Laute Angstschreie als regelmäßige Begleiter

Auf der Suche nach dem heutigen Lieblingsort

Von Vera Gergen Erstellt: 13. August 2019
Laute Angstschreie als  regelmäßige Begleiter „Der Wächter des Zabergäus“ thront über den Weinbergen. Fotos: Gergen

Zugegeben: Es war nicht einfach, die vierte Runde des VKZ-Sommerrätsels. „Heute ging der halbe Sonntag drauf fürs Rätsel“, klagt Helmut Schmid aus Gündelbach. Trotzdem haben viele Mitmacher die perfekte Lösung eingeschickt. Mittlerweile sind insgesamt 260 richtige Einsendungen da.

Günter Scheihing aus Aurich liefert die Lösung in Gedichtform: „Im schönen Nussdorf sind wir heute, da wohnen lauter nette Leute. Auf Lichthölzlespfad da wolln wir wandeln und dabei nicht die Natur verschandeln. Das Waldsofa lädt zum Denken ein, um dann heimwärts d’Schritt zu lenken.“

Das heutige Sommerrätsel lädt an einen wahrlich sagenhaften Ort ein. Gleich drei der Legenden, die sich um die magische Gegend ranken, warten dabei auf Entdeckung. Doch Vorsicht – laute Angstschreie sind regelmäßige Begleiter auf dem Weg dorthin.

Ob sie auch damals erschallten, beim Kampf von zwei Heiligen mit dem Satan, von dem die erste Sage handelt? Laut Überlieferung hat die Auseinandersetzung mit dem Bösen auf jenem Berge stattgefunden, der dank seiner Höhe von 394 Metern und seiner exponierten Lage auch gerne als „Wächter des Zabergäus“ tituliert wird. Im achten Jahrhundert soll es gewesen sein, als Bonifatius, der Apostel der Deutschen, als Missionar auf die vom Teufel besetzte Erhebung kam und die Vertreibung des Gehörnten versuchte. „Hüllet mit Dampf und Wetterschein das ganze Revier höchst grausam ein, geht selber auf den Heiligen los, der stand aller irdischen Waffen bloß, die Hände sein zum Himmel kehrt, rief: Starker Gott! Leih mir ein Schwert! Da zückt herab, wie ein Donnerstreich, Erzengel M… sogleich.“ So beschreibt Eduard Mörike in seinem Gedicht über den Himmelsboten den zunächst aussichtlosen Kampf von Bonifatius, der erst durch göttlichen Beistand als Sieger hervorging. Als er dem Engel danken und ihn am Flügel festhalten wollte, blieb ihm jedoch lediglich eine Feder, „gülden, schön und lang“, so die Überlieferung. Zu ihrer Verehrung habe der Missionar dann den an dieser Stelle befindlichen römischen Luna-Tempel zu einer christlichen Kapelle umbauen lassen und damit 793 den Grundstein für die später etwas oberhalb im überwiegend romanischen Stil errichtete Kirche gelegt. Diese dient bis heute vielen Besuchern als Stätte der Besinnung. Dass der Ort schon zu frühkeltischer Zeit besondere Anziehungskraft ausübte, zeigen übrigens Relikte wie Tonscherben, die dort gefunden wurden. Was allerdings später mit der Feder geschah, liegt wiederum im Reich der Spekulation. Ein zum Protestantismus konvertierter Stadtschreiber aus Stuttgart soll sie nach der Reformation entwendet haben und prompt von Gott mit „Vielschreiberei“ bestraft worden sein.

