Prüflinge gewappnet trotz Corona-Krise

Schulabschluss: Rektoren sehen Absolventen an Gymnasium, Realschule und Beruflichem Schulzentrum überwiegend gut vorbereitet

Von Claudia Rieger Erstellt: 23. April 2020
Prüflinge gewappnet trotz Corona-Krise Abstand halten ist bei Abschlussprüfungen ohnehin geboten, hier ein Archivbild der schriftlichen Deutschprüfung des Vaihinger Friedrich-Abel-Gymnasiums in der Stadthalle. In diesem Jahr gilt wegen der Corona-Pandemie ein Mindestabstand von 1,50 Metern. Foto: Archiv

In einer reichlichen Woche kehren
Mädchen und Jungen, zumindest einige von ihnen, an die Schulen zurück. Besonders spannend ist das für jene, die in Kürze ihre Abschlussprüfungen ablegen müssen. Schulleiter im Raum Vaihingen gehen aber davon aus, dass die Prüflinge gewappnet sind. Ein Abiturient berichtet auch von Vorteilen der veränderten Vorbereitungen.

Vaihingen/Bietigheim-Bissingen/Kleinglattbach. In vier Wochen wird es für Karl Toberer ernst: Dann absolviert der 18-jährige Schüler des Vaihinger Friedrich-Abel-Gymnasiums (FAG) seine erste schriftliche Abiturprüfung. Mitten in der Corona-Krise, die auch den Schulalltag gehörig verändert hat. Trotz wochenlangem Homeschooling aber fühlt sich der junge Vaihinger gut vorbereitet. Bis zum Zeitpunkt der Schließungen sei der nötige Unterrichtsstoff bereits vermittelt worden. „Ich hatte alle Unterlagen und das Wissen“, sagt Toberer. Daheim ging es ans selbstorganisierte Arbeiten. „In den letzten Wochen habe ich mir einen Überblick gemacht und alles zusammengefasst.“

Nun folgt das intensive Lernen. Ein Monat ist dafür noch Zeit. Der Abiturient bleibt gelassen: „Wenn ich überlege: Als die Schulen schlossen, waren es nach dem alten Termin noch fünf Wochen bis zu den Prüfungen. Damals war ich noch sehr viel weniger vorbereitet als jetzt“, sagt Toberer. Die Selbstorganisation empfindet er im Übrigen als die größte Aufgabe in dieser veränderten Situation. Einigen Schulkameraden, die er kürzlich dazu kontaktierte, gehe es genauso. „Der geregelte Ablauf fehlt. Und sich mal mit Freunden zu treffen. Der Austausch.“

Größere Examensangst aufgrund der ungewöhnlichen Vorbereitungsphase habe er „auf keinen Fall“, sagt der 18-Jährige. Aus zeitlicher Sicht empfinde er die Situation sogar eher als positiv. Schwierig in Sachen Schulstoff sei für ihn einzig, dass sich Fragen an den Lehrer nicht immer so direkt wie im Unterricht stellen ließen. Allerdings seien seine Lehrer sehr bemüht. „Sie stehen in dauerhaftem Kontakt mit uns. Ich bekomme täglich Angebote, Rückfragen zu stellen, und Aufgaben per E-Mail.“

Auch Rainer Geppert, kommissarischer Leiter des FAG, sieht die Abiturienten nach wie vor gewappnet. Für sie seien die Schulschließungen zu einem günstigen Zeitpunkt gekommen – wenige Wochen vor dem ursprünglichen Beginn der Prüfungen. „Sie waren in einer Phase, in der sie nur üben und wiederholen.“ 91 junge Leute wollen in diesem Jahr ihr Abitur am FAG machen. Geppert: „Ich gehe davon aus, dass sie sehr gut vorbereitet sind. Da mache ich mir keine Sorgen.“ Zumal es ab Öffnung der Schulen bis zum Prüfungsbeginn noch zwei Präsenzwochen gebe. Zeit zum Besprechen, Fragen klären, moralisch Unterstützen. Am 18. Mai beginnen landesweit die Abiturprüfungen mit den Fächern Italienisch, Spanisch und Portugiesisch. Nach weiteren Fremdsprachen am 19. Mai folgt am 20. Mai mit Deutsch das erste Pflichtfach.

