassen.“

Von TVV-Trainern werden regionale Turniere bevorzugt

Statt des Spielbetriebs in der 2. Bundesliga sprechen sich Knodel und Reitschuster eher für Turniere in der Region aus. „Es geht ja nur darum, dass die Spieler am Ball bleiben“, erklärt Frauentrainer Reitschuster. „Doch die Spieltage, wie sie von der DFBL angedacht sind, sind nicht im Sinn von Spielt-doch-einfach-mal.“ Viel besser wären selbstorganisierte Turnier in der Region. „Wenn wir spielen wollen, können wir das als Verein schon selbst auf die Beine stellen. Dazu brauchen wir keinen DFBL-Spielbetrieb. Wir haben selbst genügend Verbindungen zu den anderen Vereinen“, berichtet der TVV-Übungsleiter. Und sein Kollege aus dem Männerbereich, Knodel, ergänzt: „Ich würde zum Beispiel lieber nach Calw oder Stammheim fahren und dort gegen die Teams antreten, die auch wirklich Lust haben zu spielen.“

Der Faustball-Landesverband unter dem Dach des Schwäbischen Turner-Bunds (STB) ist da schon einen Schritt weiter. Die Funktionäre haben schon vor geraumer Zeit die Feldsaison 2020 komplett abgesagt. „Wir haben in den Landesverbänden ein ganz anderes Problem. Wir hätten mit unserem Spielbetrieb bis Anfang Juli fertig sein müssen, weil danach die weiterführenden Meisterschaften wie die Regionaltitelkämpfe und die Aufstiegsspiele stattfinden“, berichtet Knodel, der als Landesjugendfachwart auch in die Entscheidungen im STB-Präsidium eingebunden ist. „Diesen Termin einzuhalten war in diesem Jahr aber utopisch. Es war frühzeitig absehbar, dass die Beschränkungen nicht vor dem 15. Juni gelockert werden. Außerdem wollten wir den Vereinen Planungssicherheit geben. Dann können die jeweiligen Trainer die Gestaltung der Einheiten ganz anders machen. Statt Kondition zu bolzen können sie dann auch viel einbauen, was Spaß macht, damit die Jungs und Mädels bei der Stange bleiben.“

 

INFO

Idee von offenen Regionaltitelkämpfen

Auch für die Nachwuchs- und Seniorenmannschaften ist die Feldsaison noch nicht endgültig abgesagt. Im Präsidium der Deutschen Faustball-Liga (DFBL) besteht immer noch die Hoffnung, dass weiterführende Titelkämpfe wie die Regional- und die deutschen Meisterschaften ausgespielt werden können. An diesen Turnieren sollen alle Mannschaften teilnehmen können, auch wenn es in ihrem jeweiligen Landesverband keinen Spielbetrieb gegeben hat – so wie beispielsweise auch im Bereich des Schwäbischen Turner-Bunds (STB). Als möglicher Termin für offene Regionalmeisterschaften für alle Klassen haben die DFBL-Funktionäre das Wochenende, 22. und 23. August, ins Auge gefasst.

Möglich sei laut Präsidium aber auch, dass die nationalen Titelkämpfe ohne vorherige Landes- und Regionalmeisterschaften durchgeführt werden. „Davon halte ich nichts“, kritisiert Markus Knodel, Trainer der U-18-Faustballer des TV Vaihingen. „Es wäre natürlich hart für die Jungs und Mädels, wenn in der Feldsaison 2020 keinen Deutschen Meister ermittelt wird. Aber was wären das für Titelkämpfe, wenn vielleicht nicht die besten Teams Deutschlands daran teilnehmen?“ Und Carsten Reitschuster, Jugendtrainer im weiblichen Bereich beim TV Vaihingen, ergänzt: „Keine Mannschaft wird wirklich eine Vorbereitung machen können. Wir haben zwar den Trainingsbetrieb beim TVV wieder aufgenommen. Aber den Begriff muss man eigentlich in Anführungszeichen setzen. Und wenn ich nie beispielsweise Vollgashechts im Training ausführen kann, wie soll es dann im Wettkampf funktionieren?“

In der U 12 wird es auf jeden Fall keinen Deutschen Meister im Feld geben – das steht bereits fest. Der TSV Gnutz hatte die Ausrichtung bereits im vergangenen Monat aufgrund der aktuellen Situation zurückgegeben. Denkbar ist, dass eine Hallen-Ersatzmeisterschaft im Februar in Leipzig stattfindet, heißt es aus dem DFBL-Üräsidium. Ebenfalls abgesagt ist der Deutschlandpokal. Und der Jugend-Europapokal in Burghausen wird um ein Jahr auf Anfang Oktober 2021 verschoben. (nac)

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