Mehr Not vorhanden, als sichtbar ist

Mit Nothilfefonds der Diakonischen Bezirksstelle Vaihingen kann Überleben von Menschen gesichert werden

Von Uwe Bögel Erstellt: 3. November 2018
Mehr Not vorhanden, als sichtbar ist Der Armutsbereich auch hier in Vaihingen verfestigt sich. Durch Spenden der Leser kann die Armut wenigstens ein bisschen eingedämmt werden. Foto: Gerhardt/pixelio.de

Erleichterung und Freude zugleich: Michael Marek, Geschäftsführer der Diakonischen Bezirksstelle in Vaihingen, atmet auf, weil es doch noch kurzfristig eine VKZ-Weihnachtsaktion zugunsten des Nothilfefonds gibt. Und es ist bitter nötig, dass Gelder gesammelt werden, damit der Strom nicht abgestellt wird und die nötigsten Sachen bezahlt werden können. Es ist nötig, um das Überleben von Menschen zu sichern.

Vaihingen. Der Nothilfefonds der Diakonischen Bezirksstelle in Vaihingen ist der letzte Rettungsring, die letzte Instanz, wenn alle Systeme versagen. Unabhängig von Geschlecht, Nationalität und Glauben bekommen Menschen im Raum Vaihingen Unterstützung, um eine Notlage zu bewältigen. „Es zählt nur der Mensch“, sagt Michael Marek, der auch Diakon und Sozialarbeiter ist. Bevor es aber Geld von der Diakonischen Bezirksstelle in der Heilbronner Straße in Vaihingen gibt, muss der Bedürftige die Notsituation belegen. Der Armutsbereich auch hier in Vaihingen verfestigt sich, so die klare Aussage von Marek. Rund 100 000 Euro werden jährlich durch den Nothilfefonds ausbezahlt. Zwischen 20 000 und 25 000 Euro umfasst der Etat der Diakonischen Bezirksstelle für diesen Posten, von Stiftungen und Hilfsvereinen kommen weitere Gelder.

Aber ohne Spenden geht gar nichts – und genau hier setzt die Weihnachtsaktion der Vaihinger Kreiszeitung wieder an. Durch Spenden der Leser kann die Armut wenigstens ein bisschen eingedämmt werden. Michael Marek: „Es ist viel mehr an Not vorhanden, als sichtbar ist.“

Die Schirmherrschaft der Spendenaktion hat der Vaihinger Dekan Reiner Zeyher übernommen. „Ich würde mich sehr freuen, wenn auch in diesem Jahr wieder viele angesprochen würden, die gute und wertvolle Arbeit der Diakonischen Bezirksstelle zu unterstützen. Wir können es sehr gut gebrauchen in Zeiten,in denen die soziale Schere weiter auseinandergeht.“

Und die Klienten, die das Verschämtsein überwinden und um dringende Hilfe bei der Diakonischen Bezirksstelle bitten, werden immer mehr. „So rollt die Altersarmut voll auf uns zu“, sagt Marek. „Die Anzahl der Rentner, die in prekäre Lebenssituationen fallen, nimmt von Jahr zu Jahr zu.“ Oft geschieht der Abstieg im Verborgenen. Irgendwann merkt dann die Nachbarschaft, dass gar kein Licht mehr brennt. Der Strom wurde bei dem alten Menschen abgestellt. Marek: „Es gibt auch immer mehr Ordnungswidrigkeiten der Senioren wegen Schwarzfahrens. Das hat den einfachen Grund, dass sie die Fahrten für den Bus nicht zahlen können.“

Mit dem Nothilfefonds werden die Menschen in und um Vaihingen so unterstützt, dass die Existenz nicht zusammenbricht. Marek: „Wir unterstützen so, dass das Licht nicht ausgeht und der Kühlschrank voll ist.“ Aber auch junge Familien zählen zu den Klienten, die den Nothilfefonds in Anspruch nehmen müssen. „Mietschulden sind der häufigste Anlass, dass sie zu uns kommen“, sagt Marek. Ein Kind ist unterwegs, die Frau kann nicht mehr arbeiten, vom Auto bis zum Handy wird alles verkauft. Vom Kinderbett angefangen bis zur Kinderkleidung ist dann die Unterstützung der Diakonischen Bezirksstelle gefragt.

Oder es kommt eine psychische Erkrankung, die Ehe bricht auseinander, der Mann verliert den Job. Rechnungen werden nicht mehr bezahlt, aus dem Briefkasten wird keine Post geholt, die Betroffenen kippen komplett aus der Gesellschaft.

Wenn die Mitarbeiter der Diakonischen Bezirksstelle noch rechtzeitig unter die Arme greifen können, dann kann es noch Hilfe geben.

„Es sind unter uns viel mehr Menschen in Not, als man denkt“, weiß Marek. Der Nothilfefonds, für den jetzt Spenden gesammelt werden, kann auch am Rande der Gesellschaft noch ein würdevolles Leben ermöglichen.

Wenn alles klappt, wird die Gruppe Besser live am 2. Advent in der Nussdorfer Kirche ein Benefizkonzert zugunsten der VKZ-Weihnachtsaktion geben. Auch wollen einige Kirchengemeinden die Kollekte im Advent für die Aktion verwenden.

Das Spendenkonto:
Für die VKZ-Weihnachtsaktion hat die Diakonische Bezirksstelle in Vaihingen bereits das Spendenkonto bei der Kreissparkasse Ludwigsburg freigeschaltet. Empfänger der Spenden für den Nothilfefonds ist immer die Diakonische Bezirksstelle. Hier werden auch Spendenbescheinigungen ausgestellt.
Bei Einzahlungen bitte das Stichwort „VKZ-Weihnachtsaktion“ angeben.
Das Spendenkonto:
IBAN: DE64 6045 0050 0030 1186 56

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