Alle Trümpfe liegen nun bei den Vaihingern

TVV-Faustballer haben nach Abschluss der Hinrunde mindestens vier Punkte Vorsprung auf die Kontrahenten um DM-Ticket

Von Michael Nachreiner Erstellt: 10. Dezember 2018
Alle Trümpfe liegen nun bei den Vaihingern Die Freude muss raus: TVV-Abwehrspieler Daniel Wörsinger lässt seinen Gefühlen nach dem hauchdünnen 5:4-Sieg gegen den TV Schweinfurt-Oberndorf lautstark seinen Lauf. Foto: Nachreiner

Ist das die Vorentscheidung im Kampf um eines der DM-Tickets in der 1. Faustball-Bundesliga Süd gewesen? Zumindest machte der TV Vaihingen einen Riesenschritt in Richtung der Endrunde. Er besiegte den wahrscheinlich stärksten Kontrahenten um diese Fahrkarte, den TV Schweinfurt-Oberndorf, mit 5:4 (11:8, 5:11, 11:1, 6:11, 11:4, 7:11, 11:6, 10:12 und 11:8). Einen Tag darauf holten die Vaihinger ein 5:0 (11:4, 11:8, 11:9, 11:6 und 11:5) in Waldrennach.

Vaihingen. Das waren ganze Felsbrocken, die den Faustballern des TV Vaihingen nach dem verwandelten Matchball gegen den TV Schweinfurt-Oberndorf vom Herzen fielen. Michael Krauß sank auf die Knie mit den Armen zum Himmel gereckt, die Fäuste geballt. Daniel Wörsinger schrie seine Freude in die Halle. Kurz danach kamen die sechs Vaihinger zusammen und vollführten ein Siegertänzchen. „Nach dem achten Satz habe ich eigentlich nicht mehr daran geglaubt, dass wir das Spiel gewinnen – vor allem, da wir im entscheidenden Durchgang eine 6:4-Führung zum Seitenwechsel gleich verspielt haben und mit 6:7 in Rückstand geraten sind“, berichtet TVV-Spielertrainer Kolja Meyer. „Aber die Kulisse hat geholfen. Es hilft einfach, wenn man das Publikum hinter sich hat und es sich auch bemerkbar macht.“

So wie Meyer ging es wahrscheinlich vielen in der Sporthalle am Alten Postweg. 10:6 bei 4:3-Satz-Führung lagen die Vaihinger im achten Durchgang vorne. Die ersten beiden Matchbälle wehrte Nicolas Bitsch ab, der den beruflich verhinderten Oberndorfer Hauptangreifer Oliver Bauer mehr als würdig vertrat. „Er stand Oliver Bauer nicht viel nach. Er hat stark abgewehrt – vielleicht sogar besser, als es Olli könnte“, zollt Meyer dem TVO-Angreifer Respekt, der in Unterfranken hauptsächlich in der zweiten Mannschaft zum Einsatz kommt. Beim Stand von 10:8 geriet dann ein Zuspiel der Gäste zu lang. Doch statt den Ball einfach im eigenen Feld aufspringen zu lassen, schmetterte Michael Krauß den Ball zurück, schlug dabei aber in die Leine. Es folgten zwei Ausangaben des TVV-Zweitschlagmanns. Bitsch nutzte dann den ersten Oberndorfer Satzball zum 12:10.

Den Schock steckten die Vaihinger aber zunächst gut weg. Ein Block von Meyer gegen Fabian Sagstetter, ein Punkt von Krauß und ein Angabenfehler von Sagstetter brachten die Gastgeber schnell mit 3:0 in Führung. Doch Bitsch und Sagstetter konterten zum 4:3. Mit einem Kraftakt wechselten die Vaihinger dennoch mit 6:4 die Seiten – auf die Spielhälfte, auf der sie die Wand auf der rechten Seite hatten. Denn bemerkenswerter Weise hatte bis dahin keine Mannschaft einen Durchgang für sich entschieden, die auf dieser Spielfeldhälfte stand. „Wenn wir die Wand rechts hatten, hat sich Micha mit den Angaben an Fabian Sagstetter die Zähne ausgebissen. Das sah jedes Mal aus, als hätte Micha den Ball nur eingeworfen. Dabei waren es geile Angaben“, erklärt Meyer. Und Sagstetter ergänzt: „Hätte Micha die Angaben auf diese Seite konstanter gebracht, wäre es nicht so ausgegangen. Aber generell ist es in dieser Halle einfacher, Angaben abzuwehren.“

