Gottesdienste finden in neuer Form statt

Vaihinger Arbeitskreis christlicher Kirchen informiert über die kommenden Sonntage – Gemeinsamkeiten und Unterschiede prägen die Angebote der drei Institutionen in der Kernstadt – Mund-Nasen-Schutz ist in der evangelischen Stadtkirche Pflicht

Von Sabine Rücker Erstellt: 14. Mai 2020
Gottesdienste finden in neuer Form statt Christoph Knecht, Reiner Zeyher und Bernhard Schäfer (von links) erklären, wie die Gottesdienste stattfinden werden. Fotos: Rücker

Vaihingen. Zu einem gemeinsamen Pressegespräch zum Thema Wiederaufnahme der Gottesdienste hat gestern der Vaihinger Arbeitskreis christlicher Kirchen, kurz ACK, in die Vaihinger Stadtkirche geladen. „Trotz aller Unterschiede in der Umsetzung ist uns wichtig, dass wir uns als Gemeinschaft verstehen“, verdeutlichte Reiner Zeyher in seiner Funktion als Pfarrer der Pfarrstelle Nord der evangelischen Kirchengemeinde. Man wolle zeigen, dass man „zusammen unterwegs ist“, pflichtete Pastoralreferent Christoph Knecht für die katholischen Kirchengemeinden St. Antonius und St. Paulus bei. „Jeder auf seine Art“, ergänzte Pastor Bernhard Schäfer von der evangelisch-methodistischen Kirche Bezirk Vaihingen.

Mit Änderung der Corona-Verordnung des Landes zum 4. Mai sind unter Hygieneauflagen Gottesdienste wieder erlaubt. Der Vaihinger ACK hatte sich als Zeichen der ökumenischen Verbundenheit darauf verständigt, ab wann in der Kernstadt sonntags die Kirchentüren wieder zum Gottesdienst aufgehen (VKZ hat berichtet).

„Es wird sehr positiv wahrgenommen, dass wir uns gemeinsam abstimmen“, konnte Reiner Zeyher, seines Zeichens auch Dekan, über Rückmeldungen berichten.

Für alle Kirchengemeinden gelten die Hygienemaßnahmen des Landes. Unter anderem musste jeweils ein schriftliches Infektionsschutzkonzept erstellt werden, es muss die Gelegenheit zur Handdesinfektion geschaffen werden und ein Mindestabstand von 1,5 Metern pro Person gewährleistet sein. Diesen haben die Kirchen auf zwei Meter erweitert.

Evangelische Kirchengemeinde Vaihingen

Die evangelische Kirchengemeinde feiert am Sonntag (17. Mai) um 10 Uhr Gottesdienst in der Vaihinger Stadtkirche. Auf eine Anmeldepflicht wird verzichtet. „Wir feiern einen öffentlichen Gottesdienst, wir wollen es drauf ankommen lassen“, sagte Zeyher mit Blick darauf, ob die begrenzte Platzzahl ausreichend sein wird. Es gibt 54 Einzelplätze, die mit Kärtchen markiert sind.

Die Bänke mit „erlaubten“ Sitzplätzen sind an roten Bändern zu erkennen. Man wolle keine Baustellenatmosphäre mit Absperrbändern schaffen, sondern habe sich für die Hochzeitsvariante entschieden, ließ Zeyher wissen. Mit Familien, die enger zusammenrücken dürfen, rechne man mit um die 70 Gottesdienstbesucher. So sei auch der durchschnittliche Besuch vor der Corona-Pandemie gewesen. Falls der Andrang doch größer werde, könne zukünftig ein zweiter Gottesdienst im Anschluss stattfinden. Der Gottesdienst wird nur 35 Minuten lang sein.

Die Evangelische Landeskirche in Württemberg hat einen Mund-Nasen-Schutz als verpflichtend für Gottesdienstbesucher verordnet, welcher, wenn möglich, mitgebracht werden sollte. Empore und Kanzel dürfen nicht genutzt werden, es darf nicht gesungen werden. Ein Bläser oder zwei bis vier Sänger können den Gottesdienst begleiten. „Ein Gottesdienst ohne Gesang ist für uns Evangelische eigentlich nicht denkbar“, sagte Zeyher.

Es gibt einen Eingang und zwei Ausgänge für den Gottesdienst, ab 9.45 Uhr ist die Kirche geöffnet, Platzeinweiser stehen bereit. Der Bläserkreis wird ab Sonntag vor jedem Gottesdienst ab 9.30 Uhr ein Turmblasen mit zwei Bläsern darbieten. Ab diesem Sonntag wird die Stadtkirche bis zum Herbst auch wieder samstags und sonntags zur offenen Kirche.