Stattfinden werden in diesem Jahr alle FAG-Prüfungen in der Stadt- beziehungsweise der Schulsporthalle, mit einem Mindestabstand von 1,50 Metern zwischen den Anwesenden, ausreichend Seife, Handtüchern, Desinfektionsmittel, Belüftung. Details zur Organisation der Abschlussprüfungen besprechen die betreffenden Schulen morgen mit der Stadtverwaltung. Auch die Frage, auf welchem Weg die Schüler zu den Prüfungen kommen sollen.

Wie am FAG laufen an der Ottmar-Mergenthaler-Realschule (OMRS) in Kleinglattbach derzeit die Vorbereitungen für Schulöffnung und Abschlussprüfungen intensiv. Letztere starten für die Realschüler am 20. Mai mit Deutsch. „Die generelle Vorbereitung auf die Prüfungen ist seriös möglich“, sagt auch OMRS-Rektor Markus Widmann. Die meisten Klassen und Schulgruppen seien bis zur Schließung inhaltlich so weit gewesen, dass sie sich mit Fragestellungen für Prüfungen und Klausuren beschäftigen. „Inhaltlich geht es nur darum, zu vertiefen.“

In den zwei Wochen Unterricht vor dem Abschluss – nur eine Woche wäre aus Sicht des Realschulleiters knapp gewesen – sei noch einmal gut Zeit für die Betreuung der Prüflinge. In diesem Jahr sind 112 Schüler für den Realschulabschluss angemeldet und erstmals 27 Schüler, die ihren Hauptschulabschluss machen wollen. Da die Schülergruppen halbiert werden, „kann man auf Einzelne intensiver eingehen“, so Widmann. Wer mit der Selbstorganisation Probleme gehabt habe, dem würden die Lehrkräfte da nochmal Sicherheit geben. Widmann ist überzeugt, dass das weitgehend gelingen wird: „Unsere Erwartung ist, dass sie so abschneiden, wie sie vor Corona abgeschnitten hätten. Das, was sie leisten müssen, ist leistbar.“

An der OMRS werden die Prüfungen nicht in der Sporthalle, sondern wie üblich in den Klassenräumen geschrieben. Weil die Schule leerer ist, stehen trotz Sicherheitsvorkehrungen ausreichend Räume zu Verfügung, um maximal 15 Schüler in einem Raum zu prüfen. „Wie das funktioniert, haben wir mit Sitzen und Tischen bereits simuliert“, berichtet der Rektor.

Im Beruflichen Schulzentrum in Bietigheim-Bissingen stehen 700 Prüflinge in den Startlöchern

Eine weit größere Zahl Prüflinge steht ab dem 4. Mai im Beruflichen Schulzentrum Bietigheim-Bissingen (BSZ) in den Startlöchern. Während in allgemeinbildenden Schulen nur ein Jahrgang und damit eine überschaubare Anzahl junger Menschen von den veränderten Bedingungen betroffen sei, würden am BSZ etwa 30 Prozent aller 2300 Schüler eine Abschlussprüfung absolvieren, sagt Leiter Stefan Ranzinger. „Das sind knapp 700 junge Leute.“ Dazu gehören Abiturienten des Technischen und des Wirtschaftsgymnasiums, Berufsschüler, Schüler des Berufskollegs, der Berufsfachschule und des Berufseinstiegsjahres.

„Die Ersten, die Abiturienten, werden schon froh sein, ihre Lehrer noch einmal zu sehen. Und die Lehrer sind es ebenfalls. Homeschooling ist schön und gut, ersetzt aber keinen Unterricht“, meint Ranzinger. Angesichts der verschiedenen Schularten und Lernniveaus am BSZ schätzt der Leiter auch den Einfluss der Schließung auf die Prüfungsvorbereitung unterschiedlich ein. Es gebe Schularten, etwa das Berufskolleg, da berichteten Pädagogen davon, dass 80 Prozent der Schüler an den Videokonferenzen des Lehrers teilnehmen. „Wir haben aber auch Schularten, wo die Schüler schwächer sind, da vertrödeln manche den Tag, nutzen die Angebote nicht. Manche haben auch die technischen Voraussetzungen nicht“, sagt Ranzinger. Von Vorteil sei da, dass das Kultusministerium die Lehrer um eine Bewertung der Prüfungsleistung mit Aufgenmaß, also unter Berücksichtigung der besonderen Umstände, gebeten habe.

Die Organisation der Abschlussprüfungen sieht Ranzinger gelassen. Um die vom Ministerium angewiesenen Hygiene- und Sicherheitsstandards umzusetzen, sei ausreichend Zeit. Genügend Platz sei auch vorhanden. An der Prüfungssituation selbst werde sich nicht viel ändern: „Abstand hat man da ja eh.“

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