Mit dem Motorrad auf Brautschau

Karl Truckses kennt von seiner späteren Frau Else nur den Wohnort – Heute ist diamantene Hochzeit

Von Ralph Küppers Erstellt: 14. März 2019
Mit dem Motorrad auf Brautschau Else und Karl Truckses feiern heute ihre diamantene Hochzeit. Immer noch gegenwärtig sind die Erinnerungen an ihre Hochzeit (kleines Bild) und die erste gemeinsame Motorradfahrt. Foto: Küppers

Vaihingen. Else und Karl Truckses sind von ihrer Tätigkeit im Vaihinger Schwimmbad und in der Hochdorfer Verwaltungsstelle bekannt. Für den Ruhestand suchten sie sich mit Holzarbeiten ein neues Betätigungsfeld und waren in der Folge auf vielen Hobbyausstellungen unterwegs. Heute feiern sie ihre diamantene Hochzeit.

Als sich das Paar vor mehr als 60 Jahren kennenlernte, spielte das kulturelle Leben im Raum Vaihingen eine große Rolle. Denn es waren Vorstellungen der Landesbühne Esslingen in der Vaihinger Stadthalle, bei denen sich die jungen Leute zum ersten Mal sahen. Dann stellten sie fest, dass sie mit dem gleichen Bus aus ihren Heimatgemeinden nach Vaihingen gefahren waren – er aus Eberdingen, sie aus Iptingen. „Später ist er mit dem Motorrad nach Iptingen gekommen und hat mich gesucht“, erinnert sich Else Truckses, die damals noch Bräuning hieß. Das war aber von wenig Erfolg gekrönt, zumal er ihren Namen noch gar nicht wusste. Erst als die junge Frau eines Tages mit Schwester und Schwager auf dem Weg von Iptingen nach Wiernsheim war, um im Bürgersaal einen Kinofilm anzuschauen, hielt plötzlich ein Motorrad neben den Fußgängern. Karl Truckses fragte seine spätere Frau, ob sie mitfahren wolle. Sie war überrascht, zögerte aber nicht lange. Und sie erinnert sich an die Reaktion ihrer Verwandten: „Die wussten überhaupt nicht, was sie denken sollten.“ Ab dem Moment waren sie ein Paar, das 1957 Verlobung feierte. „Meine Mutter hat gemeint, dass die Hochzeit sein muss, bevor das Feldgeschäft losgeht“, sagt Else Truckses über die Planungen im Jahr 1959. Denn beide Familien hatten eine kleine Landwirtschaft.

Das Arbeitsleben, aber auch die Aufgaben darüber hinaus, haben Karl Truckses oft bis an die Grenzen gefordert. „Mit fast 14 Jahren habe ich im Oktober 1944 in Vaihingen als Schreinerlehrling angefangen“, berichtet er. „Damals stand ,entlassen zur Arbeit‘ im Schulzeugnis. Es gab für mich praktisch keinen anderen Weg von Eberdingen nach Vaihingen als mit dem Fahrrad. Auch wenn es im Winter minus 30 Grad hatte.“ Abgesehen von den äußeren Rahmenbedingungen war auch die Tätigkeit eine Herausforderung für den Jugendlichen. „Damals wurden beim Schreiner die Särge selbst gemacht. Und es war selbstverständlich, dass ich als 14-Jähriger die Toten mit rein lupfe“, erinnert er sich. Später arbeitete er als Holzfäller, im Steinbruch und dann in der Metallbranche. Dort diente sich Karl Truckses hoch, feilte nachher auf Hundertstel und Tausendstel Millimeter genau. Dann wechselte er erneut. „Ich habe die Ausbildung zum Schwimmmeister gemacht und dann zwölf Jahre im Hallen- und Freibad von Vaihingen gearbeitet“, sagt er.

Somit stand er zum Abschluss seines Berufslebens ebenso in der Öffentlichkeit wie seine Frau. Denn nachdem die drei Töchter alt genug waren, arbeitete sie halbtags bei der Gemeinde Eberdingen. „In den letzten Jahren habe ich die Verwaltungsstelle Hochdorf alleine betreut“, sagt Else Truckses. „Die Leute kommen wegen allem. Und ich habe bis zum Schluss ohne Computer arbeiten wollen.“ Mit 60 ging sie in Ruhestand. Vor zehn Jahren wagte sie sich dann doch an den Computer. „Das wäre mir früher leichter gefallen“, sagt sie und fügt hinzu: „Es ist aber noch gar nicht lange her, da haben wir einen neuen Laptop gekauft.“

Nach dem Arbeitsleben fanden die Eheleute in Holzkunst und Drechseln neue Tätigkeitsfelder. Damit waren sie jahrelang auf Hobbyausstellungen unter anderem in Vaihingen und Oberriexingen vertreten und fanden viele Freunde ihrer Werke. „Mit 70 Jahren habe ich dann auch noch das Malen angefangen“, berichtet Else Truckses. Unter anderem in der Bürger-Treff-Gruppe „Malen macht Freude“ entstanden viele Bilder. „Jetzt sind aber alle Wände voll gehängt, darum male ich nicht mehr so viel“, sagt die 87-Jährige. Doch die vielfältigen Interessen halten beide Jubilare beeindruckend fit. Erst vor wenigen Tagen waren sie mit Motorsäge und Autoanhänger auf ihrem Baumstück bei Eberdingen tätig und haben neun Fuhren zum Häckselplatz gebracht. „Es war grenzwertig“, sagt Karl Truckses, der im Januar 88 Jahre alt wurde. „Aber wir haben einfach das gute Wetter genutzt.“ Gemostet wird im Herbst aber mit Nachfahren und weiteren Helfern zusammen. „Ich backe einen Kuchen, dann wird gemeinsam aufgelesen“, sagt Else Truckses. „Das ist richtig schön. Und dann haben wir alle unseren eigenen Apfelsaft.“ Auch rund ums eigene Haus, das sie seit 1977 in Vaihingen bewohnen, ist das betagte Paar viel im Garten unterwegs. „Einer der wenigen Gärten, in denen noch Gemüse angebaut wird“, sagt Karl Truckses. „Im Gegensatz zu den vielen Steingärten.“

Wenn am Sonntag die diamantene Hochzeit gefeiert wird, tischen die Jubilare aber kein eigenes Gemüse auf, sondern lassen sich bewirten. Das Fest musste aufs Wochenende geschoben werden, weil die drei Töchter und fünf Enkel in Deutschland und Schweiz weit verteilt sind „Nur eine Enkelin hat abgesagt“, verraten die Jubilare. Für diese Absage haben sie volles Verständnis – von ihr erwarten Else und Karl Truckses in diesen Tagen ihr erstes Urenkelkind.

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