Von Empfehlungen zu strengen Verboten

Die Coronakrise im Überblick: Die Pandemie hat den Alltag in und um Vaihingen binnen weniger Tage auf den Kopf gestellt

Von Claudia Maria Rostek Erstellt: 21. März 2020
Von Empfehlungen zu strengen Verboten Der Besuch von Spielplätzen ist verboten. Weil sich aber nicht alle daran halten, bringen die Gemeinden Hinweisschilder an oder sperren die Flächen ab wie hier in Sersheim (links) und Vaihingen (rechts). Fotos: Gemeinde Sersheim/Banholzer

Ende Februar gibt es den ersten Coronafall in Baden-Württemberg, wenig später auch im Landkreis Ludwigsburg. Fortan gehen die Meldungen Schlag auf Schlag ein: Veranstaltungen werden abgesagt, Schulen und Kitas geschlossen, Läden ebenso. Gestern meldet das Landratsamt den ersten Todesfall. Ein Überblick.

27. Februar: Kurz vor Ende der Faschingsferien empfiehlt das Kultusministerium Schülern und Lehrern, nicht in die Schule zu gehen, wenn sie in einem Coronarisikogebiet die freie Zeit verbracht haben. Dasselbe gilt für Kitakinder. Zu diesem Zeitpunkt zählen dazu unter anderem die norditalienische Lombardei, Venetien sowie verschiedene Regionen in China und Südkorea.

28. Februar: Das Landratsamt Ludwigsburg meldet den ersten Coronaerkrankten im Kreis. Der Mann aus Benningen befindet sich in häuslicher Quarantäne.

Ende Februar: Das Coronavirus veranlasst erste Leute zum Hamstern. Beim Edeka-Markt in Kleinglattbach gibt es Lücken bei haltbaren Produkten. Inhaber Jochen Arlt erzählt, dass rund 25 Prozent mehr Umsatz gemacht wird.

3. März: Der obere Rewe, der nach Schäden am Dach durch Orkan Sabine schließen musste, öffnet wieder und bringt sogleich eine Neuheit mit: Aushänge weisen daraufhin, dass „Bevorratung nur in haushaltsüblichen Mengen abgegeben“ werden könne. Vor allem bei Toilettenpapier, Zucker, Nudeln und haltbarer Milch greifen die Kunden zu.

4. März: Das Landratsamt Ludwigsburg meldet vier Coronafälle.

5. März: Die Regionale Kliniken Holding sagt für die kommenden vier Wochen alle Veranstaltungen ab. „Damit die Kliniken nicht zur Verbreitung der Corona-Infektionskette beitragen, werden aus Präventionsgründen Patienteninfoabende, Fortbildungen, Seminare sowie diverse Kurse abgesagt“, meldet die Pressestelle.

6. März: Beim Klinikum Ludwigsburg geht eine Corona-Teststelle in Betrieb. Die Vertreter des Arbeits- und Kommunikationsstabs im Landratsamt warnen bei der dazu stattfindenden Pressekonferenz vor Hysterie in der Bevölkerung. Die baden-württembergische Landesregierung ruft Reiserückkehrer aus Südtirol auf, zu Hause zu bleiben. Unterdessen sagt das Stromberg-Gymnasium seine für den 7. März geplante Jubiläumsfeier als Vorsichtsmaßnahme ab. Das Klinikum Ludwigsburg hat den ersten stationären Covid-19-Fall.

8./9. März: In Deutschland gibt es die ersten Corona-Todesfälle. Die Lange Nacht der Museen in Stuttgart findet wegen der Ausbreitung des Virus nicht statt. Das Landratsamt Ludwigsburg rät Kommunen, Events mit mehr als 1000 Besuchern abzusagen. In Vaihingen überlegt man, ob Musiknacht und Sportlerehrung stattfinden sollen. Auf dem Rathaus spricht man sich dafür aus. Andere entscheiden sich anders: Der TSV Enzweihingen verzichtet auf seine Jahresfeier. Der Lions Club Vaihingen verschiebt ein Konzert.

