„Ein vernünftiger Anfang“

Die Steelers und die SG BBM begrüßen die Zulassung von bis zu 1000 Fans in ihrer Heimspielstätte, der Ege-Trans-Arena. Um den Spielbetrieb zu stemmen, brauchen die Clubs aus Bietigheim-Bissingen allerdings mehr.

Erstellt: 24. September 2020
„Ein vernünftiger Anfang“ Halbleere Zuschauerränge in der Ege-Trans-Arena – darauf dürfen sich die Eishockeycracks der Bietigheim Steelers (Foto) und die Handballer der SG BBM Bietigheim in den ersten Wochen, vielleicht sogar Monaten der Saison 2020/2021 einstellen. Foto: Baumann

Bietigheim-Bissingen (ae). Die am Freitag neu angepasste Corona-Verordnung Sport des Landes Baden-Württemberg bringt etwas mehr Normalität zurück in den Spitzensport. So sind ab sofort in der Bietigheimer Ege-Trans-Arena bei Spielen der jeweiligen Profiteams wieder 1000 Zuschauer erlaubt – mit einem adäquaten Hygienekonzept und unter Beachtung der Abstandsregeln. „Das ist ein Anfang und eine Chance, dass wir unseren geliebten Eishockey-Sport wieder zu sehen bekommen. Ich bin mir sicher, dass die Fans mitmachen und sich diszipliniert verhalten werden, damit bald noch weitere Lockerungen möglich sind“, sagt Volker Schoch, Geschäftsführer der Bietigheim Steelers.

Da die Saison in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) 2 erst am 6. November beginnt, tangiert die sechswöchige Testphase nur die Vorbereitung der Steelers. Beim Get-Ready-Cup tritt die Mannschaft von Trainer Danny Naud im Oktober gegen den ESV Kaufbeuren, die Ravensburg Towerstars und die Heilbronner Falken an – jeweils zu Hause im Ellental sowie auswärts. Ein viertes Test-Heimspiel versucht Schoch gegenwärtig noch einzutüten – der Gegner ist noch offen.

Der Manager bittet die Fans um Verständnis, dass der Club für die Vorbereitungspartien aufgrund der außergewöhnlichen Umstände nun generell Eintritt verlangt. Bisher bekamen Dauerkartenbesitzer solche Spiele immer als Bonus. Dieses Jahr werden die Dauerkarten aber erst später ausgegeben. Knapp über 1000 seien bisher schon bestellt, erklärt Schoch. Ein flexibles Online-Ticketsystem, das die Mindestabstände zwischen den Besuchern/Haushalten berücksichtigt, der Verkauf von personalisierten Karten, Maskenpflicht beim Einlass und im Umlauf (nur am Platz darf der Mund- und Nasenschutz abgenommen werden), keine Gästefans, kein Ausschank von Alkohol – all das sind weitere Parameter.

Schoch hofft darauf, dass früh in der Saison mehr Zuschauer erlaubt sind

Schoch setzt darauf, dass bis zum Beginn der Hauptrunde oder in einem frühen Stadium der Saison die Kapazitäten noch ausgeweitet werden. Als einen weiteren Zwischenschritt wünscht er sich, 50 Prozent der Sitzplätze (das wären 1500 Plätze) und 20 Prozent der Stehplätze (300) besetzen zu dürfen, was dann immerhin schon eine Kulisse von 1800 Besuchern bedeuten würde. Zum Vergleich: In der Spielzeit 2019/2020 verfolgten durchschnittlich 2760 Fans die Bietigheimer Heimspiele. „1000 Zuschauer sind eine Größe, die uns wirtschaftlich nicht weiterhilft. Nur bei einer deutlichen Erhöhung haben die Vereine eine Chance zum Überleben“, sagt Schoch.

Bereits am 2. Oktober, fünf Wochen vor dem Rundenauftakt beim Eishockey, legt die 1. und 2. Handball-Bundesliga der Männer wieder mit dem Spielbetrieb los. Die gegenüber normalen Zeiten geringere Hallenauslastung trifft auch die Zweitliga-Männer der SG BBM Bietigheim finanziell. „Das eine ist, was wir uns wünschen, das andere, was zurzeit möglich ist. Die 1000 Zuschauer sind ein vernünftiger Anfang. Wenn gar keine Fans reindürften, wäre es noch viel schlimmer“, sagt Geschäftsführer Bastian Spahlinger. 2019/2020 strömten bis zum Saisonabbruch im Schnitt 2060 Besucher zu den SG-Spielen in die Ege-Trans-Arena – also gut das Doppelte des gegenwärtig Erlaubten.

Um die Einnahmeausfälle zumindest ein Stück weit aufzufangen, hat sich die Handball-Spielgemeinschaft einen Sparkurs verordnet. Gesenkt wurden insbesondere die Personalkosten – man denke nur an Weltmeister Michael „Mimi“ Kraus, der das Budget nach der Vertragsauflösung jetzt nicht mehr strapaziert – sowie die Aufwendungen für den Spielbetrieb. Doch dafür kommen durch Corona auch neue Belastungen hinzu. So hat die Handball Bundesliga (HBL), in der alle Erst- und Zweitligisten organisiert sind, vereinbart, wöchentlich sowohl die Spieler als auch die Club-Mitarbeiter auf das Virus zu testen. Auf einen fünfstelligen Betrag taxiert Spahlinger die Kosten dafür.

Der Spieltag vor gut einer Woche im BGV-Cup, dem Vorbereitungsturnier mit den baden-württembergischen Spitzenteams an insgesamt fünf Spielorten, war für die SG BBM ein Test für den Ernstfall. In drei über den Tag verteilten Begegnungen trafen da in der Ludwigsburger MHP-Arena die sechs baden- württembergischen Profivereine aufeinander. Allerdings waren zu jenem Zeitpunkt nur 468 Zuschauer auf den Rängen erlaubt. „Alles hat reibungslos funktioniert. Es war für alle Beteiligten gut, mal die Abläufe richtig kennenzulernen. Wir sehen uns mit unserem Hygienekonzept gut aufgestellt“, sagt Spahlinger.

Stadtverwaltung bei Erstellung des Hygienekonzepts kooperativ

Am Montagvormittag gab es gemeinsam mit den Steelers einen Termin beim Bietigheimer Ordnungsamt, um über die Umsetzung der Hygienekonzepte zu beraten und unter den gegebenen Umständen eine möglichst hohe Auslastung der Ege-Trans-Arena hinzukriegen. „Die Stadt ist da sehr kooperativ“, berichtet Spahlinger, der die Zweitliga-Heimpremiere der SG BBM am 10. Oktober gegen den TSV Bayer Dormagen kaum noch erwarten kann: „Wir alle lechzen danach, dass es wieder losgeht und hoffen, dass die Pandemielage zukünftig noch mehr Zuschauer zulässt.“

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