Engelstrank vor der Zugbrücke

Erstmals findet der Rieter Weihnachtsmarkt im Schlosspark statt – Aussteller und Gäste zufrieden

Von Vera Gergen Erstellt: 2. Dezember 2019
Engelstrank vor der Zugbrücke Die „HVV-Engel“ im Glück. Fotos: Gergen

Eine imposante Kulisse und tolles Winterwetter bildeten am Samstag den perfekten Rahmen für den ersten Weihnachtsmarkt im Rieter Schlosspark, wo die Eigentümerfamilie von Reischach gemeinsam mit Rieter Vereinen, der Grundschule, der evangelischen Kirchengemeinde und zumeist lokalen Kunsthandwerkern zahlreiche Besucher zu ihrem Adventszauber begrüßen konnte.

Riet. „Unsere Idee ist, das Schloss im Rahmen unserer Möglichkeiten für die Öffentlichkeit zu öffnen“, begründete Kristen Gräfin von Reischach die Verlegung des bisherigen Weihnachtsmarktes aus der Ortsmitte vor die ehemalige Wasserburg der Staufer, auf deren Fundamenten das heutige Gebäudeensemble am Ortseingang thront. So lockten erstmals im Rondell vor der Zugbrücke und unter den teilweise uralten Bäumen des Parks – eine der Platanen ist um 1680 datiert! – rund zwanzig Stände mit weihnachtlichen Geschenkideen und kulinarischen Genüssen, um das erste Adventswochenende bei heißen Langos vom Sportverein, dampfender Kürbissuppe oder einer süßen Waffel einzuläuten. Die hochwertigen kunsthandwerklichen Produkte, die von Zementvasen, Drahtfiguren und Kräuterkränzen über ausgefallene Holzarbeiten, Keramikkunst oder Weihnachtsgestecke bis hin zu edlen Seiden- und kuscheligen Wollschals, Gefilztem und Schmuck reichten und auch Ungewöhnliches wie Hanftextilien beinhalteten, fanden ebenfalls großen Anklang.

Kürbissuppe und Kräuterkränze

Teils seien die Aussteller beim Rieter Herbst gewonnen worden, teils durch direkte Ansprache, so die Organisatoren, die auch eng mit dem Rathaus zusammen gearbeitet hätten, wie weiter zu erfahren war. Das neue Konzept und die feine Mischung aus dekorativen, modischen, saisonalen und lukullischen Angeboten war jedenfalls sehr gelungen und kam ganz offensichtlich nicht nur bei den Bewohnern des kleinsten Vaihinger Teilortes an, sondern auch bei zahlreichen auswärtigen Gästen.

Auch die Aussteller zeigten sich sehr zufrieden, wie beispielsweise die „HVV-Engel“ – eine sechsköpfige, frohgelaunte „Mädelsgruppe“, die neben interessanten Beton-Windlichtern unter anderem leckere Liköre und handbeschriftete Weihnachtskarten im Angebot hatte. „Es läuft!“, war sich die „Hühner-Voll-Versammlung“ (so ihre Abkürzungserklärung) einig, denn schon um 16 Uhr war von dem himmlischen Engelstrank nur noch ein Fläschchen zu haben. Sehr lecker schmeckten sicher auch die Imkerei-Erzeugnisse nebenan, die „Pfarrgarten-Früchtchen“ am Stand der Kirche sowie die „mit ganz viel Herz selbstgemachten“ Marmeladen in so ausgefallenen Sorten wie Bratapfel oder Wilde Pflaume, die Mats Nienhaus mit seiner Mama Tanja feilbot. Wie der zehnjährige Eberdinger verriet, habe er im letzten Sommerurlaub in den Schären vor Stockholm ganz viele Blaubeeren, Preiselbeeren und Himbeeren im Wald gesammelt und sie dann zuhause in süßen Brotaufstrich verwandelt. Andreas Pichler aus Stuttgart probierte sich durch einige verlockende Kompositionen und hob anerkennend den Daumen, bevor er sich mit einem Gläschen schwedischen Sommergeschmacks eindeckte.

Beim „Eberdinger Treff eV“ nebenan konnte man dagegen aus allerlei weihnachtlichen Dekorationen auswählen und dabei der eigentlichen Botschaft vom Fest der Liebe ein Stückchen näher kommen. Denn wie von den anwesenden Vertretern zu erfahren war, gibt es diesen Verein, „um das Leben zu feiern, die Gemeinschaft zu fördern und einen Ort zu bieten, wo man altbekannte oder auch neue Gesichter trifft, und damit einen Ort mit offenem Herzen und offenen Armen“. Weiter ging es zum Stand von Ute Bozzai aus Riet, die ihre filigrane Klöppelspitze beispielsweise um mundgeblasene Glaskugeln fertigt und dafür je nach Muster sage und schreibe schon mal 70 Stunden aufwendet.

Weihnachtliche Klänge in der Dämmerung

Auch die Eltern des Kindergartens und der Grundschule hatten einiges an Zeit investiert, um den Besuchern weihnachtliche Geschenkideen zu präsentieren. Ergänzt wurden diese von niedlichen Engeln und Sternenleuchtern, die die Kinder mit ihren Erzieherinnen und Lehrern gebastelt hatten. Wie Yvonne Schneider und Sandra Monien vom Elternbeirat des Kindergartens betonten, kam die neue Örtlichkeit für den Weihnachtsmarkt im Schlosspark besonders bei den Familien gut an, konnte man den Nachwuchs doch hier ganz entspannt, da vom Straßenverkehr ungefährdet, herumtollen lassen.

Kurz vor Anbruch der Dämmerung erfüllten dann noch weihnachtliche Klänge den Schlosshof. Denn die Chorgemeinschaft Hochdorf-Riet unter der Leitung von Falk Erdmann stimmte unter anderem „Guten Abend, schön Abend, es weihnachtet schon“ an. „Nun singt es und klingt es so lieblich und fein. Wir singen die fröhliche Weihnachtszeit ein“, heißt es weiter in dem österreichischen Volkslied, das sich mit einem heißen Punsch oder Glühwein – ausgeschenkt von den Gräfinnen von Reischach an der Schlossbar nebenan – gleich nochmal so gut genießen ließ.

Weiterlesen
„Da war der liebe Gott mit am Werk“

„Da war der liebe Gott mit am Werk“

Drucken Mittlerweile dürfte die Tinte trocken sein unter dem Vertrag, der am Freitag im evangelischen Gemeindehaus neben der Stadtkirche unterzeichnet wurde. Dass es nun zu diesem folgenreichen Federstrich kam, ist den Beteiligten zufolge schon ein kleines Adventswunder. Vaihingen.... »