Ihre Fröhlichkeit ist ansteckend

Mit Ira Philipp haben Ochsenbach, Spielberg und Häfnerhaslach wieder eine Pfarrerin – Mitte Februar wird sie in Vaihingen verabschiedet

Von Claudia Maria Rostek Erstellt: 4. Februar 2017
Ihre Fröhlichkeit ist ansteckend Für Ira Philipp gilt es, Abschied zu nehmen: Ab März wird die Pfarrerin nicht mehr in der Stadt unterm Kaltenstein, sondern in Ochsenbach, Spielberg und Häfnerhaslach predigen. „In Vaihingen hat sie mit ihrer Fröhlichkeit Spuren hinterlassen“, sagt Dekan Reiner Zeyher. Foto: Rostek

Vor drei Jahren kam sie nach Vaihingen, nun geht sie zum 1. März nach Ochsenbach: Pfarrerin Ira Philipp wechselt von der Stadt unterm Kaltenstein ins Kirbachtal. Nach dem Abschied von Pfarrer Hans-Jürgen Horn im Sommer ist die Stelle damit nach knapp acht Monaten wieder besetzt.

Vaihingen/Ochsenbach. In ihrer Wohnung ist es nicht aufgeräumt, sagt Ira Philipp, als die VKZ für ein Gespräch bei ihr anfragt. Ein unordentlicher Mensch ist sie aber nicht, stellt sie wenig später beim Treffen im Gemeindehaus klar. Doch die Aufbruchstimmung hat Spuren hinterlassen: Die 30-jährige Pfarrerin ist eifrig am Packen. Die Umzugskartons stapeln sich. Um durch die Wohnung zu gelangen, muss man hier und da über Kisten steigen. Heute endet ihre Zeit in Vaihingen. Ab nächsten Monat tritt sie ihre „erste richtige Stelle“ in den Kirchengemeinden Ochsenbach-Spielberg und Häfnerhaslach an. Ihre Tätigkeit in der Enzstadt galt als sogenannte unständige Zeit, war also gewissermaßen noch Teil ihrer Ausbildung.

Nun steht der jungen Pfarrerin ein neuer Lebensabschnitt bevor. Und auf diesen freut sie sich. Spricht man sie auf ihre Aufgabe im Kirbachtal an, setzt sie ihr markantes gewinnendes Lächeln auf. „Ich wollte aufs Land. Man kennt dort die Leute besser und hat enge Beziehungen“, sagt sie. Als sie Anfang vergangenen Jahres mit Dekan Reiner Zeyher bei einer Visitation dabei war, fand sie an den kleinen Orten Sachsenheims Gefallen. Vor allem die Jugendarbeit sagte ihr zu. „Ich dachte, das würde zu mir passen“, erzählt sie heute über ihre ersten Eindrücke aus dem Kirbachtal.

Im September vergangenen Jahres hat sich die evangelische Theologin auf die Stelle in Ochsenbach-Spielberg und Häfnerhaslach beworben. Beide Gemeinden teilen sich einen Pfarrer. Kirchengemeinderäte kamen daraufhin in einen Gottesdienst, den Philipp in der Vaihinger Stadtkirche hielt. Sie machten sich ein Bild und trafen sich mit ihr zu einem Gespräch. Und dieses verlief offenbar gut: Ira Philipp wurde wenig später zur neuen Pfarrerin gewählt. „Das war eine unbeschreiblich große Freude“, sagt die 30-Jährige. Und auch im Kirbachtal freut man sich: „Wir vom Kirchengemeinderat in Ochsenbach-Spielberg und Häfnerhaslach sind wirklich sehr froh, dass wir bereits nach einer so kurzen Vakatur bald wieder eine Pfarrperson vor Ort haben. Es wurde uns von vielen verschiedenen Personen geraten, uns auf eine längere Vakatur einzustellen. Die vergangenen Monate haben sehr viel Kraft gekostet und haben den zeitlichen Aufwand für alle Kirchengemeideräte deutlich erhöht“, sagt Fabian Heimann, der Vorsitzender des Kirchengemeinderats Ochsenbach-Spielberg.

Bereits in jungen Jahren war Ira Philipp mit der Kirche in Berührung gekommen. In ihrer Heimat Heilbronn nahmen ihre Eltern sie schon früh mit ins Gotteshaus. Nach der Konfirmation engagierte sie sich in der Kinderkirche. Die Bibeltexte so zu erzählen, dass sie heute noch eine Bedeutung haben, bereitete ihr viel Spaß. Irgendwann fragte sie der Gemeindepfarrer, ob Theologie nicht etwas für sie wäre.

Ira Philipp überlegte hin und her – und entschied sich dafür. An der Pfarrarbeit gefiel ihr, mit allen Altersgruppen in Berührung zu kommen. „Man hat mit dem Baby bis zum 100-Jährigen zu tun“, sagt sie.

