Urlaubsgenuss zwischen Hegau, Höri und dem Hochrhein

Vera Gergen besucht die Bilderbuch-Landschaft nordöstlich des Bodensees und das Garten- und Künstlerparadies.

Erstellt: 3. Juni 2020
Urlaubsgenuss zwischen Hegau,  Höri und dem Hochrhein Vom Hegaukreuz blickt man im Vordergrund auf den Mägdeberg.

Von der Nordsee bis ins Allgäu: Der Urlaub vor der Haustüre ist in diesem Jahr angesagt. Zwar machen die Grenzöffnungen vielleicht auch eine Reise nach Spanien, Italien, die Türkei oder Griechenland möglich, doch der Urlaub wird bestimmt nicht so sein wie früher. Die Vaihinger Kreiszeitung beleuchtet deshalb in einer Serie die besten Ideen für Ferien im eigenen Land. VKZ-Mitarbeiterin Vera Gergen beschreibt heute den Urlaubsgenuss zwischen Hegau, Höri und dem Hochrhein.

Im Süden der Republik lockt nicht nur das schwäbische Meer mit der Künstlerhalbinsel Höri, sondern auch die liebliche Landschaft des Hegaus und Hochrheins. Alle drei bieten tolle Wandermöglichkeiten, viel Kultur und Kunstgenuss und können prima miteinander kombiniert werden.

Aus Feuer, Eis und Wasser sind sie im Laufe von Jahrmillionen entstanden, die bizarren Vulkankegel, die nordöstlich des Bodensees die Bilderbuch-Landschaft des Hegaus prägen. Der bekannteste ist der Singener Hausberg Hohentwiel mit seiner beeindruckenden Festungsanlage, die derzeit wegen eines Felssturzes jedoch unzugänglich ist. Beste Gelegenheit, fernab der Touristenströme die malerischen Nachbarn zu erkunden. Schließlich beherbergen der Hohenkrähen oder der Mägdeberg, beide bei Mühlhausen-Ehingen gelegen, gleichfalls interessante Ruinen auf ihren Gipfeln, mit ebensolch faszinierenden Panoramen auf die Umgebung.

Auch vom nahegelegenen Hegaukreuz auf 661 Meter Höhe eröffnen sich wunderbare Weitblicke auf die grünen Bergkegel und Burgen. Wer nach einer Besteigung des Hohenhewens zur Rast einkehren möchte, kann dies beispielsweise in der gemütlichen Altstadt von Engen, das durch seinen Park und die schön restaurierte Lupfenstraße bekannt ist. Junge Familien finden in der benachbarten Lochmühle Eigeltingen einen 400 Jahre alten Bauernhof mit außergewöhnlichem Abenteuerspielplatz und Streichelzoo oder können eine Kutsch- und Traktorfahrt buchen. Ein paar Kilometer weiter liegt mit dem Aachtopf die größte Karstquelle Deutschlands und bei Zitzenhausen kann man im schattigen Wald mit wanderfreudigen Kindern zudem die beeindruckenden Heidenhöhlen in den dortigen Molassefelsen erkunden.

Von dort bieten sich zwei weitere tolle Touren an, entweder am nördlichen Ufer des Überlinger Sees zum Aussichtspunkt und Biergarten Haldenhof oberhalb von Sipplingen oder gen Süden zur Burgruine Altbodman. Von dort ist es nur ein Katzensprung zum Wild- und Freizeitpark Allensbach, der mit über 300 in der Region heimischen Tieren, darunter Luchse, Schwarz- und Damwild, die Natur im wahrsten Wortsinn begreifbar macht.

Am westlichsten Ufer des Untersees, im mittelalterlichen Radolfzell, wartet derweil nicht nur ein Outlet-Center auf Shoppingbegeisterte, sondern auch viele nette Lädchen in der Altstadt. Naturliebhaber sollten sich dagegen einen Abstecher auf die Halbinsel Mettnau mit Ausblicken auf das angrenzende Naturschutzgebiet und die Insel Reichenau, den Gemüsegarten Süddeutschlands, nicht entgehen lassen. Im Mettnau-Park kann man übrigens die faszinierende Steinbalance von Volker Paul besichtigen, der diese uralte Kunstform der Menschheitsgeschichte in Perfektion beherrscht und damit ein frei zugängliches Kunstwerk geschaffen hat. Von dort ist es auf die Höri – bekannt als Garten- und Künstlerparadies – nicht mehr weit. Schon um 1900 entdeckten Schriftsteller das mediterran anmutende Idyll – Hermann Hesse, dessen Wohnhaus und Museum in Gaienhofen zu besichtigen sind, war einer der ersten. Ihm folgten zahlreiche Dichter und Maler wie beispielsweise Otto Dix, der in Hemmenhofen begraben ist. So lassen sich auf der Kunstroute am Untersee nicht nur die fantastische Landschaft selbst, sondern auch die aus ihr entstandenen Bildmotive zahlreicher Künstler entdecken. Weitere malerische Winkel mit besonderen Blickfängen finden sich am Yachthafen in Moos, an der Pfarrkirche St. Johann in Horn oder an der Uferanlage in Iznang, wo man übrigens auch ganz in der Nähe fangfrischen oder geräucherten Bodenseefisch erstehen kann. Vorbei an Öhningen-Wangen, wo ein rekonstruierter Pfahlbau Zeugnis frühester Siedlungsgeschichte gibt, geht es nach Kattenhorn. In der dortigen Petrus-Kirche hat Otto Dix ein einzigartiges Glasfenster mit dem Titel „Petrus und der Hahn“ geschaffen.

Gleich hinter dem Hauptort Öhningen kommt man dann zur Schweizer Grenze. Sollte diese wieder passierbar sein, darf ein Besuch der Mittelalterstadt Stein am Rhein mit wunderschön bemalten Fachwerkhäusern und der am Berg thronenden Burg Hohenklingen nicht fehlen. Auch die Klosterinsel Werd vor der Rheinbrücke am westlichsten Zipfel, die vom schweizerischen Eschenz aus zugänglich ist, ist definitiv einen Besuch wert. Will man den Grenzübergang vermeiden, geht es zurück über den Schienerberg und mit einem Abstecher auf die Aussichtsplattform des Galgenbergs bei Bohlingen weiter nach Gailingen am Hochrhein. Dort kann man durch Weinberge schlendern, im Rheinuferpark mit den vorbeifahrenden Schiffen um die Wette schwimmen oder im Wald oberhalb der Gemeinde zum Aussichtsturm Bürglischloss wandern – einmalige Ausblicke auf die alte Holzbrücke und das pittoreske Diessenhofen am gegenüberliegenden Flussufer inklusive.

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