Der Gottesdienst wird auf Video aufgenommen und wird auf der Homepage abrufbar sein. Die Predigten werden ausgelegt und können den Kirchengemeindegliedern, die nicht in die Stadtkirche kommen können, mitgenommen werden, regte Zeyher an.

Seit 11. Mai seien die Gemeindehäuser wieder offen, so könne demnächst ein Spätgottesdienst am Wolfsberg stattfinden. Kindergottesdienste seien noch nicht wieder möglich.

Abendmahlgottesdienste seien untersagt, so Zeyher, aber Taufgottesdienste und Trauungen dürfen wieder stattfinden.

Katholische Kirchengemeinde St. Antonius und St. Paulus

Von Einschränkungen muss Pastoralreferent Christoph Knecht berichten. Pfarrer Karl Böck sei bis voraussichtlich 5. Juni aufgrund einer Augen-Operation im Krankenstand. Zudem wird die Kirche St. Paulus in Enzweihingen erst ab Mitte Juni wieder nutzbar sein, da die gesamte Beleuchtung erneuert wird. Das Gemeindezentrum St. Markus in Riet sei aufgrund der Abstandsregeln zu klein, in St. Bonifatius in Kleinglattbach werden demnächst wieder Gottesdienste stattfinden können. Aber: „Wer hält die Gottesdienste, da keine Messen möglich sind ohne Pfarrer?“, stellte Knecht die Frage in die Runde in der Stadtkirche. Erst ab 6. Juni, 18 Uhr, und 7. Juni, 10.30 Uhr, sind in der St. Antonius-Kirche in Vaihingen Gottesdienste vorgesehen. Knecht: „Vorher werden wir Wort-Gottes-Feiern halten.“ Diese Feier mit einer Handkommunion, bei der die Hostie in die Hand gelegt wird, wird Pastoralreferent Knecht am 17. Mai um 10.30 Uhr in der St. Antonius-Kirche als eine Art Testlauf halten, bei dem nur angemeldete Kirchengemeinderatsmitglieder anwesend sein werden. Die Kommunionspendung wird mit einer Plexiglasscheibe den Hygieneregeln angepasst. Öffentlich starten wird dieses Angebot an die Gläubigen am 24. Mai um 10.30 Uhr in St. Antonius, dort werden 30 markierte Plätze bereitstehen. Es besteht eine Anmeldepflicht.

Gesungen wird nur von den Kantoren oder der Schola, einer Sängergruppe, „die darf bei uns auf die Empore“, sagte Knecht. Mund-Nasen-Schutz wird empfohlen, sei aber keine Pflicht. Am 11. Juni wird es an Fronleichnam keine Prozession geben, aber um 10.30 Uhr eine Messe in St. Antonius mit traditionellem Blumenteppich. Der Start für die italienischen Gottesdienste sonntagnachmittags ist für den 14. Juni vorgesehen. Auf der Homepage der Kirchengemeinde besteht neben weiteren Angeboten die Möglichkeit, über Skype gemeinsam mit Gemeindegliedern Hausgottesdienste zu feiern.

Evangelisch-methodistische Kirche Bezirk Vaihingen

„Für uns ist vieles, was unsere Gottesdienste kennzeichnet, nicht möglich“, sagte Pastor Bernhard Schäfer. Die Gemeinschaftserlebnisse fielen momentan weg, es gebe keine Angebote für Kinder. Für Familien sei der Gottesdienst somit eigentlich nicht sehr attraktiv.

Diesen Sonntag (17. Mai) findet der Gottesdienst um 10 Uhr in der Friedenskirche statt, eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Die Plätze sind für 24 bis 50 Personen ausgewiesen, die Stühle sind gestellt, die Leute werden hingeführt.

„Wir werden ein kleines Musik-Team haben“, stellte der Pastor in Aussicht. Lieder können mit Mundschutz mitgesungen oder ohne mitgesummt oder im Herzen mitgesungen werden.

Die Veranstaltung wird gefilmt und ist auf der Homepage abrufbar und live mitzuerleben. In Vor-Corona-Zeiten konnten rund 100 Gottesdienstbesucher begrüßt werden.

Sollte sich zeigen, dass der Platz nicht ausgereicht hat, dann wird am darauffolgenden Sonntag (24. Mai) um 9.30 Uhr ein Gottesdienst in Ensingen und um 10.30 Uhr in Vaihingen stattfinden.

Die Predigten werden auch per E-Mail und Post verschickt sowie auf der Homepage hinterlegt. Für Pfingstsonntag (31. Mai) ist ein Gottesdienst im Grünen rund um die Friedenskirche geplant.

Im Anschluss an die Gottesdienste gibt es die Möglichkeit, an einem virtuellen Kirchencafé teilzunehmen.

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