10. März: Baden-Württemberg zieht die Reißleine und kündigt an, Veranstaltungen mit mehr als 1000 Teilnehmern verbieten zu wollen. Eine entsprechende Verordnung soll auf den Weg gebracht werden. Die RKH-Kliniken reduzieren die Besucherzahlen. Pro Patient und Tag darf nur noch eine Person kommen.

11. März: Eine Veranstaltung nach der anderen wird abgesagt. Weder Vaihinger Musiknacht noch Sportlerehrungen finden statt. Oberriexingen streicht unter anderem die Markungsputzaktion. Der TSV Hochdorf verschiebt seine Mitgliederversammlung auf unbestimmte Zeit. Die RKH-Kliniken beschließen (mit wenigen Ausnahmen) einen generellen Besucherstopp.

12. März: Im Landkreis Ludwigsburg steigt die Zahl der Coronapatienten auf 25. In Vaihingen gibt es zwei Fälle. Die Stadt bildet einen Einsatzstab. Basketball-, Fußball, Handball- und Turnverbände setzen Spiel- und Wettkampfbetrieb aus.

13. März: Ein historischer Tag. Das Land Baden-Württemberg gibt bekannt, ab dem 17. März Schulen und Kitas zuzumachen.

14./15. März: In Oberriexingen gibt es zwei Coronafälle. Ein eigens für die Corona-Pandemie eingerichtetes Leitungsteam beschließt umfassende Maßnahmen: Bereits am 16. März schließen hier die Kitas und die Schule. Das Rathaus darf nur noch nach vorheriger Terminvergabe aufgesucht werden. Immer mehr Vereine und Veranstalter sagen ihre geplanten Aktionen ab. Läden werben für Hauslieferungen, um Menschen in Quarantäne zu versorgen.

16. März: Baden-Württemberg untersagt den Betrieb von Gaststätten mit Ausnahme von Speiselokalen, die mindestens 1,50 Meter Abstand zwischen Tischen oder Stehplätzen ausweisen. Nur einen Tag später tritt eine neue Corona-Verordnung der Landesregierung in Kraft.

17. März: Kitas und Schulen schließen. Die Vaihinger Stadtbibliothek und die Stadtteilbüchereien ebenfalls. Die Zahl der Coronapatienten im Kreis steigt auf 98. Der Kirchenbezirk Vaihingen-Ditzingen gibt bekannt, dass Trauerfeiern nur noch im Freien stattfinden. Gottesdienste werden abgesagt. Der Vaihinger Tafelladen bleibt bis auf Weiteres geschlossen. Jochen Arlt, Inhaber des Kleinglattbacher Edeka-Markts ordnet an, dass nur noch 15 Einkäufer auf einmal in den Markt dürfen.

18. März: Die Zahl der Coronafälle im Landkreis Ludwigsburg klettert auf 124 Fälle. Die Regionale Kliniken Holding möchte Ruheständler und junge Eltern aktivieren, um in Notsituationen ausreichend Personal zu haben. Die Geriatrische Tagesklinik in Vaihingen wird geschlossen.

19. März: Die Zahl der Erkrankten im Landkreis Ludwigsburg beträgt 176 Fälle. Binnen eines Tages kamen 52 neue hinzu. Die Altersspanne reicht von vier bis 93 Jahren. Das Kreisgesundheitsamt verzeichnet fünf Genesene. Die Stadt Vaihingen schließt das Rathaus mit allen Standorten sowie alle Verwaltungsstellen in den Stadtteilen für den Publikumsverkehr. Die RKH-Kliniken weiten den Besucherstopp auf Väter aus. Bei der Geburt dürfen sie noch dabei sein. Anschließende Besuche sind verboten.

20. März: Zur Unterbrechung der Infektionskette entfernt die Stadt Oberriexingen die Gießkannen auf dem Friedhof. Im Landkreis Ludwigsburg gibt es 190 Coronafälle. Eine 90-jährige Frau stirbt an den Folgen der Erkrankung.

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