Mutige Sprünge übers Feuer

Bei der Sonnwendfeier auf dem Ensinger Hubbühl nehmen nicht nur frisch Verliebte den Weg durch die Flammen

Von Stephanie Thaler Erstellt: 22. Juni 2015
Mutige Sprünge übers Feuer Die Besucher der Sonnwendfeier auf dem Hubbühl bei Ensingen genießen die Atmosphäre, die das Feuer verbreitet. Fotos: Thaler

Nachdem die Ortsgruppe Ensingen des Schwäbischen Albvereins mehr als ein halbes Jahrhundert lang das Fest hoch über dem Vaihinger Stadtteil ausgerichtet hatte, boten in diesem Jahr zum ersten Mal die Ensinger Floriansjünger ein stimmungsvolles Spektakel.

Ensingen. Am Samstagabend haben die Aktiven der Abteilung Ensingen der Vaihinger Feuerwehr auf dem Hubbühl das Sonnwendfeuer entzündet – beziehungsweise vielmehr entzünden lassen: Sie übergaben brennende Fackeln an Schüler der Ensinger Grundschule, die sie nach dem Aufsagen traditioneller Feuersprüche in den riesigen Haufen aus getrockneten Rebenästen stecken durften, der vor der Kulisse des Eselsturms aufgeschichtet war.

Mehrere Hundert Besucher waren zur Sonnwendfeuer auf den Hubbühl gekommen. Ab 18 Uhr wurden sie vom Weingut Walz, dem Weinbauverein Illingen-Ensingen und den Aktiven der Ensinger Floriansjünger bewirtet. Als gegen 21 Uhr die Dunkelheit hereinbrach sangen Ensinger Grundschüler zahlreiche Lieder zum Thema Sommeranfang. Das Repertoire reichte von „Heut’ ist der längste Tag im Jahr“, über „Sonne, liebe Sonne“ bis hin zu „Lachend, lachend kommt der Sommer“. Die Schüler sangen alle Lieder auswendig und mit Inbrunst und erhielten von den Besuchern tosenden Applaus.

Das Rebenholz, aus dem der rund 2,5 Meter hohe und drei Meter breite Haufen bestand, stammt vom Rebschnitt, den Ensinger Winzer im Frühjahr im Weinberg durchgeführt hatten. Die Feuerwehrler hatten es extern gelagert und am Samstagabend auf dem Hubbühl aufgeschichtet. Sie waren bei der Sonnwendfeier mit rund 30 Personen im Einsatz.

Bereits im Oktober vergangenen Jahres sei klar gewesen, dass die Feuerwehr die Organisation der Traditionsveranstaltung übernehmen werde, sagte Andreas Mauch, Kommandant der Abteilung Ensingen der Vaihinger Feuerwehr. Zuvor sei auch der Ensinger Sportverein als Ausrichter im Gespräch gewesen, habe sich dann aber nicht dazu bereit erklärt. Mauch sei daraufhin auf Ortsvorsteher Werner Rohloff zugegangen und habe ihm die Organisation angetragen.

Rohloff sagte: „Über ein halbes Jahrhundert sind Generationen von Menschen hier heraufgekommen, um den Sommer zu begrüßen – und so ist es auch heute.“ Als Ende 2013 die Ortsgruppe Ensingen des Schwäbischen Albvereins bekannt gegeben habe, dass sie die Ausrichtung der Sonnwendfeier nach insgesamt 57 Jahren nicht mehr übernehmen könne, sei dei Enttäuschung in Ensingen groß gewesen. Er sei froh, dass sich mit der Feuerwehr ein neuer Veranstalter gefunden habe. „Jetzt stehen wir also wieder am Anfang des Jahres eins“, sagte Rohloff.

Torsten Schmid vom Schwäbischen Albverein erläuterte den Besuchern den historischen Hintergrund des Sonnwendfeuers. Für die Kelten und Germanen sei die Feier am längsten Tag des Jahres ein Höhepunkt im Jahresablauf gewesen. In Ensingen habe das Fest zum ersten Mal in den 1930er Jahren stattgefunden. Im Jahr 1954 habe der Schwäbische Albverein zum ersten Mal mit einer Jugendgruppe auf dem Hubbühl den Sommer begrüßt.

Schmid erkärte auch den Brauch der Feuersprünge. Wenn ein junges Paar, das von Osten nach Westen über die Flammen springe, bedeute dies sich zueinander zu bekennen und käme einer Verlobung gleich. Ein Paar, das bereits die silberne oder goldene Hochzeit hinter sich habe, könne sich durch den gemeinsamen Sprung von Westen nach Osten dazu bekennen, auch „im nächsten Leben“ zusammenzubleiben. Ein Sprung von Norden nach Süden oder von Süden nach Norden hingegen habe nichts weiter zu bedeuten – außer dass der Springer mutig ist.

Nachdem die anfänglich hoch in den Himmel aufschießenden Flammen sich etwas beruhigt hatte, wagten viele Besucher den Sprung über das Feuer – in allen Richtungen und Konstellationen. So sprangen beispielsweise auch gleich zwei Paare in einer Viererkette über die Flammen. Der Sänger Mike Janipka untermalte die wilden Sprünge mit Liedern wie „Über sieben Brücken musst du gehn“ und „Marmor, Stein und Eisen bricht“.

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