Nichtangriffspakt in Freiburg

Weil die Konkurrenz patzt, reicht Steelers 0:2 bei den Wölfen für Platz zwei im Endklassement zum Hauptrundenabschluss

Erstellt: 5. März 2019
Nichtangriffspakt in Freiburg Willie Corrin (rechts) und die Bietigheim Steelers kamen gegen die Bayreuth Tigers nur kurz ins Straucheln. Foto: Baumann

Die Generalprobe haben die Bietigheim Steelers zwar verpatzt. Im letzten Hauptrundenspiel der Deutschen Eishockey Liga (DEL) 2 verloren sie mit 0:2 beim Vorletzten EHC Wölfe Freiburg. Dennoch geht das Team von Trainer Hugo Boisvert als Zweiter in die Playoffs, weil auch die Verfolger Ravensburg und Weißwasser patzten.

Bietigheim-Bissingen (ae/js). Es mutete schon ein wenig nach Freundschaftsspiel an, was die beiden Kontrahenten aus Baden und Württemberg dem Publikum über 60 Minuten boten. Das Tempo der Freiburger und Bietigheimer war zwar hoch, Zug zum Tor aber eher schwach vorhanden, und auch der Kampfgeist war – zumindest bei den Schwaben – eher zu vernachlässigen. Ganz offensichtlich wollte sich vor den Playoffs keiner mehr verletzen. Denn das Saisonziel Platz vier war ohnehin schon unter Dach und Fach. Selbst bei Siegen von den Ravensburg Towerstars beim ESV Kaufbeuren sowie von den Lausitzer Füchsen beim EC Kassel Huskies, wären die Steelers nur um zwei Plätze in der Tabelle gefallen. Doch beide Verfolger verloren ihre Partien, so dass das Boisvert-Team Platz zwei verteidigte. Und da sich Spitzenreiter Löwen Frankfurt mit 5:4 nach Penaltyschießen bei den Eispiraten Crimmitschau durchsetzte, wäre ein Angriff auf die Tabellenführung sowieso nicht von Erfolg gekrönt gewesen.

Einzige nennenswerte Szene im ersten Durchgang blieb so eine Chance für Freiburgs Ryon Moser, der nach zwei Sekunden in Überzahl aus dem Bully heraus plötzlich allein vor Goalie Ilya Sharipov stand. Doch der Deutsch-Russe, der laut „Schwarzwälder Bote“ beim DEL-Klub Schwenningen im Gespräch ist, blieb eiskalt und ließ dem Freiburger keine Einschussmöglichkeit.

Die zweiten 20 Minuten wurden nur wenig turbulenter. In der 33. Minute hatte Benjamin Zientek die wahrscheinlich beste Bietigheimer Gelegenheit des gesamten Spiels. In Überzahl hatte er plötzlich aus kurzer Distanz die Möglichkeit, die Scheibe an Jimmy Hertel vorbeizustochern. Doch der Freiburger Schlussmann fuhr rechtzeitig seinen rechten Schoner aus. Besser machten es die Gastgeber 116 Sekunden vor der zweiten Sirene. Bei Bietigheimer Überzahl ging es nach einem unkontrollierten Pass in die rechte Ecke ganz schnell. Antti Kauppila schickte den Ex-Bietigheimer Marc Wittfoth steil, und der legte quer auf Jozef Balej – 1:0.

Im Schlussabschnitt hatte man nur ganz selten den Eindruck, dass Bietigheim das Ergebnis noch ernsthaft drehen wollte. Die Aktionen wirkten oft nur halbherzig. Erst als Freiburg nach einem ganz simplen Spielzug durch den völlig frei stehenden Topscorer Nikolas Linsenmaier auf 2:0 erhöhte, schienen die Steelers aufzuwachen. Doch eine Aufholjagd war nicht drin, da Bietigheim durch dumme Strafen für Shawn Weller und Tyler McNeely die letzten vier Minuten in Unterzahl spielten. „Über Tyler bin ich enttäuscht. Er ist ein Führungsspieler, hat sich aber von seiner Emotion leiten lassen“, ärgert sich Boisvert.

Zwei Tage zuvor verabschiedeten sich die Steelers dagegen fast noch standesgemäß von den eigenen Fans in die Pause vor den Playoffs. Mit 6:3 zähmten die Bietigheimer die Bayreuth Tigers und rückten damit auf den zweiten Platz vor, da zeitgleich die Lausitzer Füchse das Sachsenderby gegen Crimmitschau mit 3:4 vergeigt hatten.

