„Wir sind wirklich sehr dankbar für jede Spende“

Mitarbeiter der Diakonischen Bezirksstelle Vaihingen berichten

Von Sabine Rücker Erstellt: 24. November 2018
„Wir sind wirklich  sehr dankbar für jede Spende“ Michael Marek ist Geschäftsführer der Diakonischen Bezirksstelle Vaihingen und betreut auch selbst Klienten. Foto: Rücker

Vaihingen. Michael Marek schildert im Artikel unten die Geschichte einer alleinerziehenden Mutter, die sich mit zwei Jobs und dem Kindergeld knapp über dem Hartz IV-Satz hält. Darauf sei die Frau auch stolz, sagt der Geschäftsführer der Diakonischen Bezirksstelle in Vaihingen. Als es dann aber aus der finanziellen Not heraus drei Jobs werden, sucht die zweifache Mutter Hilfe bei der Diakonischen Bezirksstelle. Dort kann ihr mit Geld aus dem Nothilfefonds geholfen werden.

Diesem Nothilfefonds kommen in diesem Jahr die Spenden der VKZ-Weihnachtsaktion zugute. „Wir sind wirklich sehr dankbar für jede Spende, weil es uns die Möglichkeit gibt, aktiv und unbürokratisch zu helfen und weil wir die Mittel sonst nicht haben“, sagt Marek. Es gebe wirklich Fälle, in denen sich die Menschen aus der finanziellen Notlage und der daraus resultierenden Verzweiflung heraus das Leben nehmen wollen. Wenn dann jemand kommt und sagt, es geht weiter, wir können dir helfen, und dass es für finanzielle Probleme Lösungen gibt, dann schöpfen die Menschen wieder Hoffnung, erklärt Marek. „Das Geld ist oft der Anknüpfungspunkt“, sagt der Diakon. Aber er betont auch, dass die Bedürftigkeit der Klienten ganz genau geprüft werde. „Bevor wir jemand Nothilfe zuteilwerden lassen, müssen die Menschen ihre finanzielle Situation offen legen“, sagt Marek. Vor der Armutsfalle sei keiner gefeit. Beispielsweise durch Scheidung, Tod des Partners oder auch im Alter könne jeder in die Situation kommen, „dass er hier bei uns um Hilfe fragt“, so Marek weiter. Die Beratung stehe jedem offen.

Ebenfalls auf dieser Seite schildert Michael Mareks Kollegin Andrea Magenau den Fall einer Seniorin, die nach einem bewegten Leben immer einsamer wurde. Nachbarn seien darauf aufmerksam geworden, dass Frau M. sich immer weniger blicken ließ. Nachbarn hatten schließlich auch den Kontakt zur Diakonischen Bezirksstelle in der Heilbronner Straße hergestellt. „Die Seniorin kam dann regelmäßig zu uns, in den Tafelladen und ins Tafelcafé. Sie ist wieder aufgeblüht“, berichtet Bezirksstellenleiter Marek. Damals sei man mit der Nothilfe eingestiegen, habe aber auch therapeutisch gewirkt und die Klientin motiviert. Inzwischen gehöre die ältere Dame „jetzt voll zur Gemeinschaft dazu“, freut sich der Diakon.

 

Die Sozialarbeiterin Andrea Magenau berichtet von einer Seniorin, die in der Sozial- und Lebensberatung der Diakonischen Bezirksstelle Vaihingen Hilfe suchte und fand. Aus dem Nothilfefonds der Diakonie wurden hier zum Beispiel die Gebühren für die Passverlängerung übernommen, welche die alte Dame nicht selbst bezahlen konnte.

„Stellen Sie sich vor, Sie haben Geburtstag, und es ist niemand da, mit dem Sie feiern können. Ein bedrückender Gedanke. Für Frau M. ist das Realität. Sie ist 76 Jahre alt geworden. Früher war sie aktiv, hat sich viel für andere eingesetzt, war viel unterwegs, lebte längere Zeit im Ausland. Sie hat immer gearbeitet und zwei Kinder nach der Scheidung alleine großgezogen und nun ist sie älter und immer einsamer geworden. Die Rente reicht nicht aus und deshalb erhält Frau M. noch Grundsicherung im Alter. Das wird vom Sozialamt bezahlt. Es reicht mehr schlecht als recht. In diesem Jahr ist ihr Weihnachtsbaum kaputtgegangen. Natürlich war das kein echter, aber für einen Ersatzbaum war das Geld erst einmal nicht da. Frau M. merkt, dass sie älter wird. Dinge fallen ihr schwerer als früher. Die körperlichen und geistigen Kräfte lassen nach. Das ist nicht leicht auszuhalten, wenn man immer eine Kämpferin war. Frau M. kauft regelmäßig in der Vaihinger Tafel ein. Das hilft, um besser über die Runden zu kommen. Und sie weiß, wenn sie Fragen hat oder Unterstützung braucht, kann sie bei Herrn Marek oder mir vorbeikommen. Wir helfen ganz unkompliziert, wenn es mal darum geht zu verstehen, was in Briefen steht, Anträge zu schreiben oder offene Fragen zu klären. Manche Probleme machen Frau M. Sorgen. Wenn man alles für sich alleine ausmachen muss, übernehmen die Sorgen dann manchmal das Kommando. Dann tut es ganz gut mit jemandem reden zu können, der vielleicht einen anderen Blickwinkel oder noch andere Ideen hat. Als die Passverlängerung anstand, bekam Frau M. von der Diakonie nicht nur Rat, sondern auch das Geld für die Gebühren. Wochenlang hatte Frau M. diese Sorge mit sich herumgetragen. Auch in anderen Dingen erhält Frau M. Unterstützung. Ganz aktuell konnten wir zum Beispiel dabei helfen, einen Antrag auf Pflegeeinstufung zu stellen und waren auch dabei, als der Medizinische Dienst kam. Das hilft schon enorm im Alltag.“

