Zum runden Geburtstag helfen die Leser

Spenden für die Lebenshilfe Vaihingen-Mühlacker – Schirmherrschaft über die Aktion hat Landrat Karl Röckinger

Von Uwe Bögel Erstellt: 11. November 2017
Zum runden Geburtstag helfen die Leser Die Lebenshilfe Vaihingen-Mühlacker wird 50 Jahre. Zum Auftakt des Jubiläums will die VKZ-Weihnachtsaktion die vielfältigen Aufgaben unterstützen. Fotos: Lebenshilfe

Als Lebenshilfe für geistig Behinderte Kreisvereinigung Vaihingen/Enz ging der Verein an den Start. Im kommenden Jahr kann die Lebenshilfe Vaihingen-Mühlacker ihr 50-jähriges Bestehen feiern. Eines hat sich zu den Anfangsjahren aber nicht geändert: Es fehlt nach wie vor an Geld. Die VKZ-Weihnachtsaktion sammelt deshalb Spenden für die Lebenshilfe.

Vaihingen. Wir verbinden Menschen – mit diesem Slogan startet die Lebenshilfe Vaihingen-Mühlacker e.V. in ihr Jubiläumsjahr 2018. 50 Jahre erfolgreiche Arbeit für Menschen mit Behinderung sind geschafft! Eine Arbeit für Menschen, die nicht immer in der Lage sind, für sich selbst zu sprechen. Eine Arbeit für Eltern und Angehörige, die ihre Kraft über die Maßen für die Versorgung ihrer Kinder mit Behinderung einsetzen. Eine Arbeit für die Gesellschaft, die Menschen mit Behinderung in kleinen Schritten Teilhabe ermöglicht.

Auch nach 50 Jahren wird der Verein mit seinen zahlreichen haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern nicht müde werden, Menschen mit Behinderung auf dem Weg hin zur Selbstbestimmung und Teilhabe zu begleiten und zu ermuntern. Die VKZ-Weihnachtsaktion will deshalb helfen, die vielfältigen Aufgaben der Lebenshilfe für Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit Behinderung in den Bereichen Bildung, Wohnen und Freizeit im Raum Vaihingen und Mühlacker zu unterstützen.

Die Schirmherrschaft für die VKZ-Spendenaktion hat bereitwillig Enzkreis-Landrat Karl Röckinger übernommen. Röckinger: „Ich übernehme sehr gerne die Schirmherrschaft für die Spendenaktion der Vaihinger Kreiszeitung, denn die Lebenshilfe Vaihingen-Mühlacker leistet seit mehr als 50 Jahren erfolgreiche und wertvolle Arbeit für Menschen mit Behinderungen. Für Menschen, die nicht immer in der Lage sind, für sich selbst zu sprechen und für ihre Rechte einzutreten. Ich selbst gehörte dem Vorstand viele Jahre an. Im Enzkreis rückten die Belange von Menschen mit Behinderung 1973 mit der Wahl von Dr. Heinz Reichert zum Landrat mehr und mehr in den Fokus der Verwaltung und des Kreistages. Als Vater eines behinderten Sohnes (er-) kannte er die Lücken im System selbst nur zu gut. Seitdem wurden zahlreiche Angebote in den Bereichen Bildung, Wohnen, Arbeiten und Freizeit mit tatkräftiger Unterstützung des Kreises geschaffen. Die Lebenshilfe Vaihingen-Mühlacker war dabei stets ein wichtiger und verlässlicher Partner. Heute bietet sie sowohl im Enzkreis als auch im Kreis Ludwigsburg vom inklusiven Kindergarten bis zur Betreuung von Senioren vielfältige Leistungen und deckt damit alle Altersgruppen und Lebensbereiche von Menschen mit Behinderungen ab. Geänderte Rahmenbedingungen verlangen Veränderungen. Alle Beteiligten sind daher aufgefordert, den Weg von der Fürsorge und Bevormundung hin zur Selbstbestimmung und Teilhabe im Sinne der UN-Behindertenrechtskonvention weiterzugehen und mitzugestalten. Den Verantwortlichen der Lebenshilfe Vaihingen-Mühlacker wünsche ich dafür weiterhin großen Mut und Entschlossenheit, aber auch Augenmaß und viel Fingerspitzengefühl.“

Die Lebenshilfe Vaihingen-Mühlacker e.V. wurde im Jahre 1968 als Selbsthilfevereinigung mit dem Ziel gegründet, Angebote, Einrichtungen und Dienste zu fördern, die eine wirksame Hilfe für Menschen mit Behinderung aller Altersstufen bedeuten. Frei nach dem Grundsatz „Leben so normal wie möglich“ setzt sich der Verein dafür ein, dass jeder geistig behinderte Mensch so selbstständig wie möglich leben kann und dass ihm soviel Schutz und Hilfe zuteil werden, wie er für sich braucht. Maßgebend dafür sind seine Persönlichkeit, seine Bedürfnisse und Fähigkeiten, die sich aus Art und Schwere der Behinderung ergeben.

