Steelers erspielen sich drei Matchpunkte

Bietigheim gewinnt nach dem 4:2-Heimsieg zum Auftakt der Best-of-Five-Viertelfinalserie gegen die Löwen Frankfurt auch Spiel zwei am Main mit 4:0. Ein weiterer Erfolg in einem der maximal noch drei stattfindenden Partien, und die Naud-Truppe steht in der Vorschlussrunde.

Erstellt: 27. April 2021
Steelers erspielen sich drei Matchpunkte Yannick Wenzel (rechts) feierte einen perfekten Wiedereinstieg nach auskuriertem Fingerbruch: Er erzielte in Duell eins der Serie die 1:0-Führung für die Bietigheim Steelers. Foto: Baumann

Bietigheim-Bissingen/Frankfurt (ae). Die Bietigheim Steelers trennt nur noch ein Schritt vom Einzug ins Playoff-Halbfinale der Deutschen Eishockey Liga (DEL) 2. Nachdem sie am Freitagabend den Auftakt der Best-of-Five-Serie im Viertelfinale gegen die Löwen Frankfurt mit 4:2 gewonnen hatten, setzten sie sich am Sonntag auch in der Mainmetropole mit 4:0 durch. Zwei Powerplay-Treffer von Topscorer Riley Sheen und der erneut hervorragend aufgelegte Torhüter Jimmy Hertel waren in Frankfurt die Erfolgsgaranten. Bei einem weiteren Sieg am heutigen Dienstag (19.30 Uhr) hätte das Team aus dem Ellental den hessischen Aufstiegsrivalen vorzeitig aus dem Weg gefegt – mit einem „Sweep“, wie es im Fachjargon heißt. „Das letzte Spiel einer Serie zu gewinnen, ist immer am schwersten. Wir müssen die Füße auf dem Boden halten und weiter hart arbeiten“, sagte SCB-Trainer Daniel Naud.

Dass seine Steelers mehr Spielernamen in der Aufstellung stehen haben als der Gegner, kam in den vergangenen Wochen und Monaten selten vor. Doch ausgerechnet in den Playoffs können die Bietigheimer nun mit voller Kapelle und allen 19 Feldspielern antreten. Gegenüber dem Auftaktduell am Freitag im Ellental kehrte zu Spiel zwei das Stürmer-Trio Matt McKnight, Norman Hauner und Robin Just ins Aufgebot zurück. Leon Doubrawa nahm derweil den Platz als Torhüter-Backup für den angeschlagenen Cody Brenner ein – alle vier waren zuletzt an Corona erkrankt. Pünktlich zum Viertelfinale hatten sich zuvor bereits Tim Schüle, Benjamin Zientek und Yannick Wenzel nach ihren Blessuren zurückgemeldet. Im Frankfurter 19-Mann-Kader fehlten am Sonntag hingegen der kanadische Topverteidiger Kyle Wood und Offensivtalent Mike Fischer, die sich im hart geführten ersten Kräftemessen verletzt hatten.

Intensiv und körperbetont ging es auch beim erneuten Wiedersehen zwischen beiden Mannschaften am Main zur Sache. Ein Beispiel war die Szene in der Anfangsphase, als Löwen-Verteidiger Marius Erk den schmächtigen Evan Jasper schulterte, dann mit dem Kanadier am Boden rang und den weglaufenden Gegenspieler schubste – in der Hoffnung, dass sich der auf einen (ungleichen) Kampf einließ, was Jasper aber nicht tat. Dennoch musste neben Provokateur Erk auch der Bietigheimer Stürmer auf die Strafbank, was jener mit einem wütenden Zuschlagen der Strafbank-Tür quittierte.

Zu diesem Zeitpunkt lagen die Schwaben bereits mit 1:0 in Front. In der 3. Minute nutzte der SCB sein erstes Powerplay: Statt es selbst zu versuchen, bediente Schüle den noch besser postierten Sheen mit einem Querpass – und der 26-jährige Kanadier versenkte die Scheibe im linken Toreck. Dabei profitierte Sheen davon, dass Brett Breitkreuz seinem früheren Mitspieler Patrick Klein im Frankfurter Kasten die Sicht genommen hatte.

Das Bietigheimer 2:0 im Mitteldrittel fiel nach demselben Schema und wieder in Überzahl. Diesmal bewies McKnight mit seinem Zuspiel ein gutes Auge, und Sheen traf per Direktabnahme ins kurze Eck. Klein war zwar noch mit dem Oberarm an der Scheibe, konnte den Einschlag aber nicht mehr verhindern (26. Minute). Für der Torschützen war es bereits der vierte Treffer in der laufenden Serie.

Die Steelers zeigten auch danach das abgeklärtere Spiel und hatten die besseren Chancen. Die Löwen wirkten dagegen seltsam gehemmt und ein Stück weit auch ideenlos gegen die kompakte und aufmerksame Gästeabwehr – und dahinter hielt Hertel zwischen den Pfosten den Laden dicht. Ausgerechnet der bis dahin überragende Schlussmann konnte im dritten Durchgang wegen einer Verletzung aber nicht mehr mitwirken. Für ihn kam der 19-jährige Doubrawa, der gerade mal sieben Einsätze in der Hauptrunde hatte, zu seinem Playoff-Debüt.

Nachdem Rückkehrer Hauner eine weitere Riesenchance vergeben hatte, wurde der Druck der Hessen immer größer. Doch wie gehabt stand die Deckung der Gäste wie eine Eins – und Doubrawa machte nahtlos da weiter, wo sein Vorgänger Hertel aufgehört hatte, und entschärfte alles, was auf sein Tor kam. Nachdem die Löwen bereits fünf Minuten vor Spielende den Goalie herausgenommen hatten, traf Hauner sogar noch zum 3:0 in den leeren Kasten (56.). Den Schlusspunkt setzte C.J. Stretch in doppelter Überzahl (59.).

