Ein Kraftakt im dritten Drittel bringt den Steelers den Titel

Steelers erzielen beim 5:2-Sieg im entscheidenden Finalspiel in Kassel vier Tore im Schlussabschnitt. Huskies verpassen es, vorher den Sack zuzumachen.

Von Michael Nachreiner Erstellt: 25. Mai 2021
Ein Kraftakt im dritten Drittel bringt den Steelers den Titel Jeder Zentimeter war hart umkämpft: C.J. Stretch, Max Renner und Benjamin Zientek (von links) verhindern mit Goalie Leon Doubrawa einen Treffer des Kasselers Luis Spitzner. Foto: Pix-Sportfoto

Kassel/Bietigheim-Bissingen. Schon Sekunden vor der Schlusssirene haben die Spieler und die Verantwortlichen der Bietigheim Steelers angefangen zu feiern. Mit Spielende gab es dann kein Halten mehr. Helme und Schläger flogen in hohem Bogen auf das Eis. Und die Spieler lagen sich in den Armen. Nach einem Kraftakt im Schlussabschnitt des entscheidenden fünften Spiels der Finalserie haben die Steelers gegen die Kassel Huskies mit 5:2 gewonnen und sich dadurch zum Meister der Deutschen Eishockey Liga (DEL) 2 gekürt. Als Belohnung winkt nun der Aufstieg in die Beletage des deutschen Eishockeys.

Die Partie begann für die Steelers nach Maß. Stephan Tramm saß gerade einmal 22 Sekunden auf der Strafbank, da traf C.J. Stretch zur 1:0-Führung für die Gäste über die Linie (7. Minute). Ein kurioser Treffer: Stretch traf zunächst den linken Innenpfosten, Von dort trudelte der Puck entlang der Torlinie zum rechten Pfosten, während Norman Hauner schon die Arme zum Jubel in die Höhe riss. Doch erst Huskies-Goalie Gerald Kuhn beförderte die Scheibe über die eigene Linie, als er sich auf den Boden warf, um den Puck unter sich zu begraben.

Der Treffer hatte sich ein bisschen abgezeichnet. Kurz zuvor hatten sich die Steelers bei einer Dreifachchance von Hauner, Robin Just und Tim Schüle nicht belohnt. Und auch in der 12. Minute bekamen sie den Puck nicht über die Linie. Nach einem Querpass war Hauner in halblinker Position frei. Er zielte aber zu zentral.

Was Effizienz angeht, standen die Huskies den Steelers im ersten Drittel aber in Nichts nach. Durch einen Wechselfehler dezimierten sich die Gäste in der 14. Minute selbst. Robert Kneisler, der die Strafe für zu viele Spieler auf dem Eis absaß, hatte gerade einmal für 36 Sekunden in der Kühlbox Platz genommen, da traf Tramm mit einem ansatzlosen Schuss zum 1:1-Ausgleich (15.). Clarke Breitkreuz hatte Steelers-Goalie Leon Doubrawa die Sicht verstellt. Kurz darauf traf Lukas Laub noch den Außenpfosten (6.).

Im zweiten Drittel war den Bietigheimern dann anzusehen, dass sie dem hohen Tempo in den vergangenen beiden Partien Tribut zollen mussten, in denen sie mit einem Rumpfkader – seit Finalspiel eins fehlten Topscorer Riley Sheen und Brett Breitkreuz, nach Partie zwei gesellte sich auch noch Kapitän Nikolai Goc hinzu –, aber einer bewunderswerten Energieleistung einen 0:2-Rückstand in der Serie ausglichen. Die Kasseler wirkten spritziger und vor allem auch vom Kopf her wacher. Bei den Steelers schlichen sich dazu einige Unkonzentriertheiten ein. Da ging ein Pass ins Leere, ein anderer rutschte unter der Kelle des Passempfängers hindurch. Und oft nahmen die Huskies den Bietigheimern die Scheibe in den Zweikämpfen einfach vom Schläger.

Das Resultat war, dass die Gäste nicht nur ein Mal in der Defensive schwammen. Der Treffer zum 2:1 für die Kasseler fiel allerdings beinahe aus dem Nichts. Corey Trivino legte fast von hinter dem Tor zurück auf Vincent Saponari, der mit der Rückhand abzog. Der Schuss war eigentlich gar nicht so hart. Dennoch überraschte der Deutsch-Amerikaner in Diensten der Kasseler Doubrawa, dem die Sicht versperrt war (27.).

Nur knapp zwei Minuten später hatten die Huskies-Verantwortlichen den Torschrei schon auf den Lippen. Doch ein Schuss strich knapp vorbei (29.). Und Philippe Cornet schob die Hartgummischeibe nach einem Querpass von Oliver Granz knapp am Pfosten vorbei (32.).

Doch so schwer sich die Steelers in den zweiten 20 Minuten in der Offensive auch taten. Bei einem Zwei-gegen-eins-Konter mit Hauner und Stretch fehlte nur etwas Schussglück. Denn beim Versuch von Stretch – Hauner hatte frei vor dem Tor noch einmal uneigennützig quergelegt – war ein Kasseler mit seinem Schläger noch dran (30.).

Ein Powerplay brachte die Steelers im Schlussabschnitt zurück in die Partie. Als Trivino auf der Strafbank saß traf Hauner aus dem High-Slot ins Dreieck (46.). Und rund drei Minuten darauf gingen die Bietigheimer sogar in Führung. Jasper kurvte einmal ums Tor und vollendete mit einem Bauerntrick. Der Puck sprang vom Schläger von Huskies-Verteidiger Troy Rutkowski ins eigene Tor (49.).

Richtig unter Druck setzten die Bietigheimer die Kasseler dann in der 54. Minute. Hauner kam gerade von der Strafbank, eroberte sich die Scheibe an der Mittellinie und ließ auch Kuhn mit einem Schuss über dessen rechte Schulter in den Winkel keine Chance – 4:2.

Fast genau drei Minuten vor dem Ende nahm Huskies-Trainer Tim Kehler seinen Goalie Kuhn zugunsten eines sechsten Feldspielers vom Eis. Doch die taktische Maßnahme ging nach hinten los. Zwar traf Benjamin Zientek zunächst nur den Außenpfosten. Doch dann machte Tim Schüle mit einem Empty-Net-Tor von der Mittellinie den Sack zu, nachdem er einen Pass abgefangen hatte. Der Rest war Jubel pur.

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