Wie andere Ausgrabungen belegen, gab es vom ersten Rätselort zu früherer Zeit offenbar einen geheimen Gang zum Schauplatz eines weiteren sagenhaften Geschehens. Hier soll sich im Mittelalter eine höchst romantische und doch fatale Liebesgeschichte ereignet haben. Die Quelle des Enzbachs wird dabei als Ursprung allen Leides angeführt. Denn hier habe an einem Ostersonntag die Tochter des Grafen von Bönnigheim im Auftrag der Mutter Osterwasser geschöpft, das besondere Jugend und Schönheit versprach. Gleichzeitig sollte Gisela im Wasser das Gesicht ihres zukünftigen Bräutigams sehen können, allerdings nur, wenn sie mit niemandem rede und der Wasserkrug nicht zu Bruch ginge, sonst wäre der Zauber ebenfalls gebrochen, so die Warnung der Gräfin. Es kam, wie es kommen musste. Gisela soll im Brunnen das Spiegelbild eines stattlichen Ritters entdeckt haben. Beide hätten sowohl ihr Schweigen als auch den Krug gebrochen und sich unsterblich ineinander verliebt. Der heimlichen Trauung am erstgenannten Lieblingsort seien die Geburt eines Sohnes und das Untertauchen der kleinen Familie gefolgt, denn Wolf von Wunnenstein sei ausgerechnet der Nachkomme des Erzfeindes des Bönnigheimer Grafen gewesen. Als dieser seine Tochter schließlich aufgespürt und zu Tode habe foltern lassen, sei auch Wunnenstein an gebrochenem Herzen gestorben, so die Legende um den zweiten Ort, der nach einer Tiertränke benannt ist. Umgeben von Vierbeinern ist er übrigens noch heute, befindet er sich doch auf dem Gelände eines bekannten Wildparadieses mit rund 40 Arten.

Dieses wurde 1971 Teil einer noch bekannteren Attraktion, die ihren Ursprung ebenfalls auf eine sagenhafte Geschichte zurückführt und den dritten Teil des heutigen Rätsels bildet. Früher soll hier wilder Hafer oder „Trips“ gedrillt worden sein, zunächst von Hand in einer Mühle am Fuße des ersten Rätsels. Auch sollen dort alte Frauen junggewaschen worden sein, so die mündliche Überlieferung. 1910 wurde die Mühle dann auf Wasserbetrieb umgestellt und vom Besitzer 1929 mit vier dekorativen Flügeln und einer Rutsche ausgestattet, womit der Grundstein für den ersten Erlebnispark Deutschlands gelegt wurde. Im 90. Jubiläumsjahr bietet er heute über Hundert atemberaubende und teils angstschweißtreibende Attraktionen, die mit spektakulären Achterbahnen, Übernachten im Baumhaus oder Schäferwagen sowie einem neuen Erlebnisspielplatz über 750 000 Gäste pro Jahr anlocken. Eine wahre Erfolgsgeschichte, die im Gegensatz zum dritten Rätselort für die meisten Besucher hält, was sie verspricht.

1. Wie ist der offizielle Name des „Wächters des Zabergäus“? 2. Wie ist der Name der Quelle? 3. Wie ist der Name des Wahrzeichens mit langer Tradition?

Wer diese drei Fragen richtig beantworten kann, sollte bis Freitag (16. August), 12 Uhr, die Lösungen an die VKZ geschickt haben: Entweder per Mail: info@vkz.de, per Fax 0 70 42 / 9 19 99, oder eine Karte in den Briefkasten am Verlagsgebäude im Marktplatz einwerfen. Drei Sponsoren haben Preise gestiftet, die am Ende der Serie unter allen richtigen Einsendungen ausgelost werden. Die Vaihinger Vinothek gibt sechs Flaschen erlesene Weine, das Ratsstüble in Nussdorf spendet einen Gutschein von 50 Euro, für 50 Euro kann man auch im Elefantenstüble in Aurich Essen gehen.

Weiterlesen
Fahnen und Briefmarken

Fahnen und Briefmarken

Drucken Enzweihingens Sonderbriefmarken und Fahnen können bestellt werden. Anlässlich des am diesjährigen Tag der Deutschen Einheit unter dem Motto „Post verbindet – 500 Jahre kaiserliche Poststation von Thurn und Taxis“ stattfindenden Enzweihinger Dorffestes wies Ortsvorsteher Matthias Siehler darauf... »