Projekt mit fast lauter Ludwigsburgerinnen

BSG Basket spielt wieder 2. Bundesliga der Frauen – Schritt gegangen, um Nachwuchstalenten eine Perspektive im Verein zu geben

Von Michael Nachreiner Erstellt: 17. Dezember 2018
Projekt mit fast lauter Ludwigsburgerinnen Rückkehrerin Viktoria Krell (links) ist die unumstrittene Führungsspielerin im neu aufgebauten Zweitligateam der BSG Basket Ludwigsburg. Foto: Archiv/privat

Sieben Jahre, nachdem die BSG Basket Ludwigsburg sich freiwillig aus der 2. Bundesliga Süd der Frauen zurückgezogen hat, werfen Basketballerinnen in der Barockstadt wieder Körbe in der zweithöchsten Liga in Deutschland. Und das mit einem Kader aus Spielerinnen, die alle bis auf eine Kanadierin Wurzeln in Ludwigsburg haben.

Ludwigsburg. „Es war genau die richtige Entscheidung zur richtigen Zeit“, erklärt Cäsar Kiersz, der als Co-Trainer zusammen mit Tomas Vilkius die Frauen-Bundesligamannschaft der BSG Basket Ludwigsburg betreut. Und die BSG-Vorsitzende Petra Kutzschmar ergänzt: „Es kommen immer mehr Spielerinnen aus unserer U-18-Mannschaft in der Weiblichen Nachwuchs Bundesliga (WNBL) nach. Wir mussten etwas machen, mussten ihnen eine Perspektive geben, sonst hätten wir diese Spielerinnen verloren.“ Das Aufstiegsrecht lag allerdings beim MTV Stuttgart als Meister der Regionalliga. Die Ludwigsburgerinnen waren nur Sechste geworden.

Ein Zweitligateam in der Landeshauptstadt aufzubauen, hatte sich jedoch frühzeitig zerschlagen. „Es hat sich gezeigt, dass es dort keine Bedingungen gab, um so ein Projekt umzusetzen“, berichtet Kutzschmar. Und auch die Kooperation mit Grüner Stern Keltern fast vor den Toren von Karlsruhe, das mit der ersten Mannschaft in der 1. Bundesliga und mit der zweiten Mannschaft in der 2. Bundesliga aktiv war, hatte sich nicht als fruchtend herausgestellt. „Einige Spielerinnen haben, nachdem sie aus der WNBL altersbedingt herausgekommen sind, den Schritt gewagt“, erklärt die BSG-Vorsitzende. „Doch in Keltern verfolgt man die Philosophie, junge Spielerinnen spielen, wenn sie bereit dazu sind. Für uns war aber wichtig, dass die Mädchen Einsätze bekommen, damit sie sich weiterentwickeln.“ Das Zweitligateam von Keltern eins zu eins nach Ludwigsburg zu verlegen, war auch keine Option.

Ludwigsburg erhielt Startplatz in 2. Bundesliga per Wildcard

Kurzerhand wurde Kutzschmar bei der 2. Bundesliga der Frauen vorstellig und fragte an, ob es eine Möglichkeit gibt, durch ein Wildcardverfahren einen Startplatz in der zweithöchsten deutschen Klasse zu bekommen. Und sie rannte offene Türen ein. „Wir haben in Ludwigsburg schließlich auch die entsprechende Infrastruktur. Wir haben die Hallen und wir haben Schulen mit Sportförderung“, erzählt die Benningerin.

Als Kern des Kaders standen die drei Guards Iva Banozic, Jelena Bozic und Nadja Stöckle fest, die gerade aus der WNBL herausgewachsen waren. „Früh habe ich auch Kontakt zu unserer ehemaligen Jugendspielerin Vitoria Krell aufgenommen, die nach einem USA-Aufenthalt wieder in Deutschland war und den Aufstieg in die erste Liga mit Heidelberg vor zwie Jahren nicht mitmachen wollte, weil ihr das wegen ihrer kleinen Tochter ein zu großer Aufwand war“, berichtet Kutzschmar. „Sie schnürt nach einem Jahr Pause bei uns wieder ihre Stiefel.“ Aus Keltern kehrten Sara Schubitschew und Leonie Elbert zurück. „Beide wohnen noch in Ludwigsburg, auch wenn sie für den Grünen Stern aufgelaufen sind“, erklärt die BSG-Vorsitzende. Außerdem schlossen sich Stefanie Rathfelder und Teresa Kucerova vom MTV Stuttgart der BSG an. Kutzschmar: „Damit hatten wir einen Kader zusammen mit lauter Spielerinnen, die eine Ludwigsburger Vergangenheit haben.“ Komplettiert wurde der Kader mit einigen aktuellen WNBL-Spielerinnen und der Kanadierin Alexandra Berry. Und ganz wichtig bei Frauen: „Die Spielerinnen funktionieren untereinander. Alle ziehen an einem Strang“, freut sich Kutzschmar. Und Kiersz ergänzt: „Dass die Mädels sich untereinander verstehen, zählt viel. Sie ziehen unter anderem auch die Jüngeren mit.“

BSG-Team macht von Spiel zu Spiel Fortschritte

Und das zahlt sich wieder bei den Partien aus. „Wir sind kein Superstarteam“, sagt Vilkius. „Jedes Mädchen muss sich noch verbessern. Aber man sieht von Spiel zu Spiel einen Fortschritt.“ Banozic hatte beispielsweise anfangs Probleme, zu punkten. Mittlerweile hatte sie Spiele, in denen sie Topscorerin war. Doch auch während einer Partie sieht man, wie sich Akteurinnen weiterentwickeln. Gegen den Tabellenzweiten DJK Don Bosco Bamberg gestern Nachmittag hatte Selma Yesilova große Probleme, mit dem Druck der Gäste beim Ballvortrag zurechtzukommen. Doch nach einigen Ballverlusten der erst 17-jährigen Ludwigsburgerin im ersten Viertel ließ sie sich das Spielgerät im weiteren Spielverlauf nicht mehr klauen. „Jedes andere Team hat auf der Pointguard-Position auch eine Ausländerin. Da müssen unsere Mädels mental noch stabiler werden“, erklärt Kiersz.

Letztlich hat es gegen Bamberg nicht zum Sieg gereicht. Mit 63:72 mussten sich die Ludwigsburgerinnen geschlagen geben. Zwei Minuten vor der Schlusssirene waren sie aber noch auf 61:67 dran. Doch ein erfolgreicher Drei-Punkte-Wurf von Julia Förner 83 Sekunden vor dem Ende begrub alle Hoffnungen der Gastgeberinnen auf einen Überraschungserfolg. Gegen die DJK Don Bosco, die mit drei Legionärinnen die Saison bestreitet, müssen die Ludwigsburgerinnen aber auch nicht unbedingt bestehen. Kiersz: „Wir wollen ausbilden. Wenn Spielerinnen weg wollen – zum Beispiel auf ein College oder in die 1. Bundesliga –, dann stehen andere Mädchen dahinter parat.“ Angestrebt ist ein Mittelfeldplatz. „Das ist auch realistisch. „Bisher hatten wir in jedem Spiel eine Chance. Entweder haben wir kurz vor Schluss geführt oder waren zumindest in Schlagdistanz.“

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