Holpriger Start auf der Schiene

Nahverkehr mit neuen Betreibern – Geräuschlose Fahrt und Verspätungen

Erstellt: 12. Juni 2019
Holpriger Start auf der Schiene Neue Züge mit Verspätung im Vaihinger Bahnhof. Foto: Scheytt

Mühlacker/Vaihingen (os). Zugegeben – es hätte schlimmer kommen können für die Bahnkunden am Tag eins der Übernahme des Nahverkehrs durch die neuen Betreiber Abellio und Go-Ahead. So aber gab’s mitunter pünktliche Verbindungen – aber auch Verspätungen von über einer Stunde, in dem Fall verursacht durch zumindest eine „technische Störung“ bei einem der neuen gelb-weiß lackierten Züge.

Der erste Eindruck gegen 10 Uhr im Bahnhof Mühlacker war am Pfingstsonntag schon mal vielversprechend: Der Interregioexpress nach Stuttgart, gefahren von Go-Ahead, fuhr (fast) pünktlich auf Gleis 1 ein. Die Abteile gut besetzt, das Interieur ansprechend designt – und die Fahrt annähernd geräuschlos. Viel wohltuender jedenfalls, als die IRE des seitherigen Platzhirsches mit dem Kürzel DB.

Die erste Testfahrt bis Vaihingen/Enz, zeitlich bewusst so ausgewählt, um den fahrplanmäßigen Gegenzug wieder in Richtung Mühlacker zu erreichen, verlief also zufriedenstellend. Besagtem Gegenzug aus Stuttgart zurück „ins (Neu)Badische“ blickte der im öffentlichen Nahverkehr nicht unerfahrene Testfahrer dann mit allergroßem Interesse entgegen – denn es war ein solcher, der von den Strategen der Nahverkehrsgesellschaft des Landes als „Flügelzug“ tituliert wurde, der also in Mühlacker geteilt wird, weil die eine Hälfte nach Pforzheim und die andere in Richtung Bruchsal/Heidelberg weiterfährt.

Es war dann keiner der neuen gelb-weißen Generation, weil Abellio bekanntlich längst noch nicht ihre komplette Flotte ausgeliefert bekam – also fuhr ein Doppel-Gespann des bekannten roten 425ers, das Logo „DB“ aber schon mal von der Außenwand entfernt. Im Eifer des Gefechts übersah unser Testfahrer freilich, in welches Zugteil er nun einsteigen sollte – und nahm das nächstbeste, in der Hoffnung, nicht in Bruchsal, sondern in Pforzheim anzukommen. Kurz vor der Heimatstadt dann die ein Stück weit erlösende Durchsage über die Bordlautsprecher: In Mühlacker werde der Zug geteilt, Reisende mögen gegebenenfalls bitte umsteigen. Wozu die Zeit auch sehr gut reichte.

In Pforzheim endete dann der Zug – für Weiterreisende in Richtung Karlsruhe stand am selben Bahnsteig die bekannte AVG-Stadtbahn bereit. Wer schneller in die badische Residenz wollte, musste sich freilich auf den nächsten IRE gedulden.

Mit dem Gegenzug, diesmal einem von Abellio, ging’s wieder zurück nach Mühlacker, samt Einloggen ins kostenlose WLan. Fazit der beiden Fahrten mit den neuen Betreibern: Komfortabel, mit Toiletten ausgerüstet, alles jedenfalls auf den ersten Blick wie zugesagt passend. Und mit ebenerdigem, stufenfreien Zutritt in die Wägen, zumindest in Mühlacker und Pforzheim.

Am Bahnhof Mühlacker wieder angekommen galt das Augenmerk des Reporters dann noch eine längere Zeit dem, was da so abging. Und das war fünf, sechs Stunden nach Betriebsstart von Go-Ahead und vor allem Abellio nicht gerade rühmlich. Und mit personeller Hilfestellung der Fahrgäste auf den Bahnsteigen war’s auch nicht weit her. Zwar standen ganze Armadas von Mitarbeitern in Abellio-Outfit herum, waren aber augenscheinlich eher mit sich selbst beschäftigt.

Erschwerend kam aus Fahrgastsicht hinzu, dass am Pfingstsonntag keinerlei Lautsprecherdurchsagen auf den Bahnsteigen erfolgten. Da wussten dann manche Reisende nicht, ob sie in den mit Ziel „Bad Wildbad“ bezeichneten Zug einsteigen könnten, um damit nach Pforzheim zu gelangen. Auch wurden die Fahrplan-Displays nicht punktgenau aktualisiert. Da prangte den Fahrgästen etwa weiß auf blau eine 60-minütige Zugverspätung entgegen, derweil ein halbwegs fahrplanmäßiger Zug in der selben Fahrtrichtung tatsächlich fuhr.

Die wirkliche Bewährungsprobe werden die neuen Bahnbetreiber (und -nutzer) im werktäglichen Berufsverkehr und nach den Schulferien im Schülerverkehr erleben. So sieht es auch Matthias Lieb, der in Mühlacker wohnhafte Landesvorsitzende des Verkehrsclubs Deutschland. Er äußerte sich am Abend enttäuscht über die Serie von Pannen, von denen offenbar auch der Verkehrsminister Winfried Hermann bei einer Testfahrt von Stuttgart nach Karlsruhe Kenntnis erlangte. Auch dieser sei von Verspätungen betroffen gewesen.

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