Hugo Boisvert hadert mit seinen Topspielern

Stars der Steelers kommen beim 2:4 in Kassel nicht an ihr Leistungsniveau heran – Beim 6:3 gegen Dresden erzielt Hauner Traumtor

Erstellt: 5. Februar 2019
Hugo Boisvert hadert mit seinen Topspielern Norman Hauner zieht unter Zeitnot am Ende des ersten Drittels gegen Dresden von der Mittellinie ab, und der Puck schlägt ein. Foto: Baumann

Bietigheim-Bissingen (ha/ae). Umgekehrte Vorzeichen bei den Bietigheim Steelers an diesem Wochenende. Während sie ihre Heimschwäche – in der Ege-Trans-Arena setzte es bereits zehn Niederlagen, zuletzt aber auch vier Siege in Folge – mit dem 6:3 gegen die Dresdner Eislöwen endgültig abgelegt zu haben scheinen, gab es in fremder Halle mal wieder einen Dämpfer. Statt des 13. Erfolgs im 22. Auswärtsspiel der Saison holte sich die Mannschaft von Trainer Hugo Boisvert eine 2:4-Niederlage bei den Kassel Huskies ab – trotz eines starken Auftritts.

Furioser Beginn für die Steelers: Nach nur 14 Sekunden musste Kassels Nachverpflichtung Neil Manning wegen Stockschlags für zwei Minuten in die Kühlbox. Nur weitere 13 Sekunden später hieß es schon 1:0, als Tyler McNeely die Scheibe im Gewühl ins Kassler Tor stocherte. Doch nicht einmal 60 Sekunden später schepperte es am Steelers-Kasten, als Richie Mueller fulminant abgezogen hatte und der Puck am linken Lattenkreuz einschlug. Man merkte schon da: In dieser Partie war Pfeffer drin.

Beide Teams zeigten ein temporeiches Match mit viel Engagement und schnellem Umschaltspiel. Alexander Heinrich und Sebastien Sylvestre hatten die nächsten Huskies-Chancen, die Nordhessen machten ordentlich Druck. Sylvestres Solo stoppte jedoch Bietigheims Keeper Ilya Sharipov (10. Minute). Auf der Gegenseite zog Willie Corrin ab. Doch Kassels Schlussmann Leon Hungerecker war zur Stelle. Einem Solo, bei dem Sylvestre die Gästeabwehr auswackelte, entsprang das 1:1: Der Huskies-Stürmer traf ins linke obere Eck. Jace Hennig hatte vor der Drittelpause sogar noch die Möglichkeit zur Kasseler Führung, verzog aber.

Im zweiten Durchgang ging die rassige Jagd auf dem Eis weiter. Toni Ritter hatte die Chance für Kassel zum 2:1. Es folgte ein Bilderbuch-Konter der Steelers: Marcus Sommerfeld bediente René Schoofs, der nur noch abzustauben brauchte – 2:1. Die Partie blieb hochklassig, hatte alle Attribute eines kernigen Eishockeyspiels. Schoofs vergab die Möglichkeit zum 3:1 für die Steelers (31.). Dann hatte Bietigheim für 43 Sekunden doppelte Überzahl nach Strafzeiten gegen Mark Ledlin und Manning, der Torwart Hungerecker dessen Schläger zugeschoben hatte, nachdem der Zerberus seine Torwartkelle verloren hatte. „Irreguläre Ausrüstung“, meinten die Referees. Eine ungewöhnliche Strafzeit. Doch Sommerfeld machte das doppelte Powerplay mit einer eigenen Strafzeit kaputt. Und beim Spiel vier gegen vier traf Mueller mit einem trockenen Schuss ins kurze Eck zum 2:2. Noch bitterer für die Schwaben: Kurz darauf tankte sich Sylvestre erneut durch die Abwehr und vollendete zum 3:2.

