Trotz Problemen wird 3G am Arbeitsplatz begrüßt

Wie handhaben Arbeitgeber in Vaihingen die seit gestern geltende Regel des neuen Infektionsschutzgesetzes? Eine Umfrage bei produzierendem Gewerbe, Einzelhandel und öffentlichem Dienst. Vor allem bei einer Vielzahl von Arbeitsstätten, wie bei der Stadtverwaltung, sind die gesetzlichen Vorgaben schwer umzusetzen.

Von Michael Banholzer Erstellt: 25. November 2021

Vaihingen/Kleinglattbach/Enzweihingen. Seit gestern gilt bundesweit die Regel 3G am Arbeitsplatz. Beschäftigte müssen somit vor dem Betreten ihrer Arbeitsstätte nachweisen, dass sie geimpft, genesen oder negativ getestet sind. Mit dem dem neuen Infektionsschutzgesetz soll die Ausbreitung des Coronavirus in den Büros und Betrieben eingedämmt werden. Den Impfstatus ihrer Beschäftigten durften Arbeitgeber bislang aus Gründen des Datenschutzes nicht erfragen. Das ändert sich nun, denn sie müssen sich versichern, dass 3G erfüllt ist.

Angesichts von einigen offenen Fragen geben sich viele Firmen eher zurückhaltend, was Äußerungen gegenüber der Presse angeht. „So kurzfristig können wir keine Stellung nehmen“, ist daher oft die Reaktion. Meist wird darauf verwiesen, dass die interne Abstimmung noch nicht abgeschlossen sei. Eine Rückmeldung gibt es aber gestern von der Firma Krempel mit Sitz in Enzweihingen. Dort sind rund 300 Personen beschäftigt. Er begrüße es, „dass mit der aktuell gültigen Regelung ein klarer gesetzlicher Rahmen für dieses wichtige Thema geschaffen wurde, der sowohl den Schutz der Gesundheit der Mitarbeitenden im Blick hat als auch die dauerhafte Aufrechterhaltung der Geschäftstätigkeit“, sagt Christian Reh, der Geschäftsführer der Krempel GmbH. Die Mitarbeitenden habe man früh zur Impfung ermutigt. So wurden im betriebseigenen Intranet oder über Aushänge auf Impfmöglichkeiten und Termine im regionalen Umfeld hingewiesen. Auch sei im Werk in Enzweihingen immer der Betriebsarzt ansprechbar. Die Einhaltung von 3G werde vor der Arbeitsaufnahme kontrolliert, erklärt Daniel Gehrmann von der Personalleitung. „Die Tests gliedern wir flexibel in unseren Betriebsablauf ein.“ Zu Menschenansammlungen wie sie bei einer Kontrolle am Einlass zu erwarten wären, soll es so nicht kommen. Die gesetzlichen Erfordernisse würden somit erfüllt. Das zeitversetzte Schichtsystem in der Fertigung komme Krempel entgegen. In kaufmännischen Bereichen arbeite bereits ein hoher Anteil im Homeoffice. Krempel organisiere außerdem für alle Mitarbeitenden über die gesetzlichen Vorgaben hinaus bis zu viermal in der Woche einen Schnelltest und übernehme die mit der Organisation und Beschaffung verbundenen Kosten. „Die Beschäftigten können sich also kostenfrei testen lassen, egal ob geimpft oder ungeimpft.“ Bei Verstößen sei die Rechtslage eindeutig. „Beschäftigte, die an einem Tag keinen Nachweis erbringen, können ihre Arbeit an diesen Tagen nicht aufnehmen“, betont Gehrmann.

Bei Edeka Arlt & Trostel sorgt die Neuregelung für keine große Aufregung. „Bei uns sind schon lange so gut wie alle geimpft“, sagt Beate Grau, die als Marktleiterin in Kleinglattbach mehr als 40 Mitarbeitende führt. Das sei aber auch in den Filialen in Illingen und Knittlingen nicht anders. Nur wenige Kollegen hätten sich bislang nicht impfen lassen und das aus Gründen von Vorerkrankungen. Diesen sei klar, dass sie von nun an morgens immer einen tagesaktuellen Test parat haben müssten, um eingelassen zu werden. Ansonsten riskierten sie, wieder nach Hause geschickt zu werden. Beate Grau dokumentiert alles in einem Ordner. Für die Ungeimpften wolle man in den nächsten Tagen die Möglichkeit schaffen, sich direkt vor Ort testen zu lassen. Schon in der Vergangenheit habe man schließlich allen Mitarbeitenden kostenlose Selbsttests zur Verfügung gestellt, berichtet Grau. Darüber hinaus versorge Jochen Arlt, der die drei besagten Edeka-Märkte betreibt, die Kollegen stets mit aktuellen Informationen über das Schwarze Brett oder die gemeinsame Whatsapp-Gruppe.

Sehr viel schwieriger sind die gesetzlichen Vorgaben für die öffentliche Verwaltung umzusetzen. Die Stadt Vaihingen ist mit rund 650 Mitarbeitenden einer der größten Arbeitgeber der Stadt. Und diese sind – anders als bei Fabriken oder Einzelhändlern – über etliche Arbeitsstätten im gesamten Stadtgebiet verteilt. Weiter verkomplizieren gleitende Arbeitszeiten sowie spezielle Arbeitszeitmodelle in den Kindertagesstätten die Situation. Es gebe vom Gesetzgeber keine Anweisungen, wie in diesem Fall zu verfahren sei, sagt Sprecherin Martina Fischer. Das größte Problem sei aber, dass es erst seit gestern gesetzlich erlaubt sei, von den Mitarbeitenden den (Impf-)Status zu erfragen. Dies bei jedem zu erfassen, werde ein paar Tage dauern. Erst dann könne eine umfassende Strategie erarbeitet werden, wie die Kontrolle aller Kollegen stattfinden soll. Denkbar sei, dass Mitarbeitende, die mittels Test Zugang zum Arbeitsplatz erlangen wollen, diesen frühmorgens an einer zentralen Stelle vorlegen. Bis das geklärt sei, übernähmen die jeweiligen Amtsleiter die Kontrolle in ihren Abteilungen. Kaum möglich sei dies allerdings bei den Verwaltungsstellen, in denen teils nur ein einziger Mitarbeiter sitze. „Wir sind am Rotieren“, beschreibt Martina Fischer die Suche nach praktikablen Lösungen. Oberbürgermeister Gerd Maisch und die Verwaltungsspitze hätten jede Gelegenheit genutzt, um Mitarbeitende zur Impfung aufzurufen. Der Druck müsse jetzt erhöht werden. Deshalb sei das Gesetz trotz aller Probleme „absolut richtig“.

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