Von Freunden wurde sie für ihre Entscheidung hin und wieder schräg angeschaut. Man studiert doch was Technisches oder wenn was mit Menschen, dann Sozialpädagogik, bekam sie zu hören. Die Frage, ob sie sich nie von der Idee, Pfarrerin zu werden, hat abbringen lassen, beantwortet sie klar und deutlich: „Nö.“ Natürlich habe es Zeiten gegeben, in denen sie überlegt habe, ob es das Richtige sei, sagt sie heute. Philipp: „Aber ich glaube, das gehört auch dazu.“

Mit 19 Jahren nahm sie das Studium der evangelischen Theologie auf. Zunächst ging es dazu ins bayerische Neuendettelsau, später studierte sie auch in Straßburg und Tübingen. Ihren Studienschwerpunkt legte sie auf das Alte und das Neue Testament. Die alten Sprachen Griechisch und Hebräisch, die sie beide erst im Studium lernte, machten ihr Spaß. „Bibeltexte zu übersetzen, ist in etwa so, wie sie in der heutigen Sprache auszulegen“, sagt sie.

Nach dem Studium folgte das Vikariat, also jene Zeit, in der die angehenden Pfarrer auf ihre Arbeit in den Kirchengemeinden vorbereitet beziehungsweise eingelernt werden. Ira Philipp ging dazu in den Ort Schlat im Landkreis Göppingen. Zum 1. März 2014 ging es dann für den unständigen Dienst als Pfarrerin nach Vaihingen, wo Dekan Reiner Zeyher die Zusammenarbeit mit ihr sehr schätzte: „Sie ist jemand, der sehr tatkräftig ist und mit Freude die Sache angeht. Sie ist mit Leib und Seele Pfarrerin und hat mit ihrer Fröhlichkeit Spuren hinterlassen.“

In ihrer Zeit in Vaihingen hat Philipp dazu beigetragen, dass der sogenannte KU 3, der Konfirmandenunterricht ab der dritten Klasse, eingeführt wird. „Da war sie eine maßgebliche Impulsgeberin“, so Zeyher. Zudem war sie Mitglied im Erwachsenenbildungsausschuss und leitete den Frauenkreis. Ganz wesentlich unterstützte sie den Dekan in seinem Seelsorgebereich.

Vermissen wird Zeyher übrigens auch ihre Schnelligkeit: „Als Protokollantin war sie unschlagbar flink. Kaum hatten wir eine Besprechung beendet, schon waren die meisten Sachen erledigt und von ihr auf den Weg gebracht worden.“

Offiziell ist Philipp, die die Bezirkshomepage verantwortete, die Redaktionsleitung des Bezirksblatts „Rundum“ inne hat und den Redaktionskreis für den Gemeindebrief „Kreuz und quer“ begleitete, noch bis Ende Februar in Vaihingen tätig. Gefühlt ist aber heute ihr letzter Tag. Denn bis ihre neue Aufgabe im Kirbachtal beginnt, hat sie nun erst einmal Urlaub. In dieser Zeit möchte sie Freunde besuchen und ihrem Hobby, dem Reiten, nachgehen. Bei der Reitanlage Römerhof in Oberriexingen hat sie ein Pflegepferd. Diesem möchte sie auch in Zukunft treu bleiben.

Konkrete Ziele, die sie mit ins Kirbachtal nimmt, nennt Ira Philipp im Pressegespräch keine. Die Devise lautet ankommen und beobachten: „Ich möchte erst mal gucken, wie es dort läuft“, sagt sie. Aber natürlich setze man als neue Person automatisch Impulse – allein durch die Art, wie man ist.

„Frau Philipp bringt unglaublich viel neuen Schwung, tolle Ideen aber auch einen unverstellten Blick auf unsere Gemeinden mit. Wir haben Sie als engagierte und passionierte Pfarrerin kennengelernt, die uns Kirchengemeinden sicherlich einen großen Motivationsschub verpassen wird“, sagt Heimann. In der Zeit der Vakanz wurden die sonntäglichen Predigten überwiegend durch Prädikanten des Kirchenbezirks gestaltet. Pfarrer Michael Wanner aus Hohenhaslach übernahm Taufen, Trauungen und Bestattungen.

Mit Philipps beruflichen Wechsel ins Kirbachtal geht auch der Umzug ins Pfarrhaus nach Ochsenbach einher. Philipp ist es wichtig, aber auch in den anderen Orten der beiden Kirchengemeinden präsent zu sein. Wenn es sich anbietet, möchte sie Termine so legen, dass sie auch mal einen ganzen Tag in Spielberg oder Häfnerhaslach ist.

Die offizielle Verabschiedung Ira Philipps findet am 12. Februar um 10 Uhr in der Stadtkirche in Vaihingen statt. Am 19. März folgt in der Remigiuskirche in Häfnerhaslach um 10 Uhr die Einführung der neuen Pfarrerin.

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