Steelers behalten im Derby die Oberhand

Bietigheim gewinnt ein hochklassiges DEL-2-Duell in Heilbronn mit 6:5. Das Heimspiel gegen Kassel am Ostermontag ist verlegt, da das Naud-Team wie auch die Unterländer in Quarantäne sind, nachdem ein Falken-Teammitglied positiv auf Covid 19 getestet wurde.

Von Michael Nachreiner Erstellt: 4. April 2021
Steelers behalten im Derby die Oberhand Josh Nicholls (links) und die Heilbronner Falken sowie Nikolai Goc (rechts) und die Bietigheim Steelers haben sich im letzten Hauptrundenderby der aktuellen DEL-2-Saison keinen Zentimeter geschenkt. Foto: Archiv/Baumann

Bietigheim-Bissingen. Die Bietigheim Steelers sind in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) 2 weiter auf Kurs Home-Ice, also Heimrecht, in der ersten Playoffrunde. In einem mitreißenden Derby bei den Heilbronner Falken setzte sich die Mannschaft von Trainer Daniel Naud am Samstagabend mit 6:5 durch und beendeten damit die Siegesserie der Unterländer von sieben Erfolgen hintereinander, was Falken-Trainer Bill Stewart die ornesröte ins Gesicht trieb: „Das war ein Ostergeschenk. Fünf Treffer sind eigentlich ausreichend, um ein Spiel für sich zu entscheiden. Wir spielten ohne Puck nicht so, wie wir das vorhatten. Und wir haben nicht auf die Details geachtet. Sechs Gegentore sind einfach nur ein Witz.“

Ganz anders die Gemütslage bei seinem Gegenüber Naud. „Wir wussten, dass wir ein richtig gutes Spiel brauchten, wenn wir hier heute gewinnen wollten. Das haben wir geliefert“, berichtet der Steelers-Übungsleiter. „Als die Heilbronner den Rückstand aufgeholt haben und dann in Führung gegangen sind, hat uns beinahe das Spiel gekostet. Wenn sie mit ihrem Selbstvertrauen so weitergespielt hätten, hätten wir Probleme bekommen. Aber im letzten Drittel waren wir wieder fokussiert. Jimmy Hertel hat uns mit einigen Paraden aber auch den Sieg gerettet.“

Steelers haben sich vorsorglich in Quarantäne begeben

Die Freude über den Derbysieg blieb den Bietigheimern aber an Ostersonntag direkt im Hals stecken. Ein Teammitglied der Heilbronner Falken wies am Morgen nach der DEL-2-Partie erhöhte Temperatur auf. Ein Schnelltest ergab einen positiven Befund. Daraufhin wurden alle Teammitglieder getestet und vorsorglich in häusliche Quarantäne geschickt, bis PCR-Tests Klarheit über das weitere Vorgehen geben. Vorsorglich begaben sich auch die Bietigheimer in Quarantäne und werden am heutigen Dienstag PCR-Tests durchführen lassen. Das Heimspiel von Ostermontag gegen die Kassel Huskies wurde in Absprache mit beiden Teams auf Dienstag, 13. April, 19.30 Uhr, verlegt.
Die Anfangsphase des Derbys in der Heilbronner Kolbenschmidt-Arena gehörte den Gastgebern. Die Falken nutzten direkt das erste Powerplay zum 1:0. Evan Jasper saß gerade 25 Sekunden auf dem Sünderbänkchen, da überwand Heilbronns Topscorer Dylan Wruck Hertel mit einem Schuss ins lange Eck, nachdem Stefan Della Rovere dem Steelers-Goalie die Sicht genommen hatte (4. Minute).

Alexander Preibisch hätte aber rund 90 Sekunden darauf beinahe den Ausgleich erzielt. In erneuter Unterzahl – schon vor Wrucks Treffer wurde eine weitere Strafe gegen Robin Just angezeigt – lief der Flügelflitzer allen davon, scheiterte aber an Falken-Goalie Florian Mnich. Hätte der Bietigheimer Stürmer getroffen, wäre es bereits sein siebtes Unterzahltor in dieser Saison gewesen.

Der Ausgleich gelang den Steelers dann in der 14. Minute. Riley Sheen fing einen Querpass von Philipp Preto an der eigenen blauen Linie davon und konnte nur noch mit unfairen Mitteln am Abschluss gehindert werden. Den fälligen Penalty verwandelte der Bietigheimer Topscorer souverän. Die Partie blieb aber ein Duell auf Augenhöhe, wobei die Heilbronner die etwas besseren Chancen hatten. Das Tor erzielten aber die Steelers. In der 18. Minute strich Sheens Schuss zwar am Kasten vorbei. Doch den Abpraller nahm Max Renner auf und brachte den Puck mit einem Bauerntrick erneut vor das Gehäuse, wo Jasper die Hartgummischeibe über die Linie bugsierte – 2:1.

