Das Fahrrad mit dem Schub

Erstellt: 1. Oktober 2014
Das Fahrrad mit dem Schub Gabriele Brenner fährt. Foto: Rücker

Gestern ließ sich der Unterschied zwischen Fahrrad fahren ohne und Fahrrad fahren mit elektrischem Antrieb an der Mimik ablesen. Beim Pedelec-Kurs unterm Kaltenstein wurden Glückshormone ausgeschüttet.

 „Ich fahr’ jetzt erst mal eine Runde ohne, zum Kennenlernen, wie beim Pferd“, ruft Gabriele Brenner im Vorbeifahren. Dann schaltet sie an ihrem Elektrofahrrad den Hilfsmotor an. „Oha, das geht aber schnell“, jauchzt die Frau aus Oberriexingen und biegt in die nächste Gerade ein.
Gestern wurde auf dem Gelände der Vaihinger Verkehrswacht das Pedelec vorgestellt. Pedelec ist eine Wortschöpfung aus Pedal Electric Cycle. Dabei handelt es sich um ein Fahrrad mit Elektromotor. Im Gegensatz zu einem E-Bike, das auch ohne Treten angetrieben werden kann, gibt der Pedelec-Motor ohne das Strampeln des Radlers keine Leistung ab. Das Pedelec ist führerscheinfrei, wenn der Motor nur bis zu einer Geschwindigkeit von maximal 25 Kilometer pro Stunde unterstützt. Beim gestrigen Kurs informierten die Polizeidirektion Ludwigsburg, die Deutsche Verkehrswacht und Zweirad Fischer aus Vaihingen über das Fahrrad mit Trethilfe.
Seit rund 15 Jahren mischt das Elektrofahrrad im Marktgeschehen mit und gewinnt zunehmend an Beliebtheit, sagt Walter Fischer vom gleichnamigen Betrieb. Gemeinsam mit seinem Sohn Martin übernimmt er die technische Einweisung und stellt fünf der Vehikel zur Verfügung. Das Pedelec ist keineswegs nur ein Fortbewegungsmittel für Senioren. „Sie werden erstaunt sein, wie super das ist“, sagt Martin Lutz, Verkehrserzieher bei der Polizeidirektion Ludwigsburg. Gemeinsam mit Kollege Kurt Biebl informiert er darüber, was Radler für ihre Sicherheit tun können. Einige Tipps: Immer das Licht anschalten. Helm aufsetzen und Reflektoren zwischen die Speichen klemmen.
Mit einem der Proberäder nähert sich Jürgen Brenner draußen auf dem Übungsparcours den Fahrradprofis Fischer und ruft: „Des Ding isch der Wahnsinn.“ In der Mitte strampelt der Mensch, von hinten schiebt der Motor. „Wie der schiebt!“ Brenner spielt mit dem Gedanken, sich ein Pedelec für die Fahrt zum Arbeitsplatz zu kaufen. Von Oberriexingen nach Schwieberdingen, das würde nur mit elektrischer Unterstützung richtig Spaß machen. „Diese Kraft ist schon phänomenal“, schwärmt Brenner.
Das Pedelec ist ein Fahrrad mit Elektromotor und Akku, einer Steuerelektronik und einem Kraftsensor. Bleibt der Motor ausgeschaltet, fährt das Pedelec wie ein ganz normales Fahrrad. Schaltet der Radler den Motor zu, melden Sensoren ob und wie viel Trethilfe nötig ist.
Motor und Akku können an unterschiedlichen Stellen sitzen. Front-, Mittel- oder Hinterradmotor. Fischer: „Aus meiner Sicht ist der Mittelmotor vorzuziehen.“ Außer für eher sportliche Fahrer, da biete sich der Bionx Hinterradmotor an. Rund 22 bis 28 Kilogramm wiegt das Pedelec, dem Akku fallen davon circa 1,5 Kilogramm zu. Ein Fahrrad ohne Elektromotor bringt bis zu 17 Kilogramm auf die Waage. Technisch gute Pedelec sind ab 1800 Euro zu haben, sagt Zweiradexperte Fischer. Da spielt das Thema Diebstahlschutz eine Rolle. Ein hochwertiges Schloss, das nach einer guten Beratung gekauft wird, empfiehlt Verkehrserzieher Martin Lutz.
Fragen der Teilnehmer zu dem Gefährt: „Ich habe ein gutes Fahrrad, kann ich das nachrüsten?“ Das würde theoretisch gehen, koste aber ab 1500 Euro ohne Einbau, erklärt Fischer. „Gibt es Pedelec-Anbieter aus Deutschland?“ Fischer: „Das ist ein wunder Punkt. 90 Prozent der Einzelteile kommen aus asiatischen Ländern.“ Wenige Firmen bauen in Deutschland zusammen. „Wieso brauche ich überhaupt noch einen Dynamo?“ Der muss dabei sein, das sei eine Vorschrift des Bundeskraftfahramtes. „Was hat es mit dem Akku auf sich?“ Kein Memory-Effekt mehr, eine Reichweite von bis zu 80 Kilometer bei mittlerer Unterstützung des Fahrers.
Draußen zieht Gabriele Brenner ihre Bahnen. „Es macht ganz arg Spaß, wenn man losfährt und bei den Steigungen“, sagt sie.
Bei dem Preis müsse aber schon überlegt werden, ob eine Anschaffung sich überhaupt für den geplanten Einsatz lohnt. Ehemann Jürgen unternimmt derweil wenige Meter von ihr entfernt Bremsversuche.
„Was schon vorbei?“, entfährt es ihm, als er das Vehikel am Ende der Veranstaltung abgeben soll. Besonders der Hinterradantrieb von Bionx hat es ihm angetan. Brenner: „Das ist quasi der Mercedes…“ Martin Fischer ruft aus dem Lieferwagen, in dem die Pedelecs verschwinden: „Der Ferrari!“
Walter Fischer verbreitet Hoffnung unter denen, die Blut geleckt haben. Wer vor einer Kaufentscheidung nochmal testen will, „kann ruhig eine halbe Stunde durch die Gegend fahren“. Denn – wie ruft eine der Teilnehmerinnen an der Steigung: „Nur fliegen ist schöner!“ / 5.8.2010 (sr)

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