Mit guter Laune bei der Jubiläums-Tour

666 Radler und 260 Wanderer bei der Sommerveranstaltung – Vaihinger Feuerwehr mit Shuttleverkehr am Berg

Von Albert Arning Erstellt: 19. August 2019
Mit guter Laune bei der Jubiläums-Tour Dichtes Gedränge beim Startplatz der Tour in Enzweihingen. Fotos: Arning,Bögel, Rücker

Das Enzweihinger Sportgelände ist überflutet von gut gelaunten Menschen. Die 40. S-VKZ-Tour lockt am Samstag
nahezu tausend Gäste an; exakt sind es 926, davon 666 mit dem Fahrrad. Mit 260 Wanderfreunden wird die Bestmarke von 2015 (273) nur knapp verpasst.

Enzweihingen. Die Veranstalter von Vaihinger Kreiszeitung und Kreissparkasse sind immer wieder begeistert von der Resonanz, die die Freizeitveranstaltung mitten in den Sommerferien nach wie vor hat. Wer hätte es 1980 bei der Premiere ernsthaft geglaubt, dass sich die Tour zu einem derartigen Dauerläufer entwickeln würde? Die Tausender-Marke zu erreichen, die zuletzt 2011 in Ensingen geknackt worden war, war durchaus möglich bei der 40. Auflage, doch dann spielten sicher auch die Wetterprognose und der etwas verhangene Himmel am Morgen eine Rolle.

„Um 11 Uhr ist eine Regenfront angesagt“, orakelte Jürgen Rebstock vom Rad-Sport-Verein Vaihingen kurz vor dem Start. Sie kam nicht. Ein paar dicke Tropfen auf der Radstrecke zwischen Roßwag und Mühlhausen waren alles. Es lohnte sich kaum, den Regenschutz auszupacken. Und die Temperaturen waren nahezu ideal. Wieder mal Glück gehabt.

Man trifft auf viele alte Bekannte. Der ehemalige Vaihinger Polizeichef Gerd Esenwein freut sich als Pensionär auf die Tour. Wandern will er diesmal. Auch sein Vorgänger Gustav Bast, der in Erinnerung an eine Köszeg-Fahrt von 1991 das K91-Trikot angezogen hat, ist mit dem Rad dabei. Den Sturz beim Start übersteht Bast ohne Blessuren. Am Startkartenschalter mit den Damen der VKZ und der Kreissparkasse geben einige „Touristen“ ihre gesammelten Urkunden ab. „Ich hab’ fast alle, gestern zwei Stunden gesucht und sie nicht gefunden“, klagt ein Radler. Schon in Riet sei er 1980 dabei gewesen. Pech für ihn. Am Ende „siegt“ Peter Schimke aus Vaihingen, der immerhin 30 Urkunden vorweisen kann.

Hansi Rähmer, vielen als Fußballtrainer ein Begriff, macht ein strenges Gesicht. „Vor den Anmeldeschalter bitte keine Fahrräder mitnehmen“, gibt er in Ordnerweste Anweisungen. Der Parkplatz sei groß genug. Ist er auch. Die Feuerwehr blockiert den Hammelbergweg, dahinter bilden die Roten Radler vom RSV einen Riegel. Bis zum Löbertsbrunnen ist Kolonnenfahren angesagt, was auch sinnvoll ist. Volker Blessing, Verkaufsleiter der VKZ und Vorsitzender des gastgebenden TSV, gibt die letzten Hinweise. Erfreulich: Die Ansagen sind überall sehr gut zu verstehen. Die Vaihinger Soundlight-Company hat ja auch eine Hochleistungsanlage aufgebaut. Was auch bei der Verlosung am Nachmittag gut ankommt.

Der Startschuss ist schon gefallen, da kommt auch noch der Landtagsabgeordnete Konrad Epple (CDU) angestürmt. Er hat sich in Markgröningen ein Pedelec geliehen. Da es nicht ins Auto passt, muss er noch schnell das Vorderrad montieren. Der Besuch der VKZ-Veranstaltung ist für ihn Ehrensache; nur bei der Überschneidung mit dem Schäferlauf hätte er Probleme. Dem Markgröninger Traditionsfest geht man mit der Tour in aller Regel aus dem Weg, denn da hätte auch die Polizei ihre Not mit der Absicherung.

Es dauert exakt zehn Minuten, bis alle Radler, die zu gut 90 Prozent Helm tragen, in Bewegung sind. Viele halten sich bewusst zurück, denn das Fahren in Heerscharen von Menschen kann stressig sein. Am Start steht letztlich nur noch der vierjährige Alexander aus Horrheim mit seiner Mama. Für den kleinen Mann wäre die Tour dann doch zu viel. Sie lassen den Papa fahren und machen anschließend auf dem Hammelbergweg ganz entspannt eine kleine Fahrt. Pannenmann Martin Fischer reiht sich ebenfalls hinten ein. „Einmal Luft aufpumpen für einen guten Kunden“, war bislang alles. Doch schon am Rondell in Vaihingen bekommt er Arbeit. Jörg Decker und Susanne Kraut haben mit ihrem Tandem einen Platten. Ein kleiner Nagel ist der Übeltäter. Decker hat den richtigen Schraubenschlüssel fürs Hinterrad leider nicht dabei. Doch Fischer kann helfen. Und er muss auf der Strecke noch dreimal ran.

