„Wir werden nur das Geld ausgeben, das wir haben“

Die Bietigheim Steelers, die sportlich den Aufstieg in die DEL geschafft haben, rechnen mit einem Etat für das deutsche Oberhaus mit 3,3 Millionen Euro.

Erstellt: 27. Mai 2021
„Wir werden nur das Geld ausgeben, das wir haben“ In diesen Tagen werden Gespräche mit den Spielern der Meistermannschaft der Steelers geführt. „Der Kader wird sich verändern – ein paar Spieler werden bleiben, andere werden gehen“, war sich Playoffs-MVP Norman Hauner direkt nach dem Titelgewinn am Samstag in Kassel schon sicher. Abgänge stehen aber noch keine fest. Foto: Pix-Sportfotos

Bietigheim-Bissingen (ae). Die Playoff-Bärte sind abrasiert, die Meisterspieler der Bietigheim Steelers befinden sich in der Sommerpause. Bis zum Trainingsbeginn am 1. August können sie sich nun von den an den Kräften und den Nerven zehrenden Playoffs erholen. Und natürlich ihren großen Doppeltriumph genießen: den Titelgewinn in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) 2 und den Aufstieg ins Oberhaus. Auf das Management und das Trainerteam wartet dagegen noch viel Arbeit. Denn es geht darum, sich bestmöglich für die Premierensaison in der deutschen Eishockey-Eliteklasse zu wappnen.

Bereits am Dienstagnachmittag war für alle 15 Erstligisten der späteste Abgabetermin für die Lizenzunterlagen. Per Kurier ging der Antrag der Steelers fristgerecht nach Düsseldorf zum Wirtschaftsprüfer der DEL. Anfang Juli erhalten die Vereine dann von der Ligagesellschaft Bescheid. Der Saisonauftakt ist für den 9. September vorgesehen, die DEL 2 startet drei Wochen später in die Runde. Ihr Lizenzierungsverfahren beginnt erst Mitte Juni.

Der DEL-Neuling aus dem Ellental kalkuliert defensiv mit einem Gesamtetat von 3,3 Millionen Euro – eine Erhöhung um 20 Prozent gegenüber dem Budget aus der Zweitliga-Saison 2020/2021. Davon müssen alle Aufwendungen für den Profispielbetrieb gedeckt werden wie Gehälter, Wohnungen und Autos der Spieler, Ausrüstung und Mitarbeiter. „Wir sind der kleinste und der bescheidenste Standort der Liga“, weiß Geschäftsführer Volker Schoch. Zum Vergleich: Die Fischtown Pinguins aus Bremerhaven, bisher das Schlusslicht der Etat-Tabelle, hatten für die Saison 2019/2020 nach Schätzungen des Fachblatts „Eishockey-News“ etwa 4,9 Millionen Euro zur Verfügung, die Adler Mannheim und EHC Red Bull München standen mit 16 und 15,5 Millionen Euro an der Spitze. Allerdings dürften sich bei allen Clubs die Budgets in der Pandemie deutlich reduziert haben.

Erschwert wird die Finanz- und Kaderplanung durch die Corona-Situation. Wann wieder Fans zu den Spielen in die Arenen kommen dürfen und die Vereine Einkünfte aus Dauerkarten, VIP-Tickets und Tageskarten sowie dem Stadionbesuch generieren können, ist nach wie vor offen. Darum hatte die Liga von den Clubs auch eine Planung für eine weitere Spielzeit ganz ohne Zuschauer gefordert. Sponsoring, Liga-Marketing – etwa die Ausschüttung durch Penny als Namensgeber der DEL –, Merchandising, staatliche Zuschüsse und die 250 000 Euro für die Übertragungsrechte (Magenta-Sport) sind die einzigen Einkünfte, mit denen momentan kalkuliert werden kann. Der SCB hofft speziell auf höhere Erlöse aus dem Sponsoring. „Wir werden aber nur das Geld ausgeben, das wir haben“, bekräftigt Schoch.

Das wird sich auch im Aufgebot widerspiegeln. In der DEL darf zwar jeder Club elf Ausländerlizenzen vergeben, auf dem Eis sind bei den Partien jedoch neun Importspieler das Maximum (in der DEL 2 waren es vier). „Wir werden mit maximal sechs Ausländern in die Runde starten“, kündigt Steelers-Macher Schoch an. „Wenn wir die Kohle haben, können wir im Saisonverlauf immer noch nachlegen.“

Den Kampf um den Klassenerhalt soll größtenteils die Truppe aufnehmen, die am Samstagabend in Kassel den Aufstieg geschafft hat, ergänzt um punktuelle Verstärkungen. „Ich traue unserer Mannschaft viel zu. Wir haben gute deutsche Spieler im Kader, die auch in der DEL zu den stärksten Deutschen gehören werden“, sagt Schoch – und nimmt die Trainer Daniel Naud und Fabian Dahlem in die Pflicht: „Sie sind gefordert, künftig noch mehr aus dem Team herauszukitzeln.“

Vom gestrigen Mittwoch an führen die Verantwortlichen Gespräche mit dem bisherigen Personal – im Falle eines Trios aber nur virtuell per Videokonferenz. Denn die Nordamerikaner Riley Sheen, Evan Jasper und C.J. Stretch sind schon in ihre Heimat abgedüst. Abgänge stehen laut Schoch bisher noch keine fest – auch nicht der von Verteidiger Benjamin Hüfner, der mit dem Nord-Oberligisten Herner EV in Verbindung gebracht wird. Obendrein sind die Steelers aktuell auf der Suche nach einem Kooperationspartner für die DEL 2 und die Oberliga.

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