Nur 86 Sekunden waren im Mitteldrittel gespielt, da legte Breitkreuz nach einem langen Pass von Just aus der eigenen Zone im Eins-gegen-eins gegen Mnich das 3:1 nach (22. Minute). Wiederum nur drei Minuten später hatte Breitkreuz sogar das 4:1 bei einer Kopie des vorangegangenen Treffers auf dem Schläger. Nach einem Pass von Renner in die Schnittstelle zwischen den beiden Falken-Verteidigern scheiterte der Deutsch-Kanadier aber an Mnich (25.). „Wenn man einen Pass über 30 Meter spielt und durch die Mitte geschlagen wird, dann schaut man dem Geschehen nur zu, spielt aber das Spiel nicht“, echauffiert sich Stewart. „Wenn wir in der Defensive sind, gibt es Lücken, die man zulaufen muss, damit man direkt einen Gegenspieler aufnehmen kann. Aber ich höre jetzt besser auf, was zu sagen.“ Darüber hinaus testete Sheen die Standfestigkeit des Pfostens des Falken-Gehäuses (26.).

Doch die Heilbronner gaben sich nicht auf. Nach einem Pass von Della Rovere in den Slot ließ Wruck Hertel keine Chance – 2:3 (27.). Das Gegentor nahm den Steelers etwas den Wind aus den Segeln, die bis dahin absolut tonangebend waren. Die Partie war in der Folge wieder ausgeglichen. Es ging hin und her.

Im zweiten Drittel entwickelte sich ein offener Schlagabtausch

Zunächst kamen die Falken durch einen abgefälschten Schuss von Davis Koch zum 3:3-Ausgleich (32.). Rund 90 Sekunden später gingen die Steelers durch Preibisch aber wieder in Führung (33.). Doch nachdem Della Rovere ebenfalls den Pfosten getroffen hatten, nutzten die Heilbronner das nächste Powerplay zum erneuten Ausgleich. Nicholls Schuss prallte von Hertels Schoner nach vorne ab, Koch staubte zum 4:4 ab. Ein Eigentor von Renner – als Torschütze wurde Bryce Gervais genannt, weil er als letzter Heilbronner am Puck war – brachte den Falken sogar das 5:4 (39.).

Die Gäste glichen den Spielstand aber in der 46. Minute wieder aus. Nachdem ein Schuss von Renner von der blauen Linie noch an den Pfosten knallte, traf Matt McKnight im zweiten Anlauf ins kurze Eck. In der 52. Minute zappelte die Hartgummischeibe ein weiteres Mal im Heilbronner Netz. Doch die Schiedsrichter entschieden sofort auf Kein-Tor, weil Sheen den Puck mit der Hand die entscheidende Richtungsänderung gegeben hatte, und sicherten dieses Votum per Videobeweis ab. „Das hätte uns die Moral nehmen können“, berichtet Naud. „Aber wir haben eine super Antwort gezeigt.“ Denn direkt aus dem anschließenden Bully legte Sheen auf McKnight, der das 6:5 erzielte.

Die Falken gaben sich zwar nicht auf. Doch Hertel haben sie nicht mehr überwunden. Darüber hinaus leistete Pierre Preto seinem Team einen Bärendienst, da er 2.39 Minuten vor dem Ende mit einer Zwei-plus-zehn-Minuten-Strafe wegen Checks von hinten vorzeitig Feierabend hatte. Da half auch nicht mehr, dass Stewart 43 Sekunden vor der Schlusssirene seinen Goalie Mnich für einen weiteren Feldspieler vom Eis nahm. Schon davor hätte McKnight den Sack sogar zumachen können. Doch sein Schuss fast von der blauen Linie traf nur die Latte (58.).

Weiterlesen
DEL 2 beendet Hauptrunde vorzeitig

DEL 2 beendet Hauptrunde vorzeitig

Drucken Bietigheim-Bissingen (ae). Das Coronavirus hält die Deutsche Eishockey-Liga (DEL) 2 fest im Würgegriff. Aktuell – und ausgerechnet auf der Zielgeraden der Hauptrunde – befinden sich gleich drei Mannschaften aufgrund von Infektionsfällen im Kader in Quarantäne, darunter die... »