Hitze, Hitze, Hitze

Erstellt: 1. Oktober 2014
Hitze, Hitze, Hitze Der Schweißer und seine Kollegen. Foto: Rücker

Bei unserer „Mission Hitze“ am 1. Juli 2010  soll geklärt werden, was die Menschen treiben, wenn es so heiß ist. Diejenigen, die sich in der abgedunkelten Wohnung verschanzen, haben wir nicht getroffen. Dafür wackere Arbeiter, rüstige Senioren und alberne Kollegen.

Eberdingen/Vaihingen (sr). Der Held in der Hitze ist Tekin Keles. Mit Sicherheitsjacke, Schweißerhandschuhen und Schutzmaske schweißt er unter der sengenden Sonne in einem engen Graben herum.
„Wenn ich erst mal angefangen habe zu schwitzen, dann macht’s mir nichts mehr aus“, kommentiert Keles seine Lage. Regen wäre noch schlechter, so der Mann der Rohrleitungsbaufirma Schäfer. In Nussdorf werden derzeit Wasser- und Wärmeleitungen verlegt. Für die Schwarzingenieure schwitzt Roland Knauß am Tachymeter. „Genug trinken“, lautet seine Devise. Und Vance Gazinkovski schafft für die Gebrüder Ezel bei 33 Grad Celsius im Schatten. Gefühlt sind das im prallen Sonnenschein ungefähr so viel Grad, wie Schweißdrüsen auf einem Quadratzentimeter Fußsohle. Nämlich rund 600.
Dort in der Martinstraße, bei den heißen Jungs der Baustelle, ist folglich erst mal kein Durchkommen zum Eberdinger Freibad. Also Klimaanlage hochdrehen und ab nach Riet. Die Mission, eine Geschichte über Hitze anzuschleppen, muss erfüllt werden. Am Ortsausgang des kleinsten Vaihinger Stadtteils stechen im Vorbeifahren zwei Männer ins Auge. Entspannt lehnen die beiden an einem Bus der Firma Flattich-Reisen und befassen sich mit Eimerchen voll Kirschen. Aufteilen, essen, nochmal aufteilen, nochmal essen. Das ist bei den Temperaturen eine sinnvolle Tätigkeit. Also anhalten und nachhaken.
Die Kirschen, die sind von einem Kollegen. Goran Tolic und Senel Demircan werden gleich einen Linienbus besteigen und ihren Dienst als Busfahrer antreten. Wie heiß wird’s in den Linienbussen? „Es ist wunderbar, alle Busse sind voll klimatisiert“, sagt Tolic. Auch die Fahrgasträume. Alle, bis auf die großen Gelenkbusse.
Trotzdem ist das Fahren bei über 30 Grad eine Herausforderung. Tolic: „Da fahren alle wie bekloppt.“ Als Ursache vermutet er, dass die Leute mit der Hitze nicht umgehen können. „Wir aus dem Süden haben’s da leichter“, schlussfolgert der Kroate. Sein Tipp für geplagte Mitteleuropäer: Baumwolle und heißer Tee. Die Faser vermutlich zum Anziehen, den heißen Tee zum Trinken? Das klingt momentan so attraktiv, wie Fahrrad fahren.
Stephan Schuhmacher sieht das anders. Am Ortsrand von Eberdingen wird er gegen 14 Uhr vom Fahrrad gewunken und ein Opfer der Zeitungsmission Hitze. Bereitwillig gibt er mit Hilfe seines „Bordcomputers“ Auskunft. Seit 8.50 Uhr hat er 110 Kilometer zurückgelegt. Mit seinem Drahtesel hatte er die Großeltern bei Möckmühl besucht und jetzt geht’s wieder heim nach Malmsheim. „Geil“, sagt er zu den Temperaturen.
Der Mann ist suspekt. „Das ist genau mein Wetter“, fügt er noch hinzu. Immerhin: Sehr viel wärmer dürfte es auch nach seinem Geschmack nicht sein. Noch ein Schluck und der Rest seiner vier Liter Trinkflüssigkeit sind weg. Schuhmacher: „Das verdunstet komplett.“
