Seemühle bald integrativ und mit eigenen Nudeln

Unternehmen Dreisamwerke wird als Pächter die Gastronomie in Roßwag voraussichtlich im Sommer eröffnen – Fünf Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung

Von Sabine Rücker Erstellt: 28. März 2019
Seemühle bald integrativ und mit eigenen Nudeln Brenner, Hünicke und Danner (von links) zeigen den Entwurfsplan.

Innerlich und äußerlich erneuert soll die Gastronomie in der Seemühle in Roßwag im Juli wieder an den Start gehen. Fünf Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung sind geplant. Nudeln und Maultaschen werden eine neue und besondere Rolle spielen.

Roßwag. „Seemühle 11“, das war bis zum November des vergangenen Jahres ein beliebtes Ziel nahe der B 10 in Roßwag. Im Restaurant mit Biergarten war in der Regel immer was los, bis die Brüder Thilo und Rob Karst ihr Engagement dort beendeten. Nun stehen die Nachfolger für den Gastronomiebetrieb in den Startlöchern: die Dreisamwerke gGmbH (siehe Infokasten).

„Die Seemühle wurde uns vom Eigentümer Ulrich Bosch für den Zweck des Integrationsbetriebes angeboten“, sagt Michael Brenner, Geschäftsführer der Dreisamwerke. Konkret handle es sich nur um die Gastronomie im Erdgeschoss mit Biergarten. Brenner kannte die Seemühle schon von Fahrradtouren, die ihn immer mal in die alte Heimat führten.

Denn der Sozialarbeiter und Betriebswirt ist in Kleinglattbach aufgewachsen und hatte auch schon in Gündelbach und Enzweihingen gewohnt. Man sei gleich rausgefahren und habe sich das angeguckt, ergänzt Michael Danner, ebenfalls Geschäftsführer der Dreisamwerke. „Wir waren ein paarmal da und haben gesehen, dass ziemlich Betrieb war“, erinnert sich Brenner. Man habe sich vorstellen können, da etwas Integratives zu machen.

Das Grundprinzip sei hierbei vergleichbar mit dem des Holderbüschles in Sachsenheim, einem Projekt der Initiative zur Schaffung von Arbeitsplätzen, kurz ISAK. Die Hälfte der Mitarbeiter sind Menschen mit, die andere Hälfte ohne Behinderung, blickt Danner in die Seemühlen-Zukunft. Fünf Arbeitsplätze für Menschen mit Handicap sollen in Roßwag entstehen.

Oberstes Ziel der Dreisamwerke gGmbH ist die Schaffung von sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätzen für schwerbehinderte Menschen auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt. „Mit Erfahrung und einer bewährten Kerngruppe entwickeln wir Arbeitsbereiche vom Catering über Hausmeisterdienste bis hin zu Handwerksarbeiten. Selbstverständlich achten wir dabei auf Nachhaltigkeit, Umwelt- und Sozialverträglichkeit“, heißt es auf der Homepage. Drei Projekte sind am Laufen beziehungsweise im Bau: die Verpflegung des UWC Robert Bosch College in Freiburg, eine Freibadgaststätte sowie eine Großküche in Waldkirch.

Fördermittel sind beantragt, unter anderem auch bei der Aktion Mensch 200 000 Euro. Die Entscheidung darüber wird demnächst erwartet. „Es sieht gut aus“, sind sich die Geschäftsführer einig.

Industriedesign mit Stahl und massiven Holzmöbeln als Interieur

Auf die Frage, wann der Start angepeilt ist, entfährt Brenner ein kurzes Lachen. „Das Entkernen ist ein bissle eine Überraschungskiste“, meint Danner erläuternd. „Geplant ist immer noch Juli“, sagt Brenner. Ein Generalunternehmen, das sich auf Gastronomiesanierung spezialisiert hat, hat schon deutlich Arbeit geleistet. Der gesamte Umbau ist mit 1,2 Millionen Euro netto geplant, knapp die Hälfte davon werden die Dreisamwerke übernehmen, die Restsumme der Eigentümer. Ab Fertigstellung sind die Dreisamwerke Pächter, sagt Danner.

Restaurantfachfrau Sindy Hünicke ist als Restaurantleiterin für die Dreisamwerke auch jetzt schon vor Ort. Sie prüft beispielsweise die Entwurfsplanung auf ihre Praxistauglichkeit. Nach Eintritt in den Gastraum rechter Hand, wo einst die Küche war, werden die Sanitäranlagen und Personalräume ihren Platz finden, erklärt Hünicke. Ein ehemaliger Lagerraum ganz links im Gebäude wird zur Küche umgebaut. Und in die Zukunft geschaut könnte in der jetzigen Schreinerei einmal ein barrierefreier Veranstaltungsraum entstehen.

Die Ausstattung der neuen Seemühle, die dieses Wort im Namen behalten soll, ist „Industriedesign mit Stahl und massiven Holzmöbeln“, sagt Danner. Der Biergarten bleibe erhalten, bekomme aber neues Mobiliar und man hoffe in Sachen Mühlerad auf den dazugehörigen Verein.

Den Koch habe man auch schon, er soll gemeinsam mit Restaurantleiterin Hünicke das gastronomische Konzept entwerfen. Wein und Bier aus der Region soll es geben, verrät Danner. „Da legen wir Wert drauf.“ Das Essen soll gut und regional sein, sagt Hünicke und fügt an: „Ich finde, dass man natürlich einen Rostbraten auf der Karte haben muss.“ Auch Vegetarisches kommt ins Angebot, bei dem man sich aufs Wesentliche beschränken möchte, „damit wir die Sachen gut, frisch und saisonal machen können“, so Hünicke.

Bei den Mitarbeitern mit festgestelltem Handicap handelt es sich um Menschen, die zu fit sind für Behindertenwerkstätten, für die jedoch der erste Arbeitsmarkt eine zu große Hürde darstellt. „Diese Lücke füllen Integrationsunternehmen“, erläutert Danner. Und diese Unternehmen müssen auch mindestens eine schwarze Null erreichen, so Danner.

Sobald die Mitarbeiter da seien, müsse man mit gesundem Menschenverstand und Sensibilität unter anderem schauen, welche Unterstützung eventuell noch nötig sei. Mit der Lebenshilfe habe man schon Gespräche geführt.

In diesem Zusammenhang spielen auch Teigwaren eine besondere Rolle. „Hast Du schon was zur Nudel gesagt?“ fragt Brenner seinen Kollegen. „Wir haben uns überlegt, dass wir hier Nudeln, Spätzle und Maultaschen produzieren wollen“, sagt Danner. Brenner erklärt die Hintergründe hierzu: Wenn der Betrieb zu hektisch werde für manche Mitarbeiter, könne man diese zum Nudeln abpacken quasi in eine Ruhezone holen.

Eine weitere Neuerung ist, dass im Biergarten Selbstbedienung eingeführt wird. Das heißt auf jeden Fall, dass an der Theke bestellt werden muss. Ein Mittagstisch ist geplant, also dass voraussichtlich mittags und abends geöffnet sein wird. „Es wird eine ganz normale, klassische Gaststätte: gute Qualität zu bezahlbaren Preisen“, fasst Michael Brenner zusammen.

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