Das letzte Hauptrunden-Heimspiel der Bietigheim Steelers in der DEL-2-Saison 2018/2019 begann allerdings mit Wehmut: Der Klub verabschiedete Bastian Steingroß nach dessen sieben Jahren im Ellental. Der 36-jährige Verteidiger verlässt am Ende der Spielzeit das Schwabenland, zieht mit der Familie in seine Geburtsstadt Berlin und wird sich künftig als Schiedsrichter versuchen. „Mit dir verliert das Eishockey eine große Persönlichkeit. Du hast dir deinen Ruhestand verdient“, gab ihm sein langjähriger Defensivpartner Markus Gleich in einer Videobotschaft mit auf den Weg. Fehlte als Krönung des Abschiedsabends eigentlich nur noch ein Heimsieg – und den schenkte das Team Steingroß und auch Marcus Sommerfeld am Freitag noch.

Wie schon vor einer Woche gegen Weißwasser dominierte das Team um Kapitän Nikolai Goc auch gegen Bayreuth zunächst das Geschehen und spielte den Gegner schwindelig. Symptomatisch war die Entstehung der Bietigheimer 1:0-Führung. Bei einer angezeigten Strafe gegen die Oberfranken griffen die Steelers mit sechs Feldspielern an und zogen bei sechs gegen fünf ein minutenlanges Powerplay auf – ein Tigers-Profi kam partout nicht an den Puck. Nach dem vielen Hin und Her verlor Topscorer Matt McKnight die Geduld, zog in zentraler Position kurz hinter der blauen Linie ab. Und die Scheibe schlug hinter dem überraschten Torhüter Brett Jaeger im Netz ein (4.). Wären die Steelers etwas konsequenter gewesen, sie hätten zur ersten Drittelpause deutlich höher geführt. Die Tigers strahlten bis dahin dagegen die Gefährlichkeit eines Hauskätzchens aus.

Dies änderte sich im zweiten Durchgang. Zwei Powerplays brachten Bayreuth ins Spiel zurück. Das zweite war erfolgreich: Nach einem Querpass von Sebastian Busch hielt Martin Heider den Schläger hin, und aus kurzer Distanz sauste der Puck zum 1:1 in den Bietigheimer Kasten. Der stark haltende Sinisa Martinovic hatte diesmal keine Abwehrchance (24.). Jetzt war es ein anderes Spiel. Die Tigers waren gleichwertig und gar nicht mehr so ängstlich wie zuvor – und untermauerten mit viel Einsatz ihre Ambitionen auf einen Pre-Playoff-Platz. Mit einem Doppelschlag wies der Favorit die Gäste aber wieder in die Schranken. Erst traf Verteidiger Max Prommersberger mit einem Handgelenkschuss aus der Drehung. 44 Sekunden später legte Norman Hauner das 3:1 nach (38.). Und hätte Frederik Cabanas Abstaubertor nach einem Pfostenknaller gezählt, hätte es nach 40 Minuten sogar 4:1 gestanden. Doch die Spielzeit war schon abgelaufen, wie die Schiedsrichter auf den Videobildern feststellten.

Nach nur 83 Sekunden im Schlussdrittel sorgte dann aber Hauner für das 4:1. Der Stürmer war es auch, der die beiden Bayreuther Treffer von Juuso Rajala (50.) und Tim Richter (52.) beantwortete – mit seinem dritten Tor zum 5:3 (54.). Kurz darauf legte Alexander Preibisch das 6:3 nach. Die Partystimmung auf den Rängen kannte nun keine Grenzen mehr. Zumal der Verein noch ein Schmankerl für die Fans in petto hatte.

Denn so, wie der Abend begonnen hatte, endete er auch – mit der Würdigung eines besonderen Spielers: Marcus Sommerfeld (35), wie Steingroß 2012 nach Bietigheim gekommen und eine der Stützen in den vergangenen sieben Jahren, beendet ebenfalls seine Karriere und wird in seiner Heimat Kanada Feuerwehrmann. Beide Routiniers haben bleibende Spuren im Ellental hinterlassen, beide wurden in vielen Videobotschaften von aktuellen und ehemaligen Mitstreitern für ihre Verdienste gewürdigt.

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