Bei mir verdunstet auch ohne Sport genug. Transpirierend nähere ich mich anschließend dem Eberdinger Freibad. Kurz vor Erreichen des Ziels blitzt ein blau gemusterter Kittelschurz in einem Vorgarten auf. Emma Siegel aus Eberdingen zupft Träuble. „Die sind reif und müssen weg, sonst fallen sie ab“, sagt die Seniorin. Gluthitze hin oder her. Auf dem Feld beim Futterrüben felgen, da schütze ein Käppchen vor dem Hitzschlag. Respekt!
Was bin ich doch für ein Jammerlappen. Schnell ins heruntergekühlte Auto. Ahhhh. Bei Bademeister Rafael Mahler im Eberdinger Freibad angekommen, möchte man sich die Kleider endlich vom Leib reißen und in die 26 Grad kühle Flüssigkeit hüpfen. Notfalls auch mit Klamotten. Liebe Kollegen, kein Neid, ich hab’s nicht getan.
Richtig gut hat’s da der kleine Maximilian. Nackig strampelt der sechs Monate alte Bursche vor sich hin. Noch benetzt vom bis zu 30 Grad warmen Wasser des Kinderplanschbeckens. Bruder Lukas und Mama Andrea sehen ebenfalls nicht unglücklich aus. Extra aus Ditzingen kommt die Mutter mit ihren Buben angefahren. Es sei alles schön übersichtlich im Eberdinger Freibad, da müsse man sich als Eltern keine Sorgen machen. Außerdem schlafen die Kinder nach dem Schwimmbadbesuch immer gut.
Ich würde auch gut schlafen. Am besten gleich, unterm großen Kastanienbaum. Nur ganz kurz vorher mal ins Wasser tauchen… „Wir haben Solarthermie auf den Umkleidekabinen“, sagt Bademeister Mahler und reißt mich brutal aus meinen Träumen. Der Schweiß tropft in die Kamera. Ein Bildchen noch von den beneidenswerten Nussdorfern Karin Sutter und Töchterchen Leonie.
Danach steuert meine tiefgekühlte Blechbüchse den Vaihinger Köpfwiesenparkplatz an. Mit letzter Kraft schleppe ich mich zum Marktplatz. Etwas Kaltes, ich brauche etwas Kaltes. Ein schockfarbenes Wassereis, das muss jetzt sein. Pfeif auf bio und gesund, es geht ums nackte Überleben. Nur noch wenige Stufen bis zur Redaktion. Die Rettung naht aber nicht, denn dort oben ist es noch heißer als draußen. Es gibt nur einen Hoffnungsschimmer: unseren VKZ-Buchhalter Walter Buck.
Manchmal treibt ihn eine Anwandlung von Schabernack einen Stock tiefer, zu uns, die wir über unseren Tastaturen dampfen. Die Sprühflasche in seiner Hand kommt frisch aus dem Kühlschrank. Er drückt beherzt den nassen Schwall aus der Flasche. Ein-, zwei-, dreimal. Wir jauchzen auf. Die Computer auch.
Es qualmt und zischt
und der Bildschirm, der erlischt.
Die Redaktion kriegt hitzefrei
– Buchhalter Buck ist nicht dabei.
Und die Moral von der Geschicht’
es ist zu heiß für ein Gedicht.

Haben Sie besondere Tipps, wie der Hitze begegnet werden kann? Schreiben Sie uns oder schicken Sie Bilder davon ein, wie Sie und Ihre Lieben oder auch die Kollegen die heißen Tage überstehen. E-Mail an info@vkz.de, Postanschrift: VKZ, Marktplatz 15, 71665 Vaihingen. Absender nicht vergessen.

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