Auch im Schlussdrittel büßte das Match nichts von seiner Attraktivität ein. Corey Trivino für die Huskies, zwei Mal Benjamin Zientek für die Steelers und nochmal Kassels Mueller – so wünscht man sich Offensivaktionen. Alexander Preibischs Alleingang (55.) wurde dagegen von den Huskies gerade noch gestoppt. Als alles auf eine Verlängerung hinauszulaufen schien, nahm Gästecoach Boisvert zwei Minuten vor Schluss Torwart Sharipov vom Eis – mit Folgen. Trivino traf ins leere Bietigheimer Gehäuse zum 4:2-Endstand.

„Das erste Drittel war nur Durchschnitt. Aber wir haben ein wichtiges Powerplaytor geschossen. Nachdem wir bei fünf gegen drei die Strafe kassiert haben, war es ein anderes Spiel“, sagte Boisvert, der speziell mit der Leistung seiner Kontingentspieler nur bedingt zufrieden war: „Unsere Topspieler müssen top sein. Aber bei uns waren das heute nur zwei.“

Wie in Kassel nahm auch die Heimpartie der Steelers gegen Dresden schnell Fahrt auf, wobei die 2274 Zuschauer im Ellental ein neues Gesicht zu sehen bekamen: Erstmals stand Anton Palmer im Profikader. Er vertrat den angeschlagenen Routinier Sinisa Martinovic als Backup-Goalie. Normalerweise hütet der 17-Jährige den Kasten der Bietigheimer U-20-Mannschaft in der Deutschen Nachwuchsliga (DNL). Tyler McNeely besorgte gleich im ersten Powerplay des Abends das 1:0 und jagte die Scheibe mit so viel Schmackes unter die Latte, dass selbst die auf dem Netz abgestellte Trinkflasche von Eislöwen-Schlussmann Marco Eisenhut wegflog. Innerhalb von 61 Sekunden drehte allerdings Dresden die Partie mit Timo Walthers Abstaubertor (14.) und einem Überzahltreffer von Harrison Reed (15.).

In der letzten Minute des ersten Durchgangs schlugen die Gastgeber aber zwei Mal in Überzahl zurück. Mit zwei Mann mehr auf dem Eis gelang Norman Hauner der 2:2-Ausgleich. Den Vogel schoss der 27-jährige Stürmer aber kurz darauf ab: Hauner war so verwegen und zog in zeitlicher Bedrängnis einfach mal von der Mittellinie ab. Wie ein Strich flog der Puck etwa 27 Meter lang direkt ins Netz der Gäste. Eisenhut war völlig überrascht worden – und wird diesen Gegentreffer sicher nicht so schnell vergessen. „So ein Tor habe ich noch in keinem meiner Spiele gesehen, nur im Fernsehen bei Zusammenschnitten aus der amerikanischen Profiliga NHL“, kommentierte Boisvert den Kunstschuss. Die beiden Hauptschiedsrichter Nicole Hertrich und Tony Engelmann bemühten den Videobeweis, um zu überprüfen, ob der Treffer noch vor der Schlusssirene gefallen war. Da dies der Fall war, ging das Heimteam mit einer 3:2-Führung ins Mitteldrittel.

Dort erzielte Verteidiger Bastian Steingroß das vierte Bietigheimer Überzahltor zum 4:2 (27.). Hauners Traumtor hatte dem Meister einen zusätzlichen Kick gegeben. Die Sachsen, die den SCB in dieser Saison schon zwei Mal geschlagen hatten, schienen dagegen aus dem Tritt geraten zu sein. Sie bekamen kaum mehr vernünftige Angriffe zustande und waren mit dem Zwei-Tore-Rückstand noch gut bedient.

Im letzten Spielabschnitt benötigten die Steelers gerade mal 16 Sekunden zu ihrem fünften Powerplaytreffer. Diesmal staubte McNeely ab. Auch eine mehrere Minuten dauernde Unterbrechung infolge einer wackeligen Scheibe der Eisflächenbegrenzung stoppte den Bietigheimer Elan nicht. Das halbe Dutzend machte Sommerfeld voll – ausnahmsweise bei Gleichzahl auf dem Eis (46.). Den Schlusspunkt setzte Dresden mit Steven Rupprichs Tor zum 3:6, was der Partylaune im Steelers-Lager aber nichts mehr anhaben konnte (58.).

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