Tristesse und leere Kassen durch Geisterspiele

Bietigheim Steelers sehen sich aber nicht existenziell gefährdet.

Erstellt: 4. Januar 2022

Eishockey. Beim zweiten Heimspiel gegen die Mannheimer Adler in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) haben die Bietigheim Steelers auf Fans verzichten müssen. Wie sich deren Fehlen auf das Team und die Finanzen auswirkt, verraten Trainer Daniel Naud und Manager Volker Schoch.

Vor zwei Monaten war die Ege-Trans-Arena zum einzigen Mal in der laufenden DEL-Saison ausverkauft. 4517 Zuschauer verfolgten am 29. Oktober, wie der Aufsteiger Bietigheim Steelers dem Titelfavoriten Adler Mannheim Paroli bot und nur knapp mit 2:4 unterlag. Als es jetzt zur Neuauflage der Partie im Ellental kam – sogar mit dem besseren Ende für die Gastgeber, die mit 5:4 gewannen – mussten beide Mannschaften coronabedingt vor leeren Rängen spielen. Die Verantwortlichen erklären, welche finanziellen Einbußen mit den Geisterspielen verbunden sind und wie das Team mit der tristen Stimmung in der Halle umgeht.

An Geisterspiele relativ schnell gewöhnt.

„Wir sind natürlich traurig, dass wir nicht vor Zuschauern spielen dürfen, denn unser Sport lebt von Emotionen. Nach ein paar Geisterspielen hat sich jeder aber wieder an die Situation gewöhnt“, sagt Steelers-Trainer Naud. Die Motivation der Mannschaft sei bei Duellen ohne Publikum genauso groß wie mit Fans im Rücken – erst recht, wenn es gegen so renommierte Gegner wie die Adler Mannheim gehe. „Jedes DEL-Spiel ist für uns eine Herausforderung. Außerdem sind wir alle Sportler, die immer gewinnen wollen, selbst im Training“, sagt Naud und berichtet schmunzelnd von Trainingsspielen, bei denen das Verliererteam eine Extrarunde laufen muss.

Geschäftsführer Schoch sieht die Lage pragmatisch: „Die Spieler müssen den Fokus aufs Sportliche und den Klassenerhalt legen. Sie haben den Auftrag, gutes Eishockey zu spielen, ob mit oder ohne Zuschauer. Nur dafür werden sie bezahlt.“ Er rechnet damit, dass nach der Olympia-Pause (1. bis 24. Februar) die Zeit der Einschränkungen vorbei ist und wieder viele Besucher in die Arenen strömen dürfen.

Ob der Heimvorteil durch den Ausschluss der Anhänger komplett wegfällt, will Coach Naud erst am Ende der Saison beim Studium der Heim- und Auswärtstabelle beurteilen. Einen gewissen Einfluss sieht er bei den Unparteiischen. „Die Schiedsrichter können bei Geisterspielen sachlich und unbeeinflusst pfeifen, ohne den Druck durch die Zuschauer zu spüren. Das macht den Job für sie einfacher“, sagt der 59-jährige Kanadier und gibt ein Beispiel: „Wenn im vollen Stadion bei einer strittigen Situation 5000 Fans gleichzeitig schreien, entscheiden die Referees auch mal anders als bei einem Spiel ohne Publikum – das ist menschlich.“

Enorme finanzielle Einbußen für Vereine.

Auf etwa 70 000 Euro beziffert Schoch die Einbußen im Vergleich zu einem ausverkauften Heimspiel, wie es nun gegen Mannheim wieder zu erwarten gewesen wäre. Bei einer geringen Zuschauerresonanz seien es immer noch ungefähr 30 000 Euro. Der Löwenanteil geht dem Verein dabei durch nicht abgesetzte Tagestickets flöten. Zieht man die 1300 Dauerkarten ab, landen 3200 Tickets im Verkauf. Bei einem angenommenen Durchschnittspreis von 20 Euro macht dies bei Vollauslastung schon allein 64 000 Euro. Bei einem Topspiel kann der Club obendrein mit Einnahmen von 5000 Euro aus dem Fanshop und einem Umsatzanteil von 8000 Euro aus dem Catering rechnen. Umgekehrt sind bei einer ausverkauften Begegnung auch die Ausgaben höher, zum Beispiel für den VIP-Bereich oder den Sicherheitsdienst. Bei Partien mit Publikum kommen Schoch zufolge pro Spieltag 8000 bis 10 000 Euro Fixkosten zusammen. Doch auch bei Geisterspielen schlägt hier eine Summe von circa 6000 Euro zu Buche – etwa für Hallenmiete, Schiedsrichter, Regie, Security und Verpflegung des Teams.

Coronahilfen für den deutschen Profisport sollten zum Jahresende auslaufen. Bis zu 1,8 Millionen Euro konnte ein Club aus dem Topf erhalten. Die Steelers haben den Maximalbetrag bereits ausgeschöpft. „Im Moment haben wir keinen Zugriff auf Fördermittel“, sagt Schoch, der aber trotz der angespannten Finanzlage beruhigt: „Wir haben konservativ geplant und sind nicht existenziell gefährdet.“ ae

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