Maschinen übernehmen die Mülltrennung

Erstellt: 1. Oktober 2014
Maschinen übernehmen die Mülltrennung Alles Müll: Über diese Förderbänder läuft Hausabfall, der später sortiert und weiterverarbeitet wird. Foto: Schmid

Vaihingen/Ölbronn – Rund und Flach. Zwei Begriffe, die den Menschen in der Region täglich unterkommen, wenn sie ihren Müll trennen. Fertig sortiert sind die Abfälle danach aber längst nicht: Die Endgültige Mülltrennung übernimmt ein Unternehmen in Ölbronn. Die VKZ erklärt was dort hinter den Kulissen passiert.

Papier und Plastikfolien sind zwei Stoffe, die eigentlich nicht zusammengehören. Und dennoch sieht das Müllsystem im Kreis Ludwigsburg und im Enzkreis vor, das beides in eine Tonne kommt. Ein Widerspruch, der in Wirklichkeit gar keiner ist. Denn wer in den eigenen vier Wänden seinen Müll trennt, sortiert ihn nur ganz grob vor.

Darum, das Papier und Plastik oder Glas und Dosen am Ende sauber voneinander getrennt werden kümmern sich in Ölbronn Menschen und Maschinen. Etwa 30000 Tonnen Rundmüll – also zum Beispiel Dosen, Flaschen und Tetrapaks – kommen beim Mülltrenner Sita jährlich an. Dazu kommen noch knapp 55000 Tonnen Flachmüll. Dieser setzt sich unter anderem aus Papier, Pappe und Kunststofffolien zusammen.

Rund- und Flachmüll werden von den Müllautos, die auch durch Vaihingen fahren, direkt nach Ölbronn gebracht. Dort wird der scheinbar wertlose Abfall erstmal in zwei getrennten Hallen eingelagert. Nach und nach geht jetzt die Sortierung los – am Ende müssen die einzelnen Stoffe so sauber voneinander getrennt sein, dass aus dem Müll neue Produkte entstehen können. Von wegen wertlos.

Zuerst klauben starke Männer alles das von den Laufbändern, was offensichtlich nicht in den Hausabfall gehört: Zum Beispiel Getriebe von Fahrzeugen, alte Schlitten, Bobby-Cars und manchmal sogar Schlachtabfälle. Über ein ausgeklügeltes System von Laufbändern, Sieben und anderen technischen Helfern geht die Reise für den Abfall weiter.

Der Rundmüll wird nach der Form sortiert. Der Weg von Gegenständen, die rollen und denen, die auf der Stelle liegen bleiben, trennt sich. Dann wird nach der Größe und nach Metall und Nichtmetall sortiert. Über dem Hauptlaufband beginnt ein weiteres zu laufen. Unter dem zweiten Band befinden sich Magnete, die Dosen und Co. anziehen. Alles was nicht angezogen wird, fällt am Ende des unteren Laufbandes runter. Was oben hängt, wird noch ein Stück weiter transportiert.

Und dann können auch noch spezielle Artikel aussortiert werden. Zum Beispiel Tetrapaks. „Die Laufbänder werden mit Infrarotlicht bestrahlt“, erläutert Joachim Hartmann, Chef des Ölbronner Sita-Standorts. Die Gegenstände auf dem Band reflektieren dieses Licht. Eine Kamera erkennt so, ob es sich um ein Tetrapak handelt, oder eben nicht. Wenn das System einen Treffer ermittelt, geht alles blitzschnell: „Ein Druckluftstrahl pustet das Tetrapak auf ein anderes Band“, sagt Hartmann. Das funktioniert auch bei durchsichtigen und farbigen Plastikflaschen und bei der Trennung von dunkler und heller Pappe.

Am Ende kommt wieder die Menschenhand zum Einsatz. Ganz sauber haben die Maschinen nicht gearbeitet. Deshalb müssen zahlreiche Frauen zum Beispiel noch das ein oder andere Plastikstück vom Dosen-Laufband nehmen. Und das geht ziehmlich flink: Sie überblicken die Bänder und greifen blitzschnell zu. Fast nichts entgeht ihren Augen. Danach werden die einzelnen Stoffe zu Ballen gepresst. „Die können super gelagert und transportiert werden“, sagt Hartmann.

Die Abläufe beim Flachmüll sind ähnlich. Nur, dass dort nicht zwischen Metall und Nichtmetall unterschieden wird. In dieser Sortieranlage kommt es noch mehr auf Formen, Größen und Stärke des Materials an. Papier wird von Pappe, Folien und Styropor getrennt – mit Maschinen und auch wieder von Hand. Damit zum Beispiel das Papier weiter verwendet werden kann muss aber auch die Schrift von ihm gelöst werden. „Das funktioniert mit einer speziellen Seifenmischung“, erläutert Joachim Hartmann.

Wenn die Mitarbeiter von Sita mit ihrer Arbeit fertig sind und alles sauber sortiert in Ballen eingelagert ist, dauert es meist nicht lange, bis die Reise für den Müll weitergeht. Das Papier kommt in Papierfabriken, die Dosen zu Dosenherstellern. Wohin die Dinge genau kommen, weiß aber selbst Hartmann nicht. „Denn wir sind nur der Dienstleister der den Müll sortiert.“

Philipp-Marc Schmid

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