Einmalig: Die Deponie heizt ein Dorf

Gestern Spatenstich für die Fernwärmeversorgung von Gündelbach – Knapp 100 Hauseigentümer setzen auf „tolles Projekt“

Von Uwe Bögel Erstellt: 11. Mai 2016
Einmalig: Die Deponie heizt ein Dorf Spatenstich mit Vertretern der Stadt Vaihingen, der AVL, des Ingenieurbüros Schuler, der Stadtwerke Ludwigsburg-Kornwestheim und der Baufirma Gebr. Ezel – das Vaihinger Unternehmen übernimmt den Leitungsbau – für die Fernwärmeversorgung Gündelbachs. Fotos: Bögel

Dem Gündelbacher Ortsvorsteher war an diesem Tag nach Poesie zumute. „Ich strahle heute wie ein Apfelbutz“, verkündete Thomas Fritzlar. Der Grund für die gute Laune war der Spatenstich für die Fernwärmeversorgung Gündelbachs auf dem Gelände der Deponie Burghof.

Gündelbach. Bereits im kommenden Winter sollen die ersten Häuser in Gündelbach mit der Kraft der nahe gelegenen Deponie Burghof beheizt werden. Im Jahr 2010 wurde auf dem Gelände der kreiseigenen Deponie Burghof zwischen Horrheim und Gündelbach ein Blockheizkraftwerk mit einer elektrischen Leistung von 1250 Kilowatt installiert. Pro Stunde werden rund 650 Kubikmeter Deponiegas, das sich überwiegend aus Methan zusammensetzt, verwertet – zum einen zu rund 9,5 Millionen Kilowattstunden Strom pro Jahr, die ins Stromnetz eingespeist werden können, zum anderen zu rund zehn Millionen Kilowattstunden Wärme, mit denen bisher Holzhackschnitzel getrocknet und die in Zukunft zum Heizen des rund zwei Kilometer entfernten Ortes Gündelbach dienen sollen. Mit dem Leitungsbau ist jetzt begonnen worden.

„Das ist ein tolles, innovatives und ökologisches Projekt“, sagte der Vaihinger Oberbürgermeister Gerd Maisch gestern beim Spatenstich. „Heute wird das erste Mal in Deutschland der Bau einer Fernwärmeversorgung eines Ortes auf der Grundlage von Deponiegas begonnen“, formulierte es Albrecht Tschackert, Abteilungsleiter Deponie- und Energietechnik bei der Abfallverwertungsgesellschaft des Landkreises Ludwigsburg (AVL). „Ich bin stolz, dass knapp 100 Gündelbacher Hauseigentümer auf die Fernwärme setzen“, so Gündelbachs Ortsvorsteher Thomas Fritzlar. Und dieser bekam von AVL-Mann Tschackert eine extra Urkunde: Fritzlar sei ein Überzeugungstäter, der vor Ort unermüdlich für die Fernwärme geworben habe.

Möglich wurde das Projekt aber erst durch die Förderung des Bundes für den Leitungsbau. Für 1,8 Millionen Euro baut die Stadt Vaihingen das Leitungsnetz von der Deponie Burghof nach Gündelbach und erhält dafür von der bundeseigenen Förderbank KfW einen Kredit. Über die Pacht kann diese Investition refinanziert werden, so dass der Leitungsbau kein Steuergeld kostet.

Knapp 100 Hauseigentümer in Gündelbach haben sich trotz des derzeit niedrigen Ölpreises für die Fernwärme entschieden. Auch werden alle städtischen Gebäude wie Wachtkopfhalle oder Rathaus an das neue Netz angeschlossen.

„38 Jahre dauerte es, seitdem der erste Abfall auf der Deponie Burghof abgelagert wurde, bis die Rahmenbedingungen dieses Leuchtturmprojekt ermöglichten“, sagte Albrecht Tschackert von der AVL. Und: „Heute können wir den Bürgern vor Ort etwas zurückgeben für 38 Jahre Deponiebetrieb, der hier konstruktiv und verständnisvoll begleitet wurde.“

Die durch das Blockheizkraftwerk erzeugte Wärme wird in Form von heißem Wasser über ein gedämmtes, geschlossenes Rohrleitungsnetz zu den einzelnen Abnehmern transportiert. Dort werden der bisherige Heizkessel, der Brenner und die Öltanks durch eine Übergabestation ersetzt, in der die Wärme auf das Heizungssystem des Gebäudes übertragen wird.

Die Gasmenge aus der Deponie wird allerdings jedes Jahr geringer. In einigen Jahren ist es deshalb erforderlich, für die Wärmenutzung zusätzlich einen Holzkessel mit Landschaftspflegeholz zu betreiben.

Weiterlesen
Komplettsanierung der Friedrich-Kraut-Straße

Komplettsanierung der Friedrich-Kraut-Straße

Drucken Vaihingen (aa). Die Sanierung der Trinkwasserleitung in der Vaihinger Bismarckstraße ist beschlossene Sache. Der Technische Ausschuss (TA) des Gemeinderates hat den Baubeschluss gefasst. Noch nicht ganz soweit ist das Thema Ausbau der Friedrich-Kraut-Straße, ebenfalls in der Kernstadt.... »