Adolf Greinert initiiert den Start der Lebenshilfe

Der damalige Kleinglattbacher Pfarrer Adolf Greinert initiierte den Start der Lebenshilfe; die Gründungsversammlung war in der Kreisberufsschule in Mühlacker. Unterstützung gab es durch den damaligen Landrat Erich Fuchslocher. Auch Tom Mutters, der bundesweit für die Hilfe für Behinderte warb, hielt einen Impulsvortrag. „Es gab bis dato hier noch keine Anlaufstelle für Behinderte und ihre Angehörigen“, so Sandra Sailer, Geschäftsführerin der Lebenshilfe Vaihingen-Mühlacker mit Sitz in Lomersheim. Schnell gab es eine Werkstattgruppe für Erwachsene in Kleinglattbach, eine Sonderschulgruppe in Illingen und einen Sonderschulkindergarten in Kleinglattbach. Heute hat der Verein Lebenshilfe Vaihingen-Mühlacker mit seinen 266 Mitgliedern – Vorsitzende ist Gabriele Higer – fast 70 fest angestellte Mitarbeiter und 100 bis 150 Ehrenamtliche, die sich professionell um die Menschen mit Behinderung kümmern. „Das Pionierhafte der Anfangsjahre ist in der Zwischenzeit verloren gegangen“, sagt Sailer. Die Lebenshilfe betreut aktuell den integrativen Kindergarten Blumenwiese in Vaihingen und das integrative Kinderhaus Villa Emrich in Mühlacker mit zusammen 26 Plätzen. Die Offenen Hilfen im Spitalhof in Vaihingen bieten einen familienentlastenden Dienst, Freizeitclubs, Kurse, Wochenend- und Urlaubsreisen für Behinderte, Sportangebote und Beratungsangebote für alle Altersgruppen an. Mit den Offenen Hilfen werden rund 120 Kinder, Jugendliche und Erwachsene bedient. Ein großer Aufgabenbereich ist auch der Komplex Wohnen. In den beiden Wohnheimen in Kleinglattbach und in Lomersheim leben insgesamt 41 Menschen mit Behinderung aller Altersstufen. Sie arbeiten in aller Regel in den nahe gelegenen Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM). Auch nach der Berentung bleiben sie im Regelfall in der vertrauten Umgebung. Die Lebenshilfe sorgt für eine qualifizierte Tagesbetreuung. Seit Herbst 2006 steht ein Neubau in Mühlacker für eine Außenwohngruppe von acht Personen zur Verfügung. „Beim ambulanten Wohntraining bereiten wir Menschen mit Behinderung gezielt auf eine Wohnform außerhalb eines Wohnheims vor. Im Idealfall ist dies ein ambulant betreutes Wohnen in der eigenen Wohnung“, so Sailer. Im Herzen von Vaihingen, im Spitalhof, stehen seit Frühsommer 2010 sieben Plätze im Rahmen des ambulant betreuten Wohnens in einer Wohngemeinschaft zur Verfügung. Zielgruppe sind Menschen mit geistiger Behinderung, die selbstständig wohnen möchten, aber im Alltag mehr Ansprache und Anleitung möchten, als es alleine in einer Wohnung ermöglicht werden kann.

Zu großen Teilen finanziert werden die Wohnangebote der Lebenshilfe von den Landkreisen als Sozialhilfeträger. Für einen Wohnheimplatz gibt es vom Enzkreis beziehungsweise vom Landkreis Ludwigsburg je nach Hilfebedarfsgruppe zwischen 1500 und 3000 Euro im Monat. Auch für die Kindergartenplätze gibt es entsprechende Gelder. Geschäftsführerin Sandra Sailer: „Aber alles was über dieses Basisangebot hinaus geht, dafür brauchen wir Spenden, beispielsweise für ein Spielgerät im Kindergarten-Außenbereich.“

Im laufenden Betrieb auf Spenden angewiesen sind die Offenen Hilfen. Hier gibt es keine geregelte Finanzierung wie bei den Wohnstätten – hier gibt es mal Geld vom Land, vom Kreis, von der Pflegeversicherung. Sailer: „Dieser Bereich ist aber nie kostendeckend finanziert.“

In den nächsten Wochen stellt die VKZ den Vaihinger Kindergarten Blumenwiese, die Offenen Hilfen im Spitalhof und das Wohnheim in Kleinglattbach vor.

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