 

Der Geschäftsführer der Diakonischen Bezirksstelle Vaihingen, Michael Marek, erzählt von einer zweifachen Mutter, die er in der Sozial- und Lebensberatung betreut.

 

„Frau T. ist das erste Mal in der Sprechstunde der Diakonischen Bezirksstelle. Eine Nachbarin begleitet sie. Denn alleine hätte sie sich nicht getraut. Niemand redet gerne über seine Probleme. So wollte auch Frau T. alles selbst auf die Reihe kriegen. Aber sie hat es nun doch nicht mehr geschafft. Doch sie merkt, dass hier ein Ort ist, wo sie Hilfe bekommt und wo sie vertrauen kann. So erzählt sie ihre Geschichte: Ihr Mann konnte aufgrund einer schweren Erkrankung nicht mehr arbeiten. Das hat ihn sehr belastet. Finanziell ging die erste Zeit noch gut. Doch dann, als es kein Krankengeld mehr gab, wurde es schwierig. Das verkraftete er nicht und begann zu trinken. Auch wurde er immer aggressiver. Daran zerbrach die Ehe.
Nachzahlungen, Schulbedarfe, eine kaputte Waschmaschine und plötzlich geht nichts mehr
Nun ist Frau T. alleinerziehend mit den beiden Kindern. Sie hat zwei Jobs und mit dem Kindergeld liegt sie ganz knapp über dem Hartz IV-Satz. Darauf ist sie auch stolz. Nun kamen aber einige Rechnungen, die sie nicht mehr bezahlen konnte. Eine große Nachzahlung von Mietnebenkosten, Schulbedarfe, eine kaputte Waschmaschine. Plötzlich ging nichts mehr. So konnte sie auch den Strom nicht mehr zahlen. Sie suchte sich noch einen Job. Aber das reichte zum Zahlen der aufgelaufenen Schulden nicht. Nach sechs Monaten wurde der Strom abgestellt. Da war es für die Familie auch im übertragenen Sinne absolut dunkel. Hin und wieder holte sich Frau T. unerlaubt Strom von einem Nachbarn, damit sie kochen konnte. Aber das ist natürlich streng verboten. Ihr wurde bewusst, dass es so nicht mehr geht und sie Hilfe braucht. Mit den drei Jobs hat sie sich absolut selbst überfordert. Frau T. musste ja auch nach den Kindern schauen. Freunde, die ihr dabei mal zu Seite stehen würden, hatte sie keine mehr. Die Schule machte Stress, die Kinder verstanden die Welt nicht mehr. Alles wurde zu viel. Sie war ausgebrannt und völlig verzweifelt. In einer solchen Situation kann man Hilfen nicht auf die lange Bank schieben. Die Diakonische Bezirksstelle sagte eine Übernahme der Stromschulden aus dem Nothilfefonds zu. Durch ein Fax an den Energieversorger wurde zwei Tage später der Strom wieder angestellt. Für die anderen Schulden wurde ein Ratenplan ausgehandelt, der realistisch ist. Auch konnte ein Wohngeldantrag gestellt werden. Dabei zeigt sich, dass das Wohngeld genau der Betrag war, der Frau T. immer zum Leben gefehlt hatte. Frau T. bringt einen enormen Einsatz für ihre Familie. Trotzdem befand sie sich in einer gnadenlosen Abwärtsspirale, die sie verzweifeln ließ.
Dass die Notsituation so schnell gelöst werden konnte, gab ihr wieder Kraft. Die Kinder haben sich wieder stabilisiert. Sie können wieder Hausaufgaben machen und ihre Freunde wieder einladen. Frau T.’s Erkenntnis daraus war: ‚Man muss sich viel schneller Hilfe holen und dies auch annehmen, wenn man sie braucht. Gut, wenn so geholfen wird.‘“

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