„Der Unterschied waren die Powerplays. Wir haben in Überzahl drei Tore geschossen und in Unterzahl auch gut verteidigt“, analysierte Naud nach der Partie. Und sein Gegenüber Franz-David Fritzmeier ergänzt: „Wir haben alles gegeben und hatten viele Möglichkeiten, um das Spiel auf unsere Seite zu ziehen, aber wir haben halt die Tore nicht gemacht. Wenn du kein Tor schießt, ist es schwer, zu gewinnen. Jetzt haben wir am Dienstag ein Do-or-Die-Spiel. Wir müssen in Bietigheim liefern. Beide Duelle waren bisher sehr eng und hätten auch in die andere Richtung gehen können. Ich bin sehr guter Hoffnung, dass wir das dritte Spiel gewinnen und wir uns am Donnerstag noch mal in Frankfurt sehen.“

Bereits zwei Tage zuvor hatten die Steelers die Löwen mit 4:2 bezwungen. Die Bietigheimer machten dabei ihre personellen Nachteile mit viel Einsatz, Motivation und einer klugen Spielweise wett. Denn es fehlten jene vier Akteure, die nach dem Derby an Karsamstag in Heilbronn positiv auf Corona getestet worden waren und aktuell noch – wie von der Liga vorgeschrieben – das Rückkehr-Protokoll „Return to Play“ absolvieren: die Stürmer McKnight, Hauner und Just sowie Goalie Doubrawa. Wie groß dieser Substanzverlust in der Offensive eigentlich ist, zeigt ein Blick auf die interne Statistik: McKnight war in der Hauptrunde mit 56 Punkten der zweitbeste Steelers-Scorer, Hauner mit 50 der drittbeste.

Obwohl es in den 60 Minuten insgesamt nur eine Strafzeit gab (gegen Frankfurt), lieferten sich die Kontrahenten von der ersten Sekunde an ein intensives und körperbetontes Duell. Die Checks waren zwar hart, blieben aber fast immer im Rahmen des Erlaubten – offenbar hatten auch die Schiedsrichter verinnerlicht, dass Spieler in den Playoffs eben noch mal einen Tick aggressiver zur Sache gehen. So wie zum Beispiel Nikolai Goc in der Anfangsphase: Bietigheims Kapitän fegte mit einem beherzten Check Mike Fischer von den Beinen, was die Referees bei der nächsten Unterbrechung deutlich hörbar mit „Schulter an Schulter“ kommentierten. Der Frankfurter Stürmer musste daraufhin vom Eis und in der Kabine behandelt werden.

Die Steelers überließen den Gästen zunächst die Initiative und versuchten mit wohl dosierten Blitzangriffen zum Erfolg zu kommen. Doch das Löwen-Rudel ließ sich nicht zu weit herauslocken und dachte stets an seine Absicherung. Die größte Rettungstat vollbrachte SCB-Schlussmann Hertel, als er eine Riesenchance des gebürtigen Bietigheimers Darren Mieszkowski vereitelte (14.). Das Tempo war hoch, die Zahl der Torszenen aber überschaubar.

Im Mitteldrittel gaben die Teams ihre anfängliche Zurückhaltung endgültig auf, die ohnehin schon rasante Begegnung nahm weiter Fahrt auf. Das erste Tor der Serie gelang den Schwaben: Nachdem ein Schuss von Schüle im Getümmel noch abgeblockt worden war, traf Yannick Wenzel aus spitzem Winkel und im Fallen zum 1:0 (27.) – ein perfekter Wiedereinstand für den 22-jährigen Rechtsschützen, der mit einem gebrochenen Finger wochenlang ausgefallen war und zuletzt am 8. März bei einem DEL-2-Spiel mitgewirkt hatte.

Die Löwen brauchten nur 80 Sekunden, um zurückzubeißen. Nach einem Querpass tauchte Carter Proft frei vor Hertel auf und ließ diesem keine Abwehrchance – 1:1 (28.). Wie gnadenlos Fehler bestraft werden – gerade gegen eine Mannschaft wie die Steelers, die im Umschaltspiel brandgefährlich sind –, erfuhren die Hessen in der 31. Minute: Nach einem Frankfurter Scheibenverlust eilten Stretch und Sheen dem Gästekeeper Klein zu zweit entgegen. Der kanadische Wirbelwind bewies seinen Killerinstinkt und vollstreckte zum 2:1. Auch das 3:1 ging auf das Konto von Sheen. Diesmal fädelte das Naud-Team geduldig aus der eigenen Abwehr heraus einen Angriff ein und ließ den Puck so lange in den eigenen Reihen zirkulieren, bis der Topscorer frei war (38.). Die Hausherren hatten mit viel Cleverness und Engagement im Duell zweier gleichwertiger Teams einen klaren Vorteil herausgeschossen.

Im Schlussdrittel rannten die Löwen mit Wut im Bauch noch mal an. Drei Minuten vor Schluss nahm Frankfurts Coach Fritzmeier noch eine Auszeit. Der für Torhüter Klein eingewechselte sechste Feldspieler Luis Schinko verkürzte 89 Sekunden vor Schluss noch auf 2:3, ehe Schüle in der letzten Spielminute mit einem Schuss ins leere Gehäuse das 4:2 für die Steelers besorgte.

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