Nach dem Seitenwechsel im neunten Satz nutzten dies die Oberndorfer sofort auf und gingen ihrerseits mit 7:6 in Führung. Zwei Ballwechsel später waren sie mit 8:7 immer noch im Vorteil. Doch dann schlug Sagstetter eine Angabe in die Leine. Wenig später hatte der TVV seinen insgesamt vierten Matchball, als Meyer einen Schmetterschlag Maximilian Lutz direkt vor die Füße servierte, so dass der Oberndorfer den Ball nur so abwehrte, dass ihn keiner mehr erreichte. Meyer machte dann auch den Sack zu. Zwar traf er im folgenden Angriff nur den Block von Bitsch. Doch vom Arm des TVO-Angreifers sprang der Ball ins Aus.

Schon in den sieben Sätzen davor hielt die Partie, was sie versprochen hatte. Beide Abwehrreihen gaben keinen Ball verloren. Auf Oberndorfer Seite stach neben Sagstetter vor allem Jaro Jungclaussen. „Ihn habe ich noch nie so gut gesehen. Was er abgegrast hat, war phänomenal“, lobt Meyer den Mittespieler des TVO. In der Regel hatten die Vaihinger einen Vorteil im Angriff. „Was uns zugutekam, war, dass Nicolas Bitsch nicht so gut im Block ist. Dadurch konnten wir den Ball näher an die Leine spielen und so den Winkel verändern, dass wir stärker prellen konnten“, berichtet TVV-Spielertrainer Meyer.

Die Oberndorfer konterten immer wieder mit Raffinesse. Vor allem Sagstetter als Zweitschläger düpierte die Vaihinger ein ums andere Mal, weil er TVV-Abwehrspieler mit einer Körpertäuschung in die Irre schickte oder weil er überraschende Schläge auspackte. So übertölpete er die Abwehr der Gastgeber, indem er abgeblockte Schmetterbälle gegen die aufgerückten Vaihinger direkt versenkte. Meyer: „Es ist Wahnsinn, was er schlägt. Ich habe den Ball in den Block geschlagen. Fabi schafft es, im Sprung zu schauen, wo die Lücken sind und diese direkt zu treffen. Andere würden sich dabei wahrscheinlich was brechen.“

So nerven- und kräfteraubend die Partie auch gewesen war, die Vaihinger präsentierten sich auch am nächsten Tag in guter Form. Ein Spaziergang wurde es aber nicht. „Waldrennach ist keine Gurkentruppe. Jeremy Wuhrer schlägt ganz unangenehme Angaben“, erklärt Meyer. Der Start gelang aber. Die Vaihinger lagen schnell mit 5:0 vorne und brachten Christopher Jess für Daniel Wörsinger. „Das hat auch gut funktioniert“, berichtet Meyer. „Wir dachten, so würde es nach dem 11:4 auch weitergehen. Doch vor allem die vier aus der Stammbesetzung spielten zu Beginn des zweiten Satzes nicht wirklich gut.“ Der TVV geriet mit 1:5 in Rückstand. Der TVV-Spielertrainer zog die Reißleine und wechselte Wörsinger wieder ein. Beim 5:5 war die Partie auch wieder ausgeglichen. Den Satz holten sich die Gäste souverän. Doch im dritten Durchgang wurde es zunächst noch schlimmer. Die Vaihinger lagen mit 3:8 zurück. Erst eine Auszeit brachte sie wieder in die Spur. „Es war nicht in meinem Sinn, dass wir in Bestbesetzung einen Satz verlieren. Wir wollten eigentlich Chrissy Jess und Tobias Knodel Spielzeit geben. Sie haben uns – wie auch die anderen Spieler aus der zweiten Reihe – schon viel geholfen. Allein schon dadurch, dass sie dabei waren“, berichtet Meyer. „So mussten wir noch mal glänzen, indem wir den Satz noch gedreht haben.“ Als der TVV auch im vierten Durchgang mit 9:5 führte, kam dann Tobias Knodel für Meyer. Und im fünften Durchgang durfte auch Jess noch einmal zeigen, dass er eine Option ist. Da waren die Waldrennacher aber auch nicht mehr in Bestbesetzung.

TV Vaihingen: Kolja Meyer, Michael Krauß, Marco Lochmahr, Daniel Wörsinger, Tobias Rommel, Jakob Mahn, Christopher Jess, Tobias Knodel.

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