KW 25 – Wildkraut Acker-Rittersporn

Erstellt: 20. Juni 2011
KW 25 – Wildkraut Acker-Rittersporn Hübscher und seltener Bursche, dieser Acker-Rittersporn. Fotos: Rücker

Liebe Leser,
mögen Sie Unkraut? Beim Blick in unsere Kulturlandschaft tun sich manchmal bunt blühende Landschaften auf. Selten sogar mitten im Acker.

Den Acker-Rittersporn reckt seine besonderen Blüten am liebsten auf dem Öko-Acker der Sonne entgegen. Denn Herbizide mag er, wie viele andere der wilden Feldschönheiten, gar nicht.
Dabei ist der Feld- oder Acker-Rittersporn ein echter Hingucker. Er gehört zur Pflanzenfamilie der Hahnenfußgewächse, ist also mit der gelben Allerweltspflanze Butterblume verwandt. Er selbst leuchtet in sattem Violett, Tendenz zu Blau, ist ein eher zartes Ding und filigran verästelt. Die einjährige Pflanze war früher in Deutschland weit verbreitet, mittlerweile trägt sie auf der Roten Liste die Einordnung gefährdet.
Consolida regalis lautet der wissenschaftliche Name der Blume, deren auffälligstes Merkmal der über zwei Zentimeter lange Sporn ist. Dort wartet süßer Nektar auf Insekten, die ganz nebenbei für die Bestäubung der Blüte sorgen sollen. Schmetterlinge und Hummeln sollen dafür ein besonderes Händchen haben. Besser gesagt ein besonderes Mündchen, denn sie gelangen mit ihren langen Mundwerkzeugen an die süße Verlockung im Sporn.
Einige feiste Hummeln schummeln schon mal gerne, beißen den Sporn von außen auf und pfeifen auf die Sache mit der Bestäubung. Dann guckt die Blume sozusagen in die Sporn genannte Röhre, die dann ein unschönes Loch hat. Doch zum Glück fühlen sich, wie das kleine Bild zeigt, auch Käfer in der Blüte recht wohl. Vielleicht können sie dort ein paar Pollen naschen oder nagen gleich die ganze Pflanze an. Käfern sind da meist weniger zart besaitet.
Der Acker-Rittersporn kam schon vor einigen Tausend Jahren mit Saatgut aus dem Süden zu uns. Er kann von Mai an bis in den September mit seiner Blüte erfreuen. Seine Samen entlässt der Acker-Rittersporn durch eine Streufrucht, bei der eine aufplatzende Naht für deren Freiheit und Ausbreitung sorgt.
Früher wurde die giftige Pflanze als Heilmittel verwendet, sie galt als harn- und wurmtreibend. Besonders die Samen enthalten giftige Alkaloide. Dem Ratschlag eines Saatgut-Vertreibers „ein Anbau im Garten ist aber dennoch gefahrlos möglich, sofern man Kühe oder Pferde fernhält“ möchte man gerne noch zum Beispiel Kinder anfügen. Denn immerhin schlummert ein Nervengift im Pflanzenkörper.
Im Verwandtschaftskreis der Rittersporne gibt es echte optische Leckerbissen für Gartenbesitzer. Diese sind jedoch erst recht giftig, wie beispielsweise der Hohe Rittersporn, der als Zierpflanze oder Einkreuzung in solche bekannt ist. Also, Achtung. Menschen und Tiere dürfen nur mit den Augen genießen. Schnecken in unseren Gärten scheint das Gift nicht zu jucken. Vielleicht sammeln sie die toxischen Stoffe wie einige Meeresschnecken, deren Körpergifte neuerdings als Schmerzmittel Karriere machen. Aber nicht, dass nun jemand auf die Idee kommt, beim nächsten Kopfschmerz die Nacktschnecke aus dem Garten zu verspeisen.
Die Rittersporne im Garten gehören meistens der Pflanzengattung Delphinium an, wogegen der Acker-Rittersporn neuerdings zur Gattung Feldrittersporne, Consolida, gezählt wird. Allerdings scheint auch hier mit Consolida ajacis, auch Hyazinthen-Rittersporn genannt, eine mittelzierliche Staude für den Vorgarten bereitzustehen, die bis zu einem Meter hoch werden kann.