Lockere Gespräche beim Treten: Der Wasserstand der Enz ist ein Thema. Erfahrungen mit dem Rückspiegel. Verhalten beim Fahren in Gruppen (Handzeichen geben). Bei der Tour kommt man in Kontakt.

Es fängt an zu tröpfeln. Beim Steinbruch Zimmermann werden die ersten Regenjacken rausgeholt – um wenig später wieder eingepackt zu werden. Ortsdurchfahrt Roßwag, links ab in die Wiesenlandschaft. Jetzt läuft es locker. Der Abschnitt nach Mühlhausen ist einer der schönsten auf dem Enztalradweg. Würzige Landluft empfängt die Radler im Mühlacker Ortsteil. Hier wurde offensichtlich Gülle gefahren. Stopp an der Teestation. Die Becher haben bunte Farben und ein besonderes Rückgabesystem. Nicht wegwerfen, wiederverwerten ist angesagt. In eine Röhre rutschen lassen, da werden sie automatisch gestapelt – wenn man sie richtig rum einschiebt. Und wieder radelt man neben dem Landtagsabgeordneten, der seine Gedanken zur metallenen Brücke über die Enz zwischen Mühlhausen und Lomersheim offenlegt: „Es ist ein anderer Landkreis. Bei uns wäre die nie so genehmigt worden. Der Eisvogel sollte ein Holzgeländer haben.“ Wäre das auch geklärt. In den Wiesen bei Lomersheim herrscht eine wahre Invasion von Störchen. Toll, dieses Naturschauspiel.

Jetzt folgt leider der etwas mühsame Anstieg. Manche Radler unken, man habe die Strecke speziell für Pedelec-Fahrer ausgesucht. Ohne E-Antrieb tut man sich in der Tat auch schwer, die Höhe zu erklimmen. Doch es ist der einzige echte „Berg“. Bei früheren Touren, bei denen Pedelecs noch unbekannt waren, ging es weit heftiger zur Sache. Aber das wird leicht vergessen. Oben wird man durch herrliche Waldwege entschädigt. Nebenbei: Die Vaihinger Feuerwehr hat hier kurz entschlossen für einige erschöpfte Radler einen Shuttleverkehr organisiert. „Wir haben extra den Mannschaftstransportbus eingesetzt“, verrät Alexander Fuchs, der den Einsatz der Feuerwehr bei der Tour organisiert. 13 Wehrleute sind diesmal dabei (Vaihingen, Roßwag, Aurich).

Ensinger-Station auf dem Hof Oelschläger. Fünf Sorten frische Getränke werden ausgeschenkt. „Der Sprudel wird heute nicht so stark gefragt“, verrät Johannes Fritz. Iso-Getränke oder Apfelschorle stehen hoch im Kurs. Marketingleiter Stefan Schurr versprüht gute Laune. Er freut sich, dass er immer wieder Freiwillige für den Tour-Stand findet: „Eine Rundmail – und die Sache ist gebongt.“ Blick ins Tal. „Was ist denn das für ein Ort?“ wird gerätselt. Groß-Glabbich natürlich.

Letzte Etappe. „Herrliche Landschaft, tolles Wetter, schöne Strecke“, freut sich ein Genussradler, der den Blick über die Felder schweifen lässt. Die Duftnote von der Gülle stört nicht weiter. „Es läuft geschmeidig“, meldet Polizist Olaf Milling bei der Straßensicherung. Die Fahrzeuge werden blockweise durchgelassen. Noch eine Straße (mit dem Auricher Feuerwehrkommandanten Roland Köhler) und die letzte beim Häckselplatz mit der Polizei. Dann die Trompetensteige, elf Prozent Gefälle. Bitte bremsen!

Unten steht ein DRK-Fahrzeug: „Wir wissen ja, wo wir hinstehen müssen“, sagt Rettungssanitäter Felix Köhler. Beim VfB-Sportplatz laufen die Leichtathleten Nicole Benning und Jochen Höschele. Sie sind in Kleinglattbach gestartet und kommen letztlich auch auf die rund 30 Kilometer. „Alles gut“, melden sie ohne große Anzeichen von Erschöpfung.

„Prima war’s“, ist die überwiegende Beurteilung der Radler, unter ihnen auch der Enzweihinger Ortsvorsteher Matthias Siehler. „Man hat wieder neue Abschnitte kennengelernt.“ Für den Besenwagenfahrer Markus Sahler ist um 13.45 Uhr Schluss. Er transportiert diesmal einen Vater mit dem achtjährigen Sohn und hat zusammen mit der Freundin die Schilder wieder eingesammelt. „Eigentlich hätte man sie stehen lassen können“, meint Heinz Wolf aus Pinache, „die Route war so schön.“ Doch das geht natürlich nicht.

2020 gibt’s die nächste Tour, die nach Gündelbach führt. Wieder mitten in den Ferien. Und eines ist jetzt schon sicher: Ganz ohne Hügel wird sie wohl kaum sein.

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