Vom Gründerzentrum bis zum Wohnen für alle

Beim Bürger-Investoren-Dialog werden Ideen für die Nutzung des Areals zwischen Grabenstraße und Friedrichstraße in Vaihingen gesammelt

Von Uwe Bögel Erstellt: 23. Oktober 2019
Vom Gründerzentrum bis zum Wohnen für alle Blick auf das Areal in Vaihingen; rechts die Friedrichstraße, links die Grabenstraße. Foto: Kuhnle

Die Wohnbau Oberriexingen hat Anfang des Jahres das Areal Grabenstraße/Franckstraße/Friedrichstraße in Vaihingen gekauft. Rund 4000 Quadratmeter – eine der wichtigsten Flächen in der Stadtentwicklung, wie es Oberbürgermeister Gerd Maisch formulierte. Jetzt hatte der Investor zum sogenannten Bürger-Investoren-Dialog geladen.

Vaihingen. Am Montagabend kamen 80 Interessierte in das denkmalgeschützte Eckhaus Friedrichstraße 20, das ebenfalls zu dem Projektgelände gehört. Ebenso die alte Stallscheune Friedrichstraße 18, für deren Erhaltung sich bereits ein breites Bündnis formiert hat. Aber dazu gab es von Kim Hasenhündl, Geschäftsführer der Wohnbau Oberriexingen, noch keine eindeutigen Aussagen. Ein Bauforscher habe die Gebäude Friedrichstraße 20 und 18 per Laserscan aufgenommen. „Für die Erhaltung der Stallscheune wurde in den letzten 50 Jahren kein Geld in die Hand genommen. So sieht jedenfalls die Substanz aus“, so Hasenhündl. Deshalb sei der externe Bauforscher eingeschaltet worden, der letztlich über das denkmalgeschützte Objekt entscheidet. Hasenhündl: „Wenn es heißt, dass die Scheune Friedrichstraße 18 wirtschaftlich zu revitalisieren ist, dann folgt ein erneuter Bürgerdialog. Wenn es aber heißt, das Gebäude bricht morgen zusammen, dann ist das Thema durch.“

Am Montagabend standen aber beim ersten Bürger-Investoren-Dialog die Nutzungsmöglichkeiten im Vordergrund. Wie könnte das Gebäude Friedrichstraße 20 mit 140 Quadratmetern im Erdgeschoss, 140 Quadratmetern im ersten Obergeschoss und weiteren 180 Quadratmetern im Dachgeschoss genutzt werden? Welches Gewerbe wäre entlang der Grabenstraße möglich? Wie könnte eine Wohnbebauung im rückwärtigen Bereich zur Friedrichstraße hin aussehen? Was fehlt in Vaihingen? Kim Hasenhündl: „Wenn wir wissen, was für eine Nutzung wir haben wollen, dann erfolgt anschließend dazu die Architektur.“

Was für Vorschläge gibt es für das Gebäude Friedrichstraße 20? Vorgeschlagen wurde hier von den Bürgern ein gemeindepsychiatrisches Zentrum, Praxen für einen Augen- und Hautarzt (ein Hautarzt residierte bereits einmal in dem Haus). Die Wohnbau Oberriexingen als Investor könnte sich hier auch – passend zum gegenüberliegenden Beraterhaus – ein Gründerzentrum vorstellen, quasi ein Start-up-Gebäude. Weitere Ideen wären eine betreute Alters-Wohngemeinschaft, ein Kulturzentrum, Praxen oder eine Wohnungsnutzung (eventuell Lofts).

Bei einer möglichen Gewerbenutzung entlang der Grabenstraße _ die Gebäude Grabenstraße 21 und Grabenstraße 27/1 sind noch im städtischen Besitz – gab es am Montagabend gleich eine ganze Reihe von Vorschlägen: Hotel, Boardinghouse, Nahversorger, Tegut, Jugendherberge, ein Treffpunkt, ein Biergarten, eine Markthalle und im Obergeschoss mietpreisgünstiges Wohnen.

Auch einen Unverpackt-Laden gibt es als Vorschlag

Das Einzelhandelskonzept und der Aufstellungsbeschluss für einen Bebauungsplan aus dem Jahr 2007 sieht hier zentrumsrelevanten Einzelhandel vor. Dabei geht es nicht um 80-Quadratmeter-Läden, sondern um einen großflächigen Einzelhandel, der auch für eine Frequenz in der Innenstadt sorgt. Das Ziel könne nicht sein, so der Investor, einen Einkaufsmarkt mit über 1200 Quadratmetern Fläche und 80 Parkplätzen zu bauen. Die Wohnbau Oberriexingen präsentierte am Montagabend diese Ideen: Bekleidungsgeschäft, Drogerie, Restaurant, ein Unverpackt-Laden, System-Gastronomie. Im Obergeschoss der Gewerbeeinheiten sei ein Pflegheim oder auch Arztpraxen möglich. „Eine Art Vitalis II“, wie es Kim Hasenhündl formulierte. Die Wohnbau hat auch das Ärztehaus Vitalis in der Gutenbergstraße in Vaihingen gebaut.

Eine Tiefgarage soll es für das Quartier Grabenstraße/Friedrichstraße auf jeden Fall geben. „Die Nutzung für das Gewerbe steht und fällt mit den Parkplätzen“, sagte auch ein Besucher. Man wolle die Vorgabe Einzelhandel auf jeden Fall umsetzen, so der Wohnbau-Geschäftsführer: „Aber das wird nicht einfach“. So erstreckt sich auch der Busbahnhof zu einem großen Teil vor die neuen Geschäftseinheiten.

Bei der Wohnbebauung im rückwärtigen Bereich hin zur Friedrichstraße gab es aus dem Publikum die Vorschläge für ein Mehrgenerationenhaus, preiswerten Mietwohnraum, Single- und Kleinstwohnungen, Urban Gardening, also die gärtnerische Nutzung von Flächen innerhalb Siedlungsgebieten, und Begegnungsflächen.

Die Wohnbau hatte in ihrem Portfolio familiengerechte Wohnungen, Mikroappartements, Alters-WG, das Wohnen von mehreren Generationen. Hasenhündl: „Wir könnten hier den gesamten Lebenszyklus abbilden.“

Ein renommiertes Architekturbüro, so die Wohnbau, soll jetzt unter Einbeziehung der Vorschläge aus der Bürgerschaft städtebauliche Konzepte für das innerstädtische Areal entwickeln. Drei Vorschläge sollten auf den Tisch kommen. Hasenhündl: „Wir wollen dann auch den Gestaltungsbeirat der Stadt einbeziehen“, so Hasenhündl.

Natürlich ist auch der Gemeinderat bei einem Bebauungsplanverfahren gefordert. Immerhin geht es auch um einen Meilenstein der Stadtentwicklung, so bereits im Frühjahr der Oberbürgermeister. Hasenhündl am Montagabend in der Friedrichstraße: „Wir wollen auf jeden Fall Wohnraum und Gewerbeflächen schaffen, die bezahlbar sind.“

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