Die Delphinium-Arten haben ihren Namen durch die Form ihrer Blütenknospen erhalten, welche einem Delphin ähneln soll. Diese Stauden Rittersporne sind in der Regel ausdauernd.
Auf den Internetseiten des „Bio-Gärtners“ wird erklärt, was diese bis zu zwei Meter hohen Blumen mögen: „Humusreicher, tiefgründiger, lehmig-sandiger Boden und kräftige Herbst-Düngung mit Kompost, Steinmehl, Brennnesseljauche. Dabei den Boden etwas lockern und Dünger einarbeiten. Sonniger Standort, aber der Fuß sollte beschattet sein. Viel Wasser bei Hitze. Nach Blüte auf zehn bis 15 Zentimeter zurückschneiden und düngen, sie treiben wieder neu aus.“ Neulich habe ich meinen ersten Rittersporn geschenkt bekommen. Wenn ich obiges so lese, steigen die Befürchtungen, dass er es bei mir nicht lange machen wird. Vielleicht muss das so kommen, da mir Giftpflanzen im Garten etwas unheimlich sind.
Auf dem ökologisch bewirtschafteten Getreidefeld in Aurich wuchert der Acker-Rittersporn noch in Massen. Angst vor möglichen Vergiftungen durch Getreideprodukte muss deshalb niemand haben. Das Korn wird in der Mühle mit einem Trieur genannten Gerät von unerwünschten Samen gereinigt, verrät der Vaihinger Müllermeister Manfred Auch.
Dem Verschwinden der Ackerwildkräuter widmete sich schon Loki Schmidt in ihrer Rede zur Blume des Jahres, damals der Kornrade, im Jahr 2003: „Ich möchte aber wünschen, dass die ganze Ackerbegleitflora – und nicht nur die Kornrade – erhalten bleibt; sie ist ein Stück unserer Kultur- und Ackerbaugeschichte.“ Auf den modernen Feldern sei das zwar nicht mehr möglich, so die Pflanzenliebhaberin. Aber in manchen Botanischen Gärten und in Museumsdörfern sei Platz geschaffen für alte Kultur- und Getreidepflanzen und für die dazugehörige Wildflora. Und auf manchen Felder draußen zum Glück auch noch.
Selbst Bundeskanzlerin Angela Merkel zeigt eine Affinität zum Rittersporn. In einem Interview der Zeitschrift „Mein schöner Garten“ im Jahr 2008 antwortete die Kanzlerin, nach ihrer Lieblingsblume gefragt: „Ich mag sehr gerne Rittersporn, aber auch andere ländliche Blumen wie Mohn und Lupinen.“
Bei einer Aktion des Naturschutzbundes (Nabu) hat der Acker-Rittersporn im selben Jahr Sympathien auf sich gezogen. Er hat seine Mitbewerber bei der Aktion „Sag mir, wo die Blumen sind“ abgehängt und wurde zum Favoriten als Symbol für gefährdete Ackerwildblumen gewählt. Wenn er von der Bildfläche verschwindet, verabschieden sich auch Sommeradonisröschen, Haftdolde, Frauenspiegel und die Kornblume, lautet die Botschaft des Nabu.
Und nun nochmal zurück zu unserer Eingangsfrage, die da lautete „Mögen Sie Unkraut?“ Da liegt der Hase schon bei der Formulierung im Pfeffer. Richtiger hätte die Frage lauten können: „Mögen Sie das Wort Unkraut?“ Da könnte meinerseits ein klares Nein erklingen. Wenn schon, dann sollte die Rede von Wild- und nicht von Unkraut sein.
Obwohl, … da war doch was. Diese widerliche, unsägliche, gemeine – wie heißt sie noch – Quecke. Das Gras, das sich aus jedem Gartenwinkel herausquetscht. Mit unendlichen Wurzeln, die sich immer wieder zwischen unseren Blümchen hindurchklont. Pfui Teufel! Was für ein nerviges Unkraut!
Sabine Rücker
Anregungen zur Serie per E-Mail an
s